Im 25. Jahr an der Spitze der CDU Weyhe: Dietrich Struthoff gibt Vorsitz auf

Ein Leben für die Lokalpolitik

Vereinbaren Zusammenarbeit: Dietrich Struthoff und Frank Lemmermann (links).  
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Vereinbaren Zusammenarbeit: Dietrich Struthoff und Frank Lemmermann (links). ARCHIV

Weyhe – Sein Vater hat die CDU Weyhe 1964 mitgegründet, seine Mutter saß ab 1981 im Gemeinderat, und als Kind klebte er schon Plakate für die Bundestagswahl. Auf diesen Plakaten war das Bild von Ludwig Erhard zu sehen, wie sich Dietrich Stuthoff (65) erinnert. Nach Konrad Adenauer war Erhard der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik. Es lag also nahe, dass auch Dietrich Struthoff den Weg in die Reihen der Christdemokraten fand – zunächst gründete er die Junge Union, dann trat er der CDU Weyhe bei.

Struthoff steht nun im 25. Jahr an der Spitze der CDU. Bei der nächsten Mitgliederversammlung am Donnerstag, 5. November, in der Tanzschule Reiners will er den Vorsitz abgeben. Er strebt einen Generationswechsel an. Die Person an der Spitze sollte nicht älter als 45 Jahre sein, und der Vorstand müsse weiblicher werden. Den Job, sich für die Menschen und deren Probleme ins Zeug zu legen, den Ortsverband zusammenzuhalten und Wahlen zu organisieren, habe er als Vorsitzender lange genug getan, sagt der 65-Jährige. Es gebe zudem geeignete Personen, um die Spitze deutlich zu verjüngen und die CDU 2021 durch drei Wahlen zu bringen.

Der Vorsitzende blickt an die Anfänge zurück: Christdemokraten seien vor rund einem Vierteljahrhundert in der Wesergemeinde zerstritten gewesen. Der hauptsächliche Grund lag im Ärger zwischen Neubürgern und Einheimischen, so Struthoff. „So ging die CDU-Fraktion zu Parteiversammlungen nicht hin.“ Überhaupt sei der Ortsverband damals finanziell am Ende gewesen. „Ich war 1993 im Rat nachgerückt. Ingrid Söfty war damals Partei- und Fraktionsvorsitzende“. Es sei für alle eine schwierige Situation gewesen. Struthoff selbst sei damals Dialyse-Patient gewesen, leitete beruflich sein Hotel an der Alten Poststraße und war Vorsitzender der Leester Werbegemeinschaft. „Ich hatte außerdem zwei kleine Kinder und rückte in den Kreistag nach. Das waren keine guten Voraussetzungen, um den Vorsitz zu übernehmen. Doch Ingrid Söfty wollte einen Nachfolger“, blickt er zurück. „Dass das der Beginn einer langen Zeit war, hatte ich nicht auf dem Schirm.“ Struthoff habe von Anfang an auf konstruktive Sacharbeit gesetzt, sagt er. Das hätte sowohl für die Partei, als auch für die Fraktion sowie für die Zusammenarbeit mit anderen Parteien und dem Rathaus gegolten.

„Mehrheiten werden nicht im Rathaus gebildet, sondern im persönlichen, vertrauten Gespräch“, sagt Struthoff. Das sei bereits so gewesen, als der Weyher Bürgermeister Reinhard Osterloh (parteilos) hieß und änderte sich auch nicht bei den Nachfolgern Frank Lemmermann, Andreas Bovenschulte und Frank Seidel (alle SPD). Gemeinsam und nicht gegeneinander werde um die besten Lösungen für die Menschen gerungen. Wenn es Projekte gibt, die die Verwaltung vorschlägt, gehe es für den Bürgermeister darum, Mehrheiten dafür zu finden, erläutert Struthoff. „Ich habe dann stets versucht, meine Fraktion von dem Projekt zu überzeugen.“ Noch bevor der Bürgermeister damit an die Öffentlichkeit ging, wusste er, ob sein Vorhaben eine Mehrheit im Rat haben wird oder nicht. „Das mag für die Presse langweilig sein, weil es keinen Streit zwischen den Parteien und Fraktionen gibt“, so Struthoff. Gleiches gelte für CDU-Anträge.

Stets um Mehrheiten hätten dagegen die parteilosen Bürgermeister Edmund Irmer und Reinhard Osterloh kämpfen müssen. Alle Nachfolger hätten „ihre Hausmacht“, die SPD, an ihrer Seite, nennt Struthoff den Vorteil, wenn ein politisches Lager den Bürgermeister stellt.

Ideen zu realisieren, koste Geld, sagt der Kommunalpolitiker Struthoff. Schließlich gehe es um Fragen der Finanzierbarkeit, ob man als Gemeinde eine Verschuldung mitriskieren möchte oder nicht. Will die Politik alle Grundschulen, die Kitas und die Mehrzweckhalle sanieren? Will die Gemeinde Flüchtlinge lieber zentral oder dezentral unterbringen und für sie, aber auch für Geringverdiener, Wohnraum zur Verfügung stellen? Die Sanierung der KGS in einem Rutsch muss auch bezahlt werden. Das sind alles Themen, die man im Vorfeld besprechen kann, um grundsätzliche Antworten zu formulieren. Diese „Einigkeit“ biete den Verwaltungschefs die Chance, „schnelle Entscheidungen herbeizuführen, um Weyhe nach vorne zu bringen“. So hätte Andreas Bovenschulte ebenso wie sein Amtsvorgänger Frank Lemmermann den CDU-Vorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden Struthoff bei den maßgeblichen Sachen angerufen, um Eckpunkte zu besprechen. „Ich habe jedem gesagt, was aus Sicht der CDU wichtig wäre und ob wir dem zustimmen könnten.“ Die Zusammenarbeit habe auch Ursprünge im privaten Bereich. Mit dem damaligen SPD-Fraktionschef Frank Lemmermann habe Struthoff Handball gespielt, und den Nachfolger Bovenschulte habe die CDU sogar als Kandidaten vorgeschlagen.

So ganz ohne Politik geht es künftig nicht. „Ich bleibe Fraktionsvorsitzender. Wir stellen uns nur breiter auf“, so Struthoff.

Von Sigi Schritt

Vernetzt: Dietrich Struthoff und Ingrid Söfty beim Parteitag in Stuttgart mit Angela Merkel. Archiv

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