Harzwasserwerke und Nabu suchen Antworten

Wie konnte der Hombach trockenfallen? - „Ein Stück Heimat geht verloren“

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Der Hombach führt wieder Wasser.

Weyhe - Die gute Nachricht: Die dramatische Lage am Hombach hat sich entspannt: Das Fließgewässer, das in Bassum entspringt, führt wieder Wasser. Die schlechte Nachricht: das Bett des Gänsebachs ist weiterhin trocken.

Am Anfang des Monats war der Hombach erstmals tageweise trockengefallen – von der B6 bis zur Ochtum (wir berichteten). Thomas Brugger vom Nabu sieht weiterhin einen Zusammenhang zwischen der Trinkwasserförderung der Harzwasserwerke und dem Trockenfall beider Bäche. Die Harzwasserwerke sehen andere Gründe.

„Ich kann die Sorgen der Bevölkerung verstehen. Die Menschen wohnen seit Jahrzehnte in Weyhe und sehen, dass Dinge, auf die man sich immer verlassen konnte, nicht mehr eintreten“, sagt Marie Kleine, Pressesprecherin der Harzwasserwerke. Sie nennt den Klimawandel und die fehlenden Niederschläge als Hauptursachen, weshalb der Hombach zeitweise kein Wasser geführt hat. „Es wird trockener.“ Im Sommer gibt es laut Kleine mehr heiße Tage, die aufeinanderfolgen, und der Winter bringt viel weniger Flüssigkeit als früher. Das belege eine Studie, die für den Harz Daten von 1941 bis 2018 untersucht hat. Eine ähnliche Situation liege im Bremer Vorland vor. Unterdurchschnittliche Niederschläge würden in Stuhr, Weyhe und Syke „enorme Auswirkungen“ verursachen, sagt sie. Marie Kleine findet es richtig, dass sich der Nabu für die Umwelt einsetzt. „Er will uns nichts Böses“, aber die Probleme etwa vom Kleinen Schlatt in Leeste und jetzt der Bäche nur auf die Trinkwassergewinnung zu schieben, „wäre zu verkürzt“. Illegale Entnahmen könnten die Wassermengen im Hombach ebenfalls verringern. Die Sprecherin der Harzwasserwerke will aber nicht ausschließen, dass möglicherweise eine Wechselwirkung zwischen der Wasserförderung und dem abschnittsweisen Trockenfall des Bachs besteht. Deshalb habe sich der Wasserversorger entschlossen, ein Experiment durchzuführen und einen von 19 Brunnen vorläufig stillzulegen. Marie Kleine sagt, dass außerdem derzeit erheblich weniger Wasser gefördert würde, als noch in den 1980er- und 1990er-Jahren, und die Förderhöchstmengen würden längst nicht ausgeschöpft.

Der Gänsebach mit einem trockenen Bachbett.

Wie Kleine zudem erklärt, sei der Brunnen 8 nicht weit vom Hombach entfernt. Sie kündigt an, dass dieser weiterhin temporär außer Betrieb bleibt, um „verlässliches Datenmaterial zu bekommen“. Es gibt jetzt zwar Daten, aber die seien nicht verwertbar. Zwischenzeitlich seien nämlich Niederschläge hinzugekommen, erklärt Kleine. Den Harzwasserwerken sei daran gelegen, die Diskussion voranzubringen. Daten sollen belastbare Antworten geben, weshalb der Hombach wirklich trockengefallen ist. Ältere Weyher hatten bekundet, dass sie etwas Vergleichbares noch nie in der Geschichte der Gemeinde Weyhe beobachtet hätten und äußerten Ängste.

Thomas Brugger vom Weyher Nabu kann ebenfalls die Sorgen der Bürger verstehen. „Ein Stück Heimat geht verloren“, wenn ein Bach wie der Hombach, übrigens ein EU-relevantes Gewässer, kein Wasser mehr führt. Der Nabu-Vorsitzende freut sich über das Experiment der Harzwasserwerke. Sie hatten den Brunnen 8, Fördermenge bis 3 013 Kubikmeter pro Tag, am Freitag, 5. Juli, abgeschaltet. Brugger ist daraufhin das Gewässer mehrfach abgefahren und hat eigene Daten erhoben. Er interessiert sich ebenfalls für die Veränderungen wie der Wasserversorger. Für den Nabu-Vertreter ist das Abschalten von Brunnen 8 ursächlich für die Auffüllung des Bachbettes. Anders ausgedrückt: „Die Brunnen saugen dem Bach das Wasser weg“, sagt der Umweltschützer. Laut Brugger war der Wasserspiegel in Fahrenhorst am 10. Juli im Vergleich zum 6. Juli minimal gesunken, gleichzeitig stieg der Pegel an der B6 an: von drei auf sieben Zentimeter. „Das ist ungewöhnlich“, so Brugger.

Bis zum 5. Juli wurde in Fahrenhorst ein Durchfluss von 12. 960 Kubikmetern am Tag gemessen. An der Bundesstraße 6 kam aber nichts an.“ Zwischen Fahrenhorst und Melchiorshausen befinden sich drei Brunnen: HFB 1 sowie die Brunnen 8 und 9. Sie würden zusammen bis zu 11.500 Kubikmeter pro Tag fördern.

Der Landkreis will sich ebenfalls an der Ursachenforschung beteiligen. Ergebnisse liegen noch nicht vor, so Kreisrat Jens-Hermann Kleine.

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