„Es geschieht nichts“

Leere Glasfaser-Rohre in der Erde: Paar wartet seit drei Jahren auf Anschluss

Begutachtet ein Leerrohr: Natalie Landwehr.
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Begutachtet ein Leerrohr: Natalie Landwehr.

Warten auf gutes Glasfaser-Internet - und das seit drei Jahren. So geht einem Paar aus Weyhe, die beiden haben viele Fragen, aber Antworten bekommen sie keine.

Weyhe – Immer wieder vertröstet zu werden, keine vernünftigen Antworten zu bekommen und seit 2019 auf einen Glasfaser-Anschluss zu warten, was auch ihre aktuellen Internet-Probleme lösen würde. Genau das erlebt Natalie Landwehr aus Dreye. Doch der Reihe nach.

Die 27-Jährige und ihr Freund Tom Töllner (30) haben auf dem Esstisch in ihrer Wohnung ihre Rechner aufgebaut. Dieser Platz ist in Corona-Zeiten und mehr denn je im Lockdown ihr Büro. Mit sogenannten Remoteverbindungen greifen beide auf die Rechner ihrer Arbeitgeber zu: Natalie Landwehr bestellt Werkstoffe für die Autoproduktion, ihr Freund arbeitet als Speditionskaufmann im Kundenservice.

Internet von Weyher Paar stürzt immer wieder ab

„Wir benötigen eine konstante Internetverbindung“, sagt Natalie Landwehr. „Unser Internet stürzt immer ab.“ Auf dem Papier hätten sie eine 30000er-Leitung zur Verfügung. Die Wirklichkeit sehe aber anders aus. Beide können fast die Uhr danach stellen, wann das Internet in die Knie geht: Mittags um 12 sowie nachmittags um 16 Uhr. Und wenn sie nach Feierabend entspannen wollen, indem sie abends zum Beispiel einen Film sehen oder ein Konzert erleben, geht die Bandbreite gegen 21 Uhr ebenfalls in den Keller. Krisselige Bilder seien keine Seltenheit. Immer wieder müssten Filme laden. Sie würden sich gerne jetzt Karten für live gestreamte Konzerte kaufen, um Künstler zu unterstützen, aber wenn der Livestream immer wieder abbricht, mache das keinen Spaß, sagen sie.

Bereits 2018 entschied sich das Paar für eine Glasfaser-Leitung, zumal das Unternehmen Deutsche Glasfaser Dreye verkabeln wollte. Allerdings sei dem Paar mitgeteilt worden, dass es nur eine teure Gewerbeleitung bekommen könne, weil das Haus am Randgebiet eines Industriegebiets liege. Im März 2019 hätten Landwehr und Töllner schließlich das Büro des Unternehmens in Oyten aufgesucht, um einen Privatvertrag abzuschließen. „Im August kam die Anschlussaktivierung. Es sollte in Kürze mit der Hausbesichtigung losgehen“, hätte ein Schreiben informiert. Leerrohre seien durch die Dreyer Straße geschossen worden.

Weyhe: Keine konkreten Aussagen vom Projektleiter Deutscher Glasfaser

2020 sei ein Leerrohr von einem Kasten an der Straße bis an ihr Haus verlegt worden. „Bis heute sei aber kein Glasfaser-Kabel eingezogen worden“, so Landwehr. Nachfragen beim Unternehmen, wann sie über die Glasfaser-Leitung surfen könnten, seien im Sande verlaufen. Der Vorgang könne zwei bis mehr als neun Monate dauern. Natalie Landwehr nahm Kontakt mit dem Wirtschaftsförderer der Gemeinde auf und der vermittelte ein Gespräch mit einem Projektleiter der Deutschen Glasfaser. Weder er noch Mitarbeiter des Unternehmens hätten konkrete Aussagen treffen können, wann das Paar wirklich den Anschluss nutzen kann. „Es nervt, nicht zu wissen, wann es losgeht. Unser Nachbar hat 2019 den damals besten Router gekauft und viel Geld bezahlt.“

Sind auf stabiles Internet angewiesen: Tom Töllner und Natalie Landwehr.

Wirtschaftsförderer Dennis Sander findet es bedauerlich, wenn jemand beim Breitbandausbau auf der Strecke bleibt. Mehr als an den Projektleiter zu verweisen, das könne die Gemeinde nicht, sagt er. Schließlich halte die Gemeinde die Fäden nicht in den Händen und habe keine eigenen Techniker. „Unser Schwert ist stumpf“, verdeutlicht er. „Irgendwann zählen nur Ergebnisse“, so Sander. Er könne den Ärger von Natalie Landwehr nachvollziehen. Er sei aber zuversichtlich, dass „zeitnah etwas passiert“.

Deutsche Glasfaser: Kein neues Problem

Das Problem, das die Bürgerin beschreibt, sei nicht neu, sagt ein Sprecher der Deutschen Glasfaser gegenüber dieser Zeitung. Insgesamt seien 30 Anschlüsse in Dreye betroffen. „Glasfaserausbau ist ein komplexes Infrastruktur-Projekt“, so der Sprecher weiter. Verzögerungen ließen sich nicht vermeiden. „Frau Landwehr kann damit rechnen, dass Kollegen aus der Nachanschlussabteilung im März einen Haus-Begehungstermin machen.“ Dieser Anschluss sei ein Nachanschluss. Was das heißt? „Wir bauen privatwirtschaftlich aus“, erklärt der Sprecher. Erst wenn eine Nachfragebündelung auf ein Interesse von mehr als 40 Prozent stößt, werde ausgebaut. „Wir planen zunächst mit den Anschlüssen, die dann bestellt worden sind. Wenn das Projekt läuft, gibt es Nachanmeldungen.“

Das Projekt in Dreye stehe kurz vor dem Abschluss. Die Gemeinde müsse zusammen mit dem Bauunternehmer und der Deutschen Glasfaser noch die Oberflächen der ehemaligen Baustellen abnehmen. Aus diesem Grund seien Terminangaben schwierig, so der Sprecher. Allerdings räumt er ein, dass die Kommunikation mit dem Kunden, im konkreten Fall mit Natalie Landwehr, besser laufen könnte. „Wir versuchen, besser zu werden.“

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