Rainer Jäckle stellt Buch vor

Der Jakobsweg: Auf dem Weg zum eigenen Inneren

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Rainer Jäckle mit seinen Veröffentlichungen über den Jakobsweg und die Geschichte seiner Familie mit der Firma Dual.

Weyhe - Von Heiner Büntemeyer. Im Jahr 2012 erwanderte Rainer Jäckle aus Weyhe den rund 330 Kilometer langen spanischen Teil des Jakobswegs zwischen Pamplona und Santiago de Compostela. Bis er vor wenigen Wochen sein Buch „Jakobsweg ist jeden Tag“ herausgab, vergingen fast sechs Jahre. Das hat Gründe, denn der Pilgerweg ist in seinem Buch nur das Medium, um seine Gedanken zu reflektieren und Bilanz über sein Leben zu ziehen.

Es gibt zwei Ebenen in diesem Buch. Vordergründig die Wegbeschreibung, die Darstellung der Erlebnisse, der Eindrücke, die die Landschaft auf ihn gemacht hat und eine Beschreibung ganz alltäglicher Dinge, die ihn unterwegs beschäftigten: Die nervenden Mountainbiker, die ebenfalls auf der Strecke unterwegs sind, die Touristenpilger, die nur wenige Kilometer und dazu ohne Gepäck wandern, aber auch die sportliche Herausforderung, die jede Etappe wieder bedeutete.

Hätte sich Rainer Jäckle auf diese Darstellung beschränkt, dann wäre „Jakobsweg ist jeden Tag“ ein Wanderführer, vielleicht ein etwas ausführlicheres Wander-Tagebuch geworden, wie es sie speziell für den Jakobsweg spätestens seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ schon in großer Anzahl gibt. Dann hätte sein Buch mit Sicherheit auch einen anderen Titel bekommen.

Bei Rainer Jäckles im Selbstverlag herausgegebenen Buch (zu bestellen per E-Mail an rainermichaeljaeckle@gmail.com) beginnt die Reise allerdings schon lange, bevor er den ersten Schritt auf dem Jakobsweg zurücklegt.

Hape Kerkeling weist den Weg

Als Rainer Jäckle 2012 in den Ruhestand trat, stand er vor der Frage, welchen Sinn er seinem neuen Lebensabschnitt geben könnte. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, das ihm bis dahin noch nicht in den Sinn gekommen war. Er wollte ausbrechen aus dem alltäglichen Rhythmus, vielleicht mal so richtig mutig sein – „für meine Verhältnisse“, wie er einschränkend ironisch schreibt.

Hape Kerkeling habe ihm mit „Ich bin dann mal weg“, den Weg gewiesen, so Jäckle. Bei seinen Recherchen über den Camino habe es geheißen: „Du spürst und erkennst, dass du weiter auf dem Weg bist als nur nach Santiago. Du bist auf dem Weg zu deinem eigenen Inneren.“

Sogar jetzt mit einigen Jahren Abstand verbindet Rainer Jäckle mit dem Jakobsweg noch immer das Gefühl des Alleinseins auf einem Weg, der scheinbar kein Ende nimmt.

Die Herausforderungen in Form von Hitze, Regen, Kälte und Schnee unterwegs und von Steinen und Pfützen auf dem Weg sind in seinem Buch zwar real, sie stehen aber auch symbolisch für viele Stationen in seinem Leben. Für Weggabelungen, an denen er Entscheidungen treffen musste. Bis dahin sei er in seinem Leben nie ein Risiko eingegangen, habe nie eine Niederlage riskiert, zieht er eine Bilanz.

Der Entschluss, den Jakobsweg zu gehen, ist seine persönliche Entscheidung. Der Leser erfährt wenig über die Familie und sein privates Umfeld: Rainer Jäckle ist allein auf dem Jakobsweg zu sich selbst.

Erinnerungen an Dylan, Hendrix und Guevara

Er führt nach jeder Etappe Tagebuch über seine Eindrücke. Parallel dazu beschreibt er aber auch den Weg zu sich selbst mit Erinnerungen an seine Jugend, seine damaligen Idole wie Che Guevara und Mahatma Ghandi, Jimmy Hendrix und Bob Dylan, an Diskussionen am Gymnasium in seiner Heimatstadt Meßkirch (Baden-Württemberg). 

Er beschreibt seine Auseinandersetzung mit politischen Themen, sein Ringen um einen eigenen Standpunkt und die eigene politische Haltung. Er setzt sich mit den Medien auseinander, beschreibt „das Versagen von Medien und Politik“ und begründet dieses Versagen mit der Reaktion auf die Ereignisse während der Flüchtlingskrise im Sommer 2015, die er als „Verfilmung eines Sommermärchens der Gutmenschen“ bezeichnet.

Natürlich kreisen seine Gedanken auch um die Frage, was er in seinem Leben noch erleben könnte, und ob er sein Wegende selbst in Würde bestimmen kann. Er bedauert die Machtlosigkeit des Einzelnen, der er mit Leserbriefen trotzt und zitiert zu einigen seiner Meinung nach „zentralen gesellschaftlichen Themen“ von ihm verfasste Leserbriefe.

Am Ende zieht Rainer Jäckle Bilanz über seine Erkenntnisse für seinen künftigen Lebensweg: „Ich werde versuchen, mich dem Hamsterrad der Zwänge zu entziehen – Carpe diem. Vor lauter Carpe diem kann für mich aber auch wieder ein Hamsterrad entstehen. Der Lebensweg ist halt nicht einfach“.

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