Eine Chance für Konstanzer Beschluss

Ausruf des Klimanotstands: Weyher Politik unterstützt Schüleranliegen

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Diese Schüler demonstrieren in Weyhe für die Umwelt.

Die Fridays-for-Future-Schülerdemos und der erste landkreisweite Protest auf dem Marktplatz in Weyhe zeigt Wirkung: Die Politik der Wesergemeinde reagiert auf die Forderung der Schüler und will sich stärker gegen die Erderwärmung stemmen und mehr für die Umwelt tun als bislang.

Weyhe - Die amtierende Schulsprecherin der KGS Leeste, Malin Uhlhorn, hat am Dienstag nachgelegt. Weyhe möge den Klimanotstand ausrufen und sich damit an Konstanz orientieren. Die Kommunalpolitiker der Stadt am Bodensee hatten sich mit ihrer einstimmigen Resolution dafür ausgesprochen, bei allen künftigen großen und kleinen Entscheidungen zu prüfen, welche Auswirkungen sie auf das Klima haben. Was sagt die Weyher Politik dazu? Wie geht sie auch mit der jüngsten Schülerdemo in Weyhe um?

Die SPD-Fraktion freut sich, wenn sich insbesondere junge Menschen politisch engagieren, sagt der Fraktionsvorsitzende Frank Seidel auf Anfrage. Er hatte die Demo als Ordner begleitet. In die gleiche Kerbe schlägt auch Annika Bruck, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Ihre älteren Kinder seien bei der ersten Demo dabei gewesen. Sie werden wieder hingehen, dafür schreibe sie „zur Not gerne eine Entschuldigung“, kündigt die Grüne an. Sie findet, die vielen Mädchen und Jungen – Seidel schätzt die Zahl auf 500 – sollten weiter laut und zahlreich demonstrieren.

Konstanz zeigt laut Bruck, dass „Proteste wahrgenommen werden und wichtige Impulse liefern, um den Klimaschutz in den Vordergrund zu stellen“. Ohne die Fridays-for-Future(FFF)-Bewegung wären die ersten Schritte nie erreicht worden.

Einem Antrag, den Klimanotstand auszurufen, wie von Uhlhorn als führenden Kopf der Weyher Aktivisten gestern gefordert, stünden die Grünen „definitiv positiv“ gegenüber. Lange habe man der Jugend vorgeworfen, nicht politisch zu sein, sich nicht zu engagieren. „Ich würde mich sehr freuen, wenn sie mit einem solchen Antrag in Weyhe das Gegenteil beweisen.“

Neben den Grünen befürwortet auch die SPD einen solchen Antrag. Es läge für Seidel auf der Hand. Er führt an, dass schließlich die erste FFF-Protestaktion von „unserem Ratsmitglied Siard Schulz“ initiiert worden war und er mit Malin Uhlhorn und anderen Schülervertretungen engagierte Mitstreiter gefunden habe.

„Möglichst breites Bündnis gewinnen“

„In der Folge haben Malin und Siard sich auch zum sogenannten Klimanotstand ausgetauscht, und wir haben es in der Fraktion der SPD bereits am Montagabend diskutiert.“ Dabei hätten sich die Sozialdemokraten „stark an der seinerzeit einstimmig verabschiedeten Vorlage aus Konstanz orientiert“. Solch eine Erklärung – auf Weyhe abgestimmt – wird die SPD laut Seidel mittragen. Der Fraktion sei das Thema so wichtig, dass sie so einen Antrag selbst hätten formulieren wollen. Wie Seidel erläutert, wäre er außerdem auf die anderen Fraktionen zugegangen, „um ein möglichst breites Bündnis hierfür zu gewinnen und das Ganze gemeinsam angehen“. Er stellt dazu fest, dass es der SPD-Fraktion aber wichtig ist, dass das Engagement der Protestler im Kreis Diepholz und die beiden jungen Weyher Organisatoren gewürdigt sei.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende merkt zudem an, dass tatsächlich viele Punkte aus jener Erklärung bereits in der Wesergemeinde gelebt würden. Er nennt Stichworte zu den Themen Stromausschreibung, Fuhrpark und Umstellung der Beleuchtung auf LED) und verhehlt nicht, dass noch nach Verbesserungspotenzial zu suchen wäre.

Wie Seidel sieht auch Bruck nicht nur die Verwaltung, sondern jeden einzelnen Aktivisten in der Pflicht. Das finden auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Dietrich Struthoff und die FDP-Fraktionsvorsitzende Antje Sengstake, die die Proteste ebenfalls wichtig finden.

Jugendliche können Forderungen in Taten umsetzen

„Die CDU begrüßt es, wenn sich Jugendliche politisieren und engagieren“, so Struthoff. Der Christdemokrat und die Liberale merken beide an, dass Jugendliche ihre Forderungen selbst in praktische Taten umsetzen und dadurch eine Vorbildfunktion übernehmen müssten. Ohne jene Vorbildfunktion laufe „jeder Protest ins Leere“ (Struthoff). Jugendliche könnten ihr Verhalten ändern, indem sie nachhaltige Kleidung tragen, Fahrrad fahren und den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, nicht hauptsächlich Convenience-Produkte und Fast Food essen und nicht alle zwei Jahre funktionsfähige Elektrogeräte entsorgen, findet der Christdemokrat. Wie Struthoff sieht auch Antje Sengstake, dass das Thema für Weyhe, ja sogar für Deutschland und Europa, zu groß ist. Aber jeder könne etwas für die Umwelt tun. Da müsse niemand auf einen Beschluss warten, findet die Liberale.

Kommentar von Sigi Schritt

Kampf fürs Klima: Jeden Tag eine gute Umwelttat

Die jungen Weyher Umweltaktivisten haben eindrucksvoll gezeigt, dass es sich lohnt, für eine gute Sache zu kämpfen. Doch sie benötigen einen langen Atem. Denn die Umwelt lässt sich nicht allein mit ein paar Demos schützen. Der Klimawandel ist eine Schicksalsfrage für die Menschheit. Das hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor ein paar Jahren gesagt. Die Kanzlerin will weiterhin die Erderwärmung stoppen. Auf der Klimakonferenz in Berlin bekannte sie sich gestern zur Treibhausgasneutralität bis 2050. 

Die Gemeinde Weyhe sollte sie unterstützen und über alle Fraktionen hinweg den Klimanotstand ausrufen. Die Kommunalpolitiker sollten die Proteste der nächsten Generation ernst nehmen. Aber mit einem Ratsbeschluss ist es nicht getan. Er darf kein Papiertiger werden, sondern muss gelebt werden. Und die Jugendlichen könnten jeden Tag zeigen, wie ernst sie es meinen – als vorbildliche Umweltschützen. 

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