Facebook-Gruppe „Weyhe früher“ verbindet

Durch Internet an unerwartete Schätze aus Weyhe gelangt

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Auf Einladung von Corinna Bösche (rechts) zeigt Gemeindearchivar Wilfried Meyer (links)anhand zahlreicher Bilder, wie sich die Gemeinde entwickelt hat.

Weyhe - Von Heiner Büntemeyer. Als Corinna Bösche im Juni vorigen Jahres die Facebook-Gruppe „Weyhe früher“ gründete, hatte sie nicht damit gerechnet, dass sich dieser Gruppe so zahlreiche „Nostalgiefreunde“ anschließen würden. Inzwischen zählt die „Administratorin“ 1945 Mitglieder in ihren Reihen.

Für Sonntagabend hatte „Weyhe früher“ zum zweiten Mal Wilfried Meyer zu einem Vortrag eingeladen, um aus seinem schier unerschöpflichen Vorrat alte Fotos zu zeigen. Etwa 130 Besucher waren ins Gasthaus Waldkater gekommen. Meyer versprach, dass unter den von ihm ausgewählten 175 Fotos keine einziges war, das er schon im Januar beim ersten Treffen gezeigt hatte.

Im Gegenteil: seit der Gründung gingen fast 1 800 neue alte Fotos bei ihm ein, rund 300 davon waren auch ihm zuvor völlig unbekannt gewesen. „Es waren unerwartete Schätze aus dem Internet darunter, nicht nur Fotos sondern auch Kommentare“, berichtete er. Er habe alle Absender zu dem Vortragsabend eingeladen, aber auch einige Absagen erhalten, weil die Adressaten in den USA, Australien und Südafrika wohnen. Das habe er aus den Internet-Beiträgen nicht erkennen können.

Auch junge Leute haben Interesse

Es wurde wieder ein Vortrag, wie viele Weyher sie lieben: Wunderbar reproduzierte Fotos, interessante Detailaufnahmen und Hintergrundinformationen. Aber im Gegensatz zu vielen früheren Vortragsabenden von Wilfried Meyer waren die älteren Gäste nicht in der absoluten Mehrheit. Es waren mindestens ebenso viele jüngere wie ältere Besucher erschienen.

Meyer besuchte auf seinem Vortrag natürlich wieder jeden Weyher Ortsteil und startete seine Fotoserie mit einer Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1773, an der er die Lage und Größe der Areale erklärte. Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte hörte aufmerksam zu.

Die Reise durch die Wesergemeinde begann am Gasthaus „Waldkater“, dessen Entwicklung er mit sechs Fotos darstellte. „Es war damals eine völlig andere Welt“ kommentierte er das Bild von 1902. Wo heute 40-Tonner über den Asphalt donnern, läuft eine Sau über die Kreuzung. läuft das Wasser vor der Gaststätte aus einem Ziehbrunnen gefördert wird.

Einen ausführlichen Beitrag widmete er der Dreyer Eisenbahnbrücke, über deren Bau 1871 und Umbau 1927 er einige sensationelle Fotos zeigte. Ebenso eindrucksvoll war das Bild, das er bei Google-Earth gefunden hatte. Es zeigt in einer Luftaufnahme genau den Moment, als am 26. März 1945 die Brücke von einer Bombe getroffen wurde.

An Hand von Fotos aus Leeste erklärte er, wie der Henry-Wetjen-Platz zu seinem Namen gekommen ist, warum die Straße „Achtern Busch“ in Sudweyhe im Volksmund „Die zwölf Apostel“ und die Jeebeler Nachkriegssiedlung „Klein Stalingrad“ genannt wurden.

Eine nostalgische Shell-Tankstelle tauchte mehrmals auf, weil aus ihr zunächst am Gasthaus Voßmeyer die damals noch wenigen Autos betankt wurden und diese später von Willi Bösche erworben wurde, der sie auf seiner späteren Tankstelle aufbaute. Dass damals eine Radfahrerin ziemlich verloren an der Einmündung der Straße „Im Mühlengrunde“ in die „Kirchweyher Straße“ steht, kann man sich angesichts der heutigen Verkehrslage kaum vorstellen. Wenn nicht im Bildhintergrund die Silhouette des „Trafo“ zu erkennen wäre, würde man die Situation woanders verorten, zumal das Geestfeld damals tatsächlich noch ein Acker war.

Alle lieben Rudi

Ebenso wie Willi Bösche gehörte auch Rudi Goldbecker zu den bekanntesten Weyhern. „Alle liebten Rudi, jeder kannte ihn“, hieß es bei den Besuchern. Sie waren echte Handwerker und Tüftler wie auch Friedrich Meyer aus Erichshof, der schon 1905 ein Windrad errichtete, um Strom zu erzeugen.

Dass die Fahrgäste eines 1964 in Lahausen entgleisten „Gambrinus“-Schnellzuges einen Schutzengel hatten, zeigten Fotos, die nach dem Unfall aufgenommen wurden. Sie zeigten auch zahlreiche Weyher an der Unfallstelle, die sich die schrottreifen Personenanhänger anschauten.

Bevor Wilfried Meyer die Serie mit einem jahreszeitlichen Bilderzyklus vom Rieder See in Ahausen beendete zeigte er, dass dieser Altarm der Weser in den 1920er-Jahren mit Booten befahren wurde, um im See zu fischen.

Begeistert applaudierten die Besucher Wilfried Meyer für seine meisterhaften Reproduktionen und den lebendigen, faktenreichen Vortrag.

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