Mindestens 30 Fahrer fehlen

Dritter Bürgerbus für Weyhe - doch eine neue Linie ist in weiter Ferne

+
Drei Bürgerbusse. Regine von Larcher präsentiert das neue Fahrzeug (Mitte). Das linke wird ausgemustert.

Weyhe - Der Bürgerbus-Verein schreibt weiter an seiner Erfolgsgeschichte: Insgesamt 1,3 Millionen Kilometer legten die Fahrzeuge des Vereins innerhalb von 19 Jahren in der Wesergemeinde zurück. Außerdem beförderte der Verein rund 390.000 Fahrgäste. In den Fuhrpark reiht sich nun ein neues Fahrzeug ein, das der Verein im Rahmen einer Feierstunde mit Vertretern des Weyher Polizeikommissariats, der Gemeindeverwaltung sowie der Fraktionen und Sponsoren vorgestellt hat.

Regine von Larcher, Vorsitzende des Vereins, präsentiert das neue Transportmittel, das am Montag auf der Linie 116 auf der Umlaufstrecke Leeste (Alte Wache) bis zum Jeebel eingesetzt wird. Der Kleinbus stammt von der Firma Kutsenits. Der Fahrzeugbauer aus Österreich mit Produktionsstätte in Slowenien habe auf der Basis eines T6-Modells von Volkswagen den Aufbau aufgeschnitten und eine eigene Kabine aufgesetzt. Sie bietet Platz für acht Fahrgäste. „Das neue Fahrzeug ist ein Niederflurbus“, so von Larcher. Alle Sitzplätze seien stufenlos erreichbar. Ein Extra-Bereich sei für eine Person im Rollstuhl reserviert. Mittels einer ausfahrbaren Klapp-Rampe könnte diese barrierefrei in das Fahrzeug gelangen. Außerdem gibt es im Inneren genügend Stauraum für Rollatoren. Das sei deshalb wichtig, weil laut Bürgerbus-Vorsitzender das Fahrzeug hauptsächlich von Menschen genutzt wird, die eine Mobilitätseinschränkung haben. Jede Stufe wäre ein Problem gewesen.

„Wir haben uns drei Extras gegönnt“, berichtet Regine von Larcher. „Eine elektrische Dachluke, eine Nummernanzeige am Heck und einen Tempomaten.“ Diese erhöhten den zu zahlenden Betrag laut der Vorsitzenden um 1500 Euro auf insgesamt 96 500 Euro. „Wir freuen uns, dass wir mit finanzieller Unterstützung der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen sowie des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen und den Sponsoren Kreissparkasse Syke und SWB Bremen den alten Bus ersetzen können und dadurch weiterhin einen verlässlichen Linienverkehr anbieten können“, sagt die Vorsitzende.

Bürgermeister Frank Seidel nimmt auf dem Fahrersitz Platz. Foto: Sigi Schritt

Oliver Büther freut sich schon darauf, den neuen Bus zu steuern. Der 56-Jährige aus Kirchweyhe übernimmt am kommenden Dienstag eine Schicht. Der ehemalige Bankkaufmann hatte erst in der vergangenen Woche seine erste Tour übernommen. Der Kirchweyher will er die Momente genießen, in der er als einer der ersten Fahrer den neuen Bus steuert. „Man fühlt sich heimisch“, sagt er. Oliver Büther selbst fährt einen Skoda. Da auch sein privater Wagen aus dem VW-Konzern stammt, komme er mit der Technik gut zurecht. Nicht weil er aus einer Taxifahrer-Familie stammt, sondern den Verein gut findet, hat er sich entschlossen, dem Verein als Fahrer zur Verfügung zu stehen. Der Kirchweyher sucht soziale Kontakte und wirbt, um weiteren Nachwuchs.

Vor der angemieteten Garage des Bürgerbus-Vereins, die sich in der Nähe des Leester Bahnhofs befindet, stehen am Ende der Feierstunde drei Busse. Gibt es etwa Überlegungen für eine dritte Linie, zumal die alten Siedlungshäuser an der Leester Straße Richtung Brinkum nicht am Bus-Liniennetz angebunden sind? Wo könnte sie rollen?

Ein Blick in das Innere des neuen Fahrzeugs. Der neue Bürgerbus ist ab kommender Woche auf der Linie 116 unterwegs. Foto: Sigi Schritt

Regine von Larcher winkt ab. Es fehlten mindestens noch weitere 30 Freiwillige, die den aktuellen Pool von 43 Fahrerinnen und Fahrern ergänzen. „Wir suchen weiterhin immer neue“, sagt sie. Ziel sei es, eine entspannte Situation zu schaffen.

Wer die Passagiere durch Weyhe befördert, bekommt kein Geld, erklärt von Larcher. Die Fahrer würden aber Wünsche äußern, wann sie ihre Zeit dem Verein schenken und wann sie lieber Urlaub machen möchten. Immerhin müsste die Fahrdienstleitung von montags bis freitags für jeden Tag je vier Personen stellen.

Neuer Bürgerbus in Weyhe unterwegs

 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt
 © Sigi Schritt

In jeweils zwei Schichten legen die beiden Fahrer auf der Linie 116 in den acht Umläufen insgesamt 240 Kilometer und auf der Linie 117 insgesamt 180 Kilometer zurück. Sinkt die Anzahl der Fahrer unter 35, wird die Einteilung schon problematisch, nennt sie die große Herausforderung für die Planer.

Es wird also keine dritte Linie geben, zumal der älteste Bus, der rund 270.000 Kilometer gelaufen ist, ausgemustert werden soll. Die Preisvorstellung des Vereins liegt bei 20.000 Euro. „Einen Interessenten gibt es schon“, so von Larcher.

Elektro- oder Hybridfahrzeug könnte bald hinzukommen

Schon jetzt ist klar, dass der Verein einen weiteren Bus in Dienst stellen wird. Es gibt bereits eine von Jürgen Borchers angeführte Arbeitsgemeinschaft zu diesem Thema. Ein Elektro- oder ein Hybridfahrzeug wäre zwar schön und so ein Fortbewegungsmittel würde auch gefördert werden, doch es gebe einen Umstand, weshalb sich dieses Projekt noch nicht realisieren lässt, so von Larcher. „Die Infrastruktur für einen E-Bus ist teuer.“ Die Garage müsste mit einer Schnellladestation ausgerüstet sein. Außerdem müsste eine besondere Leitung von der Versorgungsstation gelegt werden. Der Bürgerverein habe sich beim Unternehmen Avacon erkundigt. Neben den Beschaffungskosten müsste der Verein mit Extrakosten in Höhe von 50.000 Euro rechnen. „Wir warten noch, bis die E-Mobilität weiter ausgebaut wird“, kündigt von Larcher an. Es gebe auch Überlegungen zum Thema Wasserstoff. Darum kümmere sich ebenfalls die Arbeitsgruppe.

Bürgermeister Frank Seidel dankte dem Verein. Viele Weyher wüssten nicht einmal, dass die Fahrer allesamt ehrenamtlich unterwegs sind. Ihnen galt der Dank des Verwaltungschefs. Seidel wünschte ihnen „allseits gute Fahrt und wenig Schrammen“. Außerdem lobte er, dass sich die Fachleute in Sachen ÖPNV in die jüngste Buskaps-Diskussion eingemischt hätten. Laut Regine von Larcher begrüße der Verein die Umwandlung von Buswartebuchten zu Buskaps, weil die Sicherheit der Fahrgäste verbessert werden würde. Allerdings sollte dies nur dort geschehen, wo dies sinnvoll ist.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Coronavirus-Verdacht: Züge aus Italien am Brenner angehalten

Coronavirus-Verdacht: Züge aus Italien am Brenner angehalten

Morsumer Kinderkarneval beim TSV Morsum

Morsumer Kinderkarneval beim TSV Morsum

Kinderfasching bei Puvogel

Kinderfasching bei Puvogel

Bielefeld feiert nach drohender Spielabsage

Bielefeld feiert nach drohender Spielabsage

Meistgelesene Artikel

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - doch das reicht nicht

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - doch das reicht nicht

Geschichten über Begegnungen mit den Musikstars

Geschichten über Begegnungen mit den Musikstars

Kirchengemeinde Neubruchhausen: Neuer Look und neuer Pastor

Kirchengemeinde Neubruchhausen: Neuer Look und neuer Pastor

Fünf Syker Gymnasiasten nehmen an Übersetzungswettbewerb teil

Fünf Syker Gymnasiasten nehmen an Übersetzungswettbewerb teil

Kommentare