Ein Heim für Großtiere im betagten Alter

Gnadenhof-Helfer wollen Verein gründen

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Ilka Müller, Luisa Bärenklau, Nataly Kiontke sowie Christine Bärenklau (v.l.n.r.) kümmern sich um Schaf Moritz und wollen im Rahmen eines Vereins Großtiere pflegen.

Erichshof - Von Sigi Schritt. Ihre Liebe zu Tieren hat Nataly Kiontke bewogen, zusammen mit ihren beiden Freundinnen erfolgreich Futterspenden für den Erichshofer Gnadenhof von Ingrid Göcke einzuwerben. Das war vor zehn Jahren und Kiontke fast elf Jahre alt. Das Engagement beeindruckte unter anderem den Mars-Konzern, der das Mädeltrio damals großzügig mit Tierfutter unterstützte. Das Mädchen von einst hat sich zu einer jungen Frau entwickelt, die in Weyhe wohnt und als Speditionskauffrau in Bremen arbeitet. Geblieben ist die Liebe zu den (großen) Vierbeinern. Um den Ideen der Gnadenhof-Gründerin nachzueifern, will sie mit Mitstreitern einen Verein gründen.

„Ich war damals begeistert, dass Ingrid Göcke die alten und teilweise kranken Tiere, die niemand mehr haben wollte, aufnahm und sich um sie kümmerte. Die Tiere sind sehr dankbar“, erinnert sich Kiontke. Es gebe so viele Menschen, die sich Vierbeiner zulegen, ohne sich Gedanken zu machen, was passiert, wenn sie alt werden. „Man übernimmt eine enorme Verantwortung“, sagt die 21-Jährige. Sie kritisiert, dass Menschen ihre einst liebsten Freunde ins Tierheim geben wollen, nur weil sie nicht mehr in ihr Leben passen. „Leider gibt es über den Landkreis hinaus nicht genug Stellen, die Großtiere wie Ponys und Schafe aufnehmen können. Da ist der letzte Weg oft der Schlachthof.“

Landkreis holte Tiere wegen Auseinandersetzung um das Erbe ab

Als Göcke Anfang des Jahres starb, gehörte Kiontke bereits dem ehrenamtlichen Team um Christine Bärenklau an, das die Tiere auf dem Grundstück an der Erichshofer Straße versorgte. Wochen vergingen. Die Tiere waren in guten Händen. Davon überzeugten sich beispielsweise Besucher anlässlich eines Tags des offenen Stalls und Schulkinder beim Zukunftstag. Das Team informierte über Tierschutzarbeit.

Doch wem gehörten die Tiere? Als sich Monate später eine Auseinandersetzung um das Erbe anbahnte mit Erbausschlagung sowie Geltendmachung von Wohnrechten des langjährigen Gnadenhof-Mitstreiters Ottomar Bederke, holte der Landkreis die Pferde ab. Es blieben nur noch der Schafbock Moritz und drei Katzen auf dem Hof.

Gnadenhof Göcke soll nicht weiterbetrieben werden

Sollte Nataly Kiontke ihr Engagement für größere Tiere damit für so gut wie beendet erklären? „Nein“, sagt die 21-jährige Speditionskauffrau. „Wir wollen einen Verein gründen, um ältere Großtiere zu pflegen.“ Der Zuständigkeitsbereich soll sich auf den gesamten Landkreis erstrecken. Die Vereinsführung soll – so die Vorstellung – mit den Behörden zusammenarbeiten. Vereinsmitglieder oder ehrenamtliche Helfer könnten sich laut Kiontke zum Beispiel um die Pflege der künftigen Tiere kümmern. „Da geht es um die Fellpflege, aber auch um die Fütterung.“ Der Stalldienst müsse ebenso organisiert werden, erklärt Kiontke.

Vielleicht gesellen sich zuverlässige Mitstreiter dazu, die Sommerfeste, Infostände oder andere Dinge rund um den Verein organisieren möchten. Christine Bärenklau, die seit zwei Jahrzehnten Tierschutzarbeit leistet, und Nataly Kiontke können sich vorstellen, Vorstandsposten zu übernehmen. „Wir haben nicht vor, den Gnadenhof Göcke weiterzubetreiben“, betont Bärenklau. „Allerdings möchten wir die Tiere zurückholen und pflegen.“

Infoabend am 18. August

Den Aktivisten schwebt vor, diese und weitere Tiere in einer Art Begegnungsstätte beispielsweise mit Menschen mit Behinderungen zusammenzubringen. „Möglich sind auch Aktionen mit Kindern und Senioren.“ Außerdem wünschen sich die Helfer Firmen und Bürger, die die Gruppe künftig mit Spenden unter die Arme greifen.

„Wir suchen einen Resthof zur Pacht, der für unsere Projekte geeignet ist. Für die Versorgung der Tiere wäre ein Wohnhaus von Vorteil, damit immer ein Tierpfleger vor Ort ist“, sagt Bärenklau. Für die nächsten Tage und Wochen sind Gespräche mit der Gemeinde und dem Landkreis geplant.

  • Wer mehr über den Verein wissen möchte, kann zum Infoabend kommen, den das Team für Freitag, 18. August, organisiert. Beginn ist um 18 Uhr im Vereinsheim des FTSV „Jahn“ Brinkum (Langenstraße 50). Kontaktaufnahme ist unter der Telefonnummer 0176/88100764 (Bärenklau) möglich.

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