Gemeinde legt bei Nutzung Veto ein

Eltern kämpfen für mobile Lüftungsanlage – zum Schutz vor Corona

Setzt sich für eine Lüftungsanlage in der Grundschule Sudweyhe ein, die auch in Bremen verwendet wird: Inken Lauenstein aus Ahausen.
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Setzt sich für eine Lüftungsanlage in der Grundschule Sudweyhe ein, die auch in Bremen verwendet wird: Inken Lauenstein aus Ahausen.

Weyhe – Alle Klassenräume der Grundschule Sudweyhe sollen nach dem Willen von Elternvertretern mit mobilen Lüftungsfiltern ausgestattet werden. Inken Lauenstein (42), Mutter einer Erstklässlerin und Mitglied des Gesamtelternrates, zeigt ein Gerät, das in der Ganztagsgrundschule zum Einsatz kommen soll: Es ist eines der Marke Philipps, das in der Lage sei, Nanopartikel aus der Luft herauszufiltern.

Lauenstein habe es gekauft, weil genau jenes in anderen Städten benutzt wird, in der Sudweyher Schule dürfe es aber nicht eingeschaltet werden.

„Es ist aber für den Einsatz in Klassenräumen geeignet, um Viren und Aerosole aus der Luft zu filtern. Dabei soll laut Herstellerangaben bis zu 99 Prozent der Viren entfernt werden“, sagt die 42-Jährige. Die Schule habe die finanziellen Mittel, um solche Geräte für insgesamt zehn Klassenräume und drei Fachräume sowie für das Lehrerzimmer anzuschaffen, sagt sie. Dafür würde eine Summe von rund 4200 Euro benötigt.

Es sei aber nicht erlaubt, die Geräte aufzustellen, sagt die Elternvertreterin, denn die Weyher Gemeindeverwaltung hat ein Veto eingelegt. „Die Gemeinde begründet ihren Standpunkt, dass es ausreicht, die Klassenräume alle 20 Minuten durchzulüften“, berichtet die Elternvertreterin. Die Gemeinde mache deutlich, dass sie den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz und des Umweltbundesamtes folge, konsequent auf Stoßlüften zu setzen. Außerdem bringe solch ein Gerät keinen Nutzen. Die Verwaltung wolle zudem den Eindruck einer Zweiklassen-Gesellschaft vermeiden, wenn nämlich in einer Schule Lüfter laufen und in anderen Schulen nicht. Am Telefon habe man Lauenstein zu verstehen gegeben, dass die Verwaltung auch Bedenken hinsichtlich der Haftung und des Brandschutzes hege. „Dann pfeift Bremen offenbar darauf“, so Lauenstein. Denn die Hansestadt würde die Schülerluft mit genau diesem Gerät, was sie in den Händen hält, filtern lassen. Deshalb habe sie sich ja für den Kauf jenes Lüfter-Modells entschieden.

Wie Annette Kemp, Sprecherin der Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, bestätigt, habe die Stadt Bremen 910 Luftfilter verschiedener Marken angeschafft. Auch das Modell der Ahauser Mutter sei dabei. Zudem werden laut Kemp die Lüftungslösungen nach Max-Planck-Institut (bekannt als Baumarktlösung, wir berichteten) als Schul-/ Unterrichtsprojekt unter fachlicher Begleitung unter die Decke gehängt. Das sei nicht ganz so einfach, weil einige Decken in Schulen abgehängt sind, so Kemp. „Dort ist eine Anbringung dann nicht möglich. An drei Schulen laufen weitere Projekte mit ,Marke Eigenbau’“.

Für Inken Lauenstein gehe ihr Vorstoß auch darum, Erfahrungen zu sammeln. „Als ich die Rektorin der Schule vom Kauf berichtete, wollte sie sich zuvor bei der Gemeinde rückversichern.“ Das sei schief gegangen, so Lauenstein weiter.

Den Haftungs- und Brandschutzargumenten der Gemeinde entgegnet die Mutter, dass die Geräte, die in Bremen eingesetzt werden, TÜV-geprüft und extra für diesen Einsatz konstruiert seien. Ein Gerät bewältige es, die Luft eines Raumes einer Grundfläche von 78 Quadratmeter zu reinigen. 32 Minuten benötige das Gerät, um seine volle Wirkung zu entfalten.

Das würde bedeuten, dass der Unterricht mit einer ganzen Klasse wieder möglich sei. Im Moment gebe es nur Wechselunterricht in Halbgruppen. wobei der Freitag im 14-tägigen Wechsel der einen oder anderen Gruppe zusteht.

Die Sudweyher Elternvertreter können die ablehnende Haltung der Gemeinde aus mehreren Gründen nicht akzeptieren. Lauenstein: „Sobald die Temperaturen nämlich wärmer werden, findet ein ausreichender Luftaustausch nicht statt.“ Die Mutter zitiert die Deutsche Physikalische Gesellschaft. Diese habe eine Kombination empfohlen, die einerseits auf die vom Kultusministerum vorgeschlagenen Lüftungstechnik eingeht, aber auch auf den Einsatz von Filtern.

„Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit“, sagt die Elternvertreterin, die selbst als Pädagogin an einem inklusivem Bremer Gymnasium arbeitet. Wenn Präsenzunterricht gefordert und erwünscht sei, dann müsse man überlegen, wie der Unterricht ablaufen könne. Es sei zudem sehr störend, wenn wie zuletzt im Winter Plakate oder Zettel durch den Raum fliegen und kalte Luft in die Klassenräume strömt. Aus ihrer Sicht gehe nicht nur von der Corona-Pandemie eine Gefahr aus, sondern auch von der Kälte und dem Durchzug.

Inken Lauenstein geht davon aus, dass es noch Monate dauert, bis Corona für die Kinder keine Gefahr mehr sei, denn einen Impfstoff für die Mädchen und Jungen im Grundschulalter gebe es noch nicht. Die Eltern wollen nicht aufgeben und sich an das Land wenden.

Marco Genthe, Landtagsabgeordneter aus Weyhe (FDP) hört sich deren Sorgen an. „Für mich steht fest, dass passgenaue und schnelle Lösungen gefunden werden müssen, um das Recht auf Bildung der Kinder zu schützen“, sagt Genthe. „Daher haben wir schon im Sommer vergangenen Jahres auf Landesebene, aber auch in der Gemeinde Weyhe konkrete Vorschläge gemacht, wie die Schulen pandemiesicherer gemacht werden können. Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Gemeinde Weyhe sich weigert, in den Schulen genau die Luftfilter einzusetzen, die der doch von allen Fraktionen so gelobte ehemalige Bürgermeister Bovenschulte in Bremen längst im Einsatz hat.“

Es könne nicht richtig sein, dass ein paar Kilometer weiter in Bremen die Schüler besser geschützt werden als in Weyhe. Genthe habe sich in seiner Fraktion in Hannover im November solche Geräte vorführen lassen. Seine Fraktion nutze sie in den Fraktionsräumen des Landtages, „um die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“. Genthe zitiert eine Studie der Uni der Bundeswehr in München, die ebenfalls zu einer positiven Bewertung kommt. Wörtlich heißt es: „ Wir haben experimentell gezeigt, dass mit leistungsstarken Raumluftreinigern oder Entkeimungsgeräten eine sehr effiziente Filterung der Raumluft auch dann realisiert werden kann, wenn der Raum mit Personen, Taschen und Schutzwänden vollgestellt ist. Aus unserer Sicht bietet dieses Schutzkonzept eine hohe Sicherheit, ist einfach zu realisieren.“

Weitere Infos gibt es als PDF-Download.

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