Sommerkirche über 70 Jahre Grundgesetz

Einen „schönen Gruß nach Italien und an Salvini“

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In der Reihe „70 Jahre leben mit dem Grundgesetz“ spricht der Pastor Holger Hiepler in der Felicianuskirche in Kirchweyhe.

Weyhe - „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, heißt es im ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes, der am Sonntag im Mittelpunkt des Gottesdienstes in der Felicianuskirche stand.

Im Rahmen der Sommerreihe „70 Jahre leben mit dem Grundgesetz“ bezeichnete Pastor Holger Hiepler die Verfassung als einen „wahnsinnig großen Schatz, den wir haben“. Darin sei die Menschenwürde als übergeordnetes Recht fest verankert, und wir sollten alles tun, damit dieses kostbare Gut der Menschlichkeit erhalten bleibt und nicht verwässert wird.

Der Artikel 1 sei Teil der christlichen Botschaft, betonte Hiepler. Auch Jesus habe die Menschenwürde beachtet, er habe mit „Outlaws“ verkehrt und sich ihrer angenommen. Dafür sei er kritisiert worden, aber die Menschenwürde stehe über allen Gesetzen und enthalte für alle Menschen die Pflicht, den Mitmenschen nicht zu übersehen, sondern ihn zu respektieren und ihn ernst zu nehmen. Das bedeute nicht, dass alle Menschen gleich sind. Sie seien gleich vor dem Gesetz und seien trotzdem verschieden. Sie seien unterschiedlich reich, stammten aus unterschiedlichen Verhältnissen und führten andere Lebensformen. Doch genau das sei menschenwürdig zu respektieren.

Mit dem Grundgesetz sei im Jahr 1949 „ein großer Wurf“ gelungen, es sei allerdings fraglich, ob damals eine Mehrheit in Deutschland dahintergestanden hätte. Der Grund: Das Recht auf Menschenwürde gelte für alle, also auch für Verbrecher. Dies sei damals ein neuer Ansatz gewesen. Der Geist des Grundgesetzes habe damit „ein Niveau von Menschlichkeit“ erreicht, für das es sich lohne, sich zu engagieren.

Die für die Menschenwürde unerlässliche Gleichheit und Gerechtigkeit seien leider weltweit unterschiedlich verteilt. Trotzdem stehe die christliche Botschaft, dass zuallererst der Mensch ein Mensch sei, über allem, sagte Hiepler, der an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erinnerte und „einen schönen Gruß nach Italien und an Salvini“ anfügte.

Hiepler erinnerte auch an das Attentat vom 20. Juli 1944, bei dem Hitler getötet werden sollte. Die Konsequenz aus dem Verständnis von Menschenwürde lasse auch einen Tyrannenmord nicht zu, selbst wenn dadurch weitere Todesopfer vermieden werden könnten. Diese Entscheidung müsse jeder Mensch für sich selbst treffen und vor sich selbst verantworten.

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