Gemeinde will mit B-Plan Hinter den Höfen Wildwuchs bei Mehrparteienhäusern verhindern

Ein Rest von dörflicher Idylle in Gefahr

Bäume säumen den Eingang einer alten Hofstelle.
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Bäume säumen den Eingang einer alten Hofstelle.

Weyhe – Der Straßenname „Hinter den Höfen“ war einmal Programm: Der Weg führte vorbei an Bauernhäusern und Wiesen. Das gibt es so seit mehr als 30 Jahren nicht mehr, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Edmund Irmer. An diesem Weg im Weyher Ortsteil Kirchweyhe sind derzeit noch Reste einer einst blühenden Landwirtschaft zu sehen. Das schließt derzeit einige Freiflächen sowie eine Weide mit Kühen ein. Aber wie lange noch?

Die Idylle im Areal zwischen den Straßen Hinter den Höfen, Am Kuhzaun und der Trasse der Bremen-Thedinghäuser Eisenbahntrasse scheint aber zu bröckeln. Bereits jetzt ist es rechtlich möglich, mehrere Mehrparteienhäuser zu bauen. Und laut Gemeinde gibt es sogar Anfragen von Investoren zur Bebaubarkeit von noch unbebauten Grundstücken mit Mehrfamilien- und Reihenhäusern, wie Max Serzisko, Planer der Gemeinde am Dienstagabend im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt informierte. In der Nähe der Schienen würden demnächst Doppelhäuser entstehen.

Schon jetzt gebe es in der Umgebung unterschiedliche Baukörper – Mehrparteienhäuser, Reihenhäuser, eine Hofstelle und gewerbliche Nutzungen. Die Gemeinde möchte bei der Nachverdichtung des unbebauten Innenbereichs Wildwuchs verhindern und hat vorgeschlagen, für ein 38 000 Quadratmeter großes Areal den Bebauungsplan „Hinter den Höfen“ aufzustellen. Ziel der Planung sei die Ordnung und verträgliche Nachverdichtung für Wohnzwecke eines städtebaulich heterogenen Bereichs. Denn jetzt schon sei eine „ungesteuerte, am umgebenden Bestand orientierte Nachverdichtung möglich“, begründete die Verwaltung ihren Vorschlag. Dem kamen alle Fraktionen einstimmig nach.

Die Gemeinde will offenbar den Spagat hinbekommen, die vorhandenen Rechte der Grundstückseigentümer nicht zu sehr zu beschneiden, aber gleichzeitig dafür zu sorgen, mit den Eigentümern ein tragfähiges und nachbarschaftliches Bebauungskonzept zu erarbeiten. Außerdem soll die bereits vorhandene bauliche Entwicklung planungsrechtlich abgesichert werden.

Mit dem B-Plan-Aufstellungsbeschluss des Ausschusses, den der Rat noch bestätigen muss, soll ein Verfahren angestoßen werden, was im Herbst/Winter des kommenden Jahres einen Abschluss finden soll. Darin geht es laut Max Serzisko um die Fragen, wie viel Nachverdichtung überhaupt die Nachbarschaft verträgt und welche Bauformen sich in den Bestand einfügen. Die Gemeinde will Konflikte von Grundstücksnutzern identifizieren und auch der Frage intensiv nachgehen, wie das Gebiet erschlossen wird, zumal die Straße Auf den Höfen eine Sackgasse bildet. Ebenso wird laut dem Planer der Gemeinde darüber zu diskutieren sein, inwieweit sich Auswirkungen auf das Klima minimieren lassen. Die Themen Oberflächenentwässerung, Lärm, Bodendenkmäler sowie Altlasten und Kampfmittel würden ebenfalls behandelt. Serzisko machte aber auch deutlich, dass im Rahmen dieser beabsichtigten sogenannten Angebotsplanung für das gesamte Gebiet kein geförderter Wohnungsbau herausspringt.

Ingrid Söfty von der CDU-Fraktion nahm die Äußerung eines Zuhörers auf, der den Zustand der Gemeindestraße Auf den Höfen thematisiert hatte. Söfty pflichtete ihm bei: Der Weg sei „weiß Gott keine tolle Straße“. Die Seitenstreifen seien „wellig“, zusätzlich habe die Straße eine Sackgasse. Söfty plädiert dafür, dass eine Verkehrserschließung über den Weg Am Kuhzaun erfolgt. Außerdem möchte sie den alten Baumbestand geschützt wissen, so die Christdemokratin.

Annika Bruck (Grüne) mahnte, die Baufenster nicht zu dicht an die Bäume heranzulegen, und Berthold Groeneveld (SPD) fand es mutig, dass sich die Gemeinde solch ein Gebiet vornimmt.

Von Sigi Schritt

Attraktion für Kleinkinder: Kühe weiden an der Straße Hinter den Höfen.
Verschiedene Baukörper befinden sich in diesem Kirchweyher Gebiet, das die Gemeinde mit einem B-Plan versehen will – für die Verwaltung offenbar keine leichte Aufgabe, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen.

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