1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Weyhe

348 Menschen geben ihr Blut, 65 lassen sich registrieren

Erstellt:

Von: Gregor Hühne

Kommentare

Alltagshelden.
Alltagshelden: (v.l.) Luisa (19) und Anna (21) Geppert aus Weyhe spenden das erste Mal Blut und lassen sich auch typisieren. © Gregor Hühne

Einmal kommen, zweimal helfen: Trotz Schmuddelwetters kamen am Freitag viele Menschen in die große Turnhalle der KGS Kirchweyhe, um Mitmenschen auf doppelte Weise zu helfen. Die DRK-Ortsgruppe Kirchweyhe hatte dort zu einer umfassenden Blutspende- und Knochenmark-Typisierungsaktion aufgerufen.

Kirchweyhe – Großer Andrang bei dem Blutspendetermin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Ortsgruppe Kirchweyhe am Freitag. Trotz Schmuddelwetters kamen 348 Menschen in die Turnhalle der KGS Kirchweyhe, um dort Mitmenschen auf doppelte Weise zu helfen. Darunter: 37 Erstspender.

Neben der klassischen Blutspende organisierte die erste Vorsitzende Ingrid Söfty zugleich eine Registrieraktion mit der DKMS, Deutsche Knochenmarkspenderdatei, und der DSD, Deutsche Stammzellspenderdatei (wir berichteten).

Dabei ging es in erster Linie um Hilfe für den an Blutkrebs erkrankten und aus Weyhe stammenden Henning Baumann, der dringend auf einen passenden Spender angewiesen ist. „Alle 15 Minuten wird in Deutschland die Diagnose Leukämie gestellt“, berichtet eine Mitarbeiterin des DSD: „Es kann jeden treffen, egal ob jung, alt, gesund oder vorerkrankt.“ Mit der Aktion soll in das Bewusstsein gerückt werden, dass viele Menschen auf eine Knochenmarkspende warten.

So auch die Eltern von Henning Baumann, Beate und Siegfried. Seit der Blutkrebs-Diagnose ihres Sohnes im Januar dieses Jahres haben sie eine Wohnung in Berlin bezogen, um ihrem kranken Sohn nahe sein zu können. Seit fast 30 Jahren leben sie in der Gemeinde Weyhe. Am Freitag kamen sie extra zurück aus der Hauptstadt, um denen zu danken, die sich in Kirchweyhe typisieren ließen. Für ihren Sohn habe derweil der dritte Zyklus der Chemo begonnen, sagt Mutter Beate. „Das geduldige Warten in Isolation und die Vorbereitung ist hammerhart“, erzählt sie für ihren Sohn. Vor Kurzem hätte er das Vorbereitungsgespräch für die Knochenmarkspende erhalten. Nun seien sie in der Warteschleife, ob und wie es losgeht. Das Schicksal des jungen Mannes motivierte einige, sich typisieren zu lassen.

Für Reinhard Reinschlüssel war es bereits die 30. Blutspende, für die Typisierung sei er leider schon zu alt, sagt er. Katja Riße aus Lahausen hingegen ist bereits typisiert. Es war ihre fünfte Blutspende am Freitag.

Frank Seidel und Ingrid Söfty.
Gute Zusammenarbeit: Bürgermeister Frank Seidel und Ingrid Söfty, Vorsitzende der DRK-Ortsgruppe-Kirchweyhe. © Gregor Hühne

Ganz besondere Alltagshelden sind Luisa (19) und Anna (21) Geppert aus Weyhe. Die zwei Schwestern waren das erste Mal in ihrem Leben bei einer Blutspende. Wie kam es dazu? „Ich hab mich informiert und finde, das ist eine gute Sache“, sagt Luisa. Anschließend habe sie ihre ältere Schwester überredet, mitzukommen. Typisieren lassen wollten sich die beiden ebenfalls.

Die Vorbereitung des Blutspende-Aktionstages wäre nicht möglich gewesen, ohne die fleißigen Hände der Schulhausmeister, lobt Ingrid Söfty die stete Hilfsbereitschaft. Und auch, dass die Gemeinde Weyhe deren Arbeitszeit für die Vorbereitung zur Verfügung stellt. „Wir waren schon morgens da und haben noch mal alles durchgesprochen“, berichtet Ingrid Söfty. Sie hätten die Tische und Stühle zurechtgestellt. „Es ist ein bisschen wie auf dem Flughafen“, beschreibt Söfty die Absperrungen und mit Flatterband markierten Laufwege in der Turnhalle.

An dem Tag bewies außerdem Bürgermeister Frank Seidel, dass er ein Ehrenmann ist. Getreu dem Motto: Wettschulden sind Ehrenschulden, kam er einem Einsatz aus dem Dezember 2019 nach. Damals – vor Corona – erklärte er bei einer Blutspende unter dem Motto „Wetten dass... Aderlass“, wenn mehr als 260 Menschen ihr Blut geben, dass er beim nächsten Mal Lunchpakete verteilen werde. Zwar kamen damals etwas weniger Spender zusammen, doch Frank Seidel beweist Sportsgeist und fühlt sich der Wette verpflichtet. Am Freitag stiftete und verteilte er die Lunchpakete, die die Spender erhielten.

Blutspendetermine hingegen sollen auch in Zukunft in der großen Sporthalle organisiert werden, verrät Ingrid Söfty. Die Genehmigung der Gemeinde Weyhe habe sie dafür bereits. Dort sei es nämlich im warmen Sommer luftiger und die Leute klappten nicht so schnell um, glaubt sie. Nach Ostern werde das Prozedere neu strukturiert.

Auch interessant

Kommentare