Junge Teilnehmer geben Verhaltenstipps

Fridays-for-Future in Weyhe: „Einige Erwachsene sind Umweltsäue“

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Dieses Trio hat einen einfachen Klimatipp: Die Sechstklässler nehmen Flüssigkeiten in Metallflaschen mit.

Weyhe - „Was, wenn unsere letzte Eisscholle schmilzt“, steht auf einem Karton, den Jorunn May extra für die Klima-Demo in Kirchweyhe gestaltet hat. Die 18-Jährige aus Leeste hat zu ihrem Spruch gleich noch zwei Eisbären gezeichnet und gibt auf dem Karton schon eine „passende Antwort“: „Dann gehen wir in die USA, da gibt es keinen Klimawandel.“ Die angehende Studentin unterstützt die Fridays-for-Future-Bewegung und war gestern eine von laut Polizeiangaben 500 Teilnehmern in Weyhe, die dort den teilweise mehrere Hundert Meter langen Zug bildeten.

Der Demozug bewegte sich von der KGS Kirchweyhe zum Marktplatz. Allerdings nahmen die jungen Teilnehmer nicht einen direkten Weg, sondern gingen durch den Radfahrertunnel unter dem ICE-Gleis. Auf ihrem Umweg brachten sie mehrmals den Verkehr zum Erliegen: Autofahrer mussten unter anderem auf der Bahnhofstraße, auf dem Bahnhofsvorplatz und auf der Hauptstraße warten.

Die vielen Teilnehmer wollen nicht nur den Politikern Druck machen, in Sachen Klima mehr zu tun, sie gehen wie Jorunn May auch mit gutem Beispiel voran. Sie versuchen, insbesondere Eltern und andere Erwachsene für Umweltfragen und Klimabelange zu sensibilisieren.

Seit die schwedische Aktivistin Greta Thunberg (16) sich fürs Klima starkmacht, ist bei Jorunn das Bewusstsein für CO2--Vermeidung noch stärker in den Fokus gerückt. Aus diesem Grund hat die 18-Jährige für ihre jüngste Reise nach England nicht das Flugzeug, sondern das Verkehrsmittel Bus gewählt. Sie habe 21 Stunden gebraucht. Das ist eine lange Reise, sie ist aber besser fürs Klima“, sagt sie. Jeder könne etwas für die Umwelt tun und einen Beitrag dazu leisten, den Planeten zu retten, findet Jorunn May.

„Jeder muss bei sich anfangen, das Klima zu retten“, findet Alicia.

Auch die zwölfjährige Alicia aus der R7b der KGS Kirchweyhe ist dieser Ansicht. Sie hat wie auch andere Mädchen und Jungen ihr Verhalten verändert, seit Greta Thunberg auf den Bildschirmen erschienen ist. So versucht die Weyher Schülerin, nachhaltiger zu leben und vermeidet zum Beispiel Plastiktüten. Das Mädchen trinkt gerne Säfte und viel Wasser. So greife sie seit einigen Monaten eben nicht mehr zu Plastikverpackungen, sondern wähle mit ihren Eltern beim Einkauf gezielt Getränke in Glasflaschen aus. Jeder Verbraucher kann mit seiner Entscheidung Weichen fürs Klima stellen, macht sie deutlich. Man kann auch alltägliche Verhaltensweisen umstellen. Um dies zu untermauern, nennt sie als Beispiel den Umgang mit Snacks für den Schulalltag. Die bringt sie von daheim jetzt in einer Brotdose mit, die Plastiktüte habe ausgedient. Ein Umdenken in Sachen Umwelt setzt in ihrer Familie langsam ein, sagt sie. Wer das Klima retten will, müsse erst bei sich selbst anfangen, das sei schon schwer genug, aber machbar. Dagegen gibt es noch zahlreiche harte Nüsse, die es zu knacken gilt. Die Siebtklässlerin berichtet von Umweltfrevlern, denen das Klima egal zu sein scheint. „Einige Erwachsene sind Umweltsäue“, klagt sie an. Das gelte auch für Teile des Schulpersonals. „Manche Lehrer sind leider keine Vorbilder“, bedauert sie. Da sei noch viel Luft nach oben.

Mission Weltrettung ist bei den Fünftklässlern Ben (11), Sky (10) und Jake (10) längst angelaufen: Sie versuchen, auf Plastikverpackungen zu verzichten.

Alle Anstrengungen lohnen sich jedoch. Dieser Meinung sind Ben (11), Sky (10) und Jake (10). „Save the Word“ steht auf ihren Plakaten – die Mission „Weltrettung“ ist bei ihnen längst angelaufen, wie die Jungs berichten. Alle drei Fünftklässler wollen zum Beispiel Plastikfolien beim Einkauf vermeiden. So einfach ist das aber nicht, weil bei diesem Thema Supermärkte viele Waren anbieten, die aus der Sicht der Schüler unnötig verpackt seien. Karotten und andere Gemüsesorten gibt es laut Jake aber ohne Folie. An der Kasse legen die Jungs und deren Eltern die Waren später in mitgebrachte Stofftüten.

#AlleFürsKlima-Streiks in der Region

Klimastreik in Bremen, Verden, Diepholz, Wildeshausen, Niedersachsen
 © Mediengruppe Kreiszeitung
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Klimastreik in Bremen, Verden, Diepholz, Wildeshausen, Niedersachsen
Eindrücke aus Kirchweyhe © Marvin Köhnken
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Klimastreik, Rotenburg
Nach einer Andacht in der Stadtkirche haben sich mehr als 50 Rotenburger an einer Mahnwache beteiligt, zu der die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit eingeladen hatte. © Guido Menker
Klimastreik, Rotenburg
Nach einer Andacht in der Stadtkirche haben sich mehr als 50 Rotenburger an einer Mahnwache beteiligt, zu der die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit eingeladen hatte. © Guido Menker
Klimastreik, Rotenburg
Nach einer Andacht in der Stadtkirche haben sich mehr als 50 Rotenburger an einer Mahnwache beteiligt, zu der die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit eingeladen hatte. © Guido Menker
Klimastreik, Rotenburg
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Klimastreik, Rotenburg
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Nach einer Andacht in der Stadtkirche haben sich mehr als 50 Rotenburger an einer Mahnwache beteiligt, zu der die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit eingeladen hatte. © Guido Menker

Das Verhalten ebenfalls angepasst haben Lina und Ida (beide 10, 6b) sowie Yeliz (10). So plädiert Lina grundsätzlich dafür, viele kleine Dinge zu verändern, die einem nicht wehtun, aber gut fürs Klima sind. So könne jeder – wie Lina – die Heizung ausdrehen, wenn ein Raum gelüftet wird. Außerdem kann aus ihrer Sicht Müll viel stärker getrennt werden, als es jetzt der Fall ist. Das Trio findet es gut, wenn Halme aus Plastik verschwinden. Es kennt einen Ersatz, der sogar einen „neuen Discotrend“ auslöse: Halme aus Metall.

„Kurzstreckenflüge sind nur für Insekten“, findet Ulla Steffen-May (71). Ihre Enkelin Jorunn setzte dieses Motto bei einem Tripp nach England um – die Leester KGS-Ehemalige nahm den Bus und war 21 Stunden unterwegs.

Und wie findet die ältere Generation die Anstrengungen der Jugend? Ulla Steffen-May (71) hat eine glasklare Haltung: Streiken fürs Klima, auch während der Schulzeit, findet sie gut. „Die Politik braucht den Druck, weil es eilt. Kleine Schönheitsreparaturen helfen nicht weiter.“

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