Drei Jahrzehnte Jugendarbeit: Günter Meyer wechselt zum Jahresende in den Ruhestand

„Schwierige Fälle gibt es zu jeder Zeit“

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Sein letztes großes Projekt für Jugendpfleger Günter Meyer: die Errichtung der neuen Skaterbahn in Kirchweyhe.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Mehr als drei Jahrzehnte Jugendarbeit liegen hinter Günter Meyer. Der Jugendpfleger verabschiedet sich zum Jahresende in den vorzeitigen Ruhestand. Ihm machen gesundheitliche Probleme zu schaffen – eine Hautkrankheit und ein schleichender Sehkraftverlust. Der 62-Jährige möchte in Kürze sich mehr um seine Familie kümmern, indem er auf seinen im vergangenen Jahr geborenen Enkel aufpasst, um die Mutter zu entlasten. Zuvor hat Meyer ab Anfang Oktober vor, seinen Nachfolger, Carsten Platt, einzuarbeiten. Mit einem Gefühl von tiefer Dankbarkeit will er in drei Monaten seinen Stuhl im Rathaus räumen. Die Früchte seiner Arbeit erntete er bereits seit vielen Jahren. Jugendliche, die Meyer auf ihren Wegen begleitet habe, treffe er als Erwachsene bei Veranstaltungen wieder. Einige sind sogar selbst Eltern und bringen ihre Sprösslinge zur Ferienkiste, die die Gemeinde seit Ende der 1980er-Jahre organisiert. Rund 10000 Kinder haben davon profitiert.

Der 62-Jährige sieht, dass beispielsweise die „schwierigen Fälle“ von einst, längst für sich eine berufliche wie private Perspektive entdeckt und somit die Kurve bekommen haben. „Das freut mich sehr“, so Meyer.

Der Jugendpfleger erinnert sich dabei beispielsweise an Mitglieder einer Gruppe, die sich „Alkoholvernichtungstrupp“ nannte, die an jedem Wochenende Hochprozentiges getrunken haben. Meyers Erkenntnis heute: „Schwierige Fälle gibt es zu jeder Zeit.“ Die Jugend ist seiner Einschätzung nach im Vergleich zu früheren Jahrzehnten „nicht schlechter geworden“. Vielleicht weil er ein Spätberufener war, legte Meyer sich umso mehr für Jugendliche ins Zeug, die vermeintlich orientierungslos dem Erwachsenensein mehr oder weniger freiwillig zustreben. „Ich habe vier Jahre verplempert, weil ich nicht den richtigen Schulabschluss gemacht habe“, sagt er. Mit seiner Feststellung breche er so manches Eis. Jugendliche hören ihm dann zu, wenn er ihnen seinen Lebenslauf schildert. Etwa, dass er 1953 in Twistringen geboren wurde und nach der Hauptschule eine Lehre zum Stahlbauschlosser absolviert hat. Seine Firma in Syke stellte unter anderem Kulissen für Opernhäuser und Theater in aller Welt her. Ein paar Bauteile, die er produziert hat, seien sicherlich noch in der Staatsoper in Stockholm zu finden. Dabei sei er mit Kunst und Kultur in Berührung gekommen. Er habe die Zeit des Beatclubs im erzkonservativen Twistringen erlebt – Meyer hörte damals Rockmusik. Seine Freunde probierten aus Langeweile Drogen aus. Damit wollte er nichts zu tun haben. Aber er bemerkte, dass Aufklärungsarbeit wichtig ist. Das bestärkte seinen Wunsch, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Für den Beruf des Sozialpädagogen war aber ein Studium gefordert. In Bremen holte er den Realschulabschluss nach, um 1976 in Syke die Fachoberschule für Sozialpädagogik zu absolvieren. Bei einem Praktikum in seiner Heimatstadt lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen. Nach einem Studium an der Fachhochschule in Bremen und einem Anerkennungsjahr in Delmenhorst habe er per Zufall eine Stellenanzeige in der Kreiszeitung gesehen. „Die Gemeinde Weyhe suchte 1982 einen Jugendpfleger“, erinnert sich Meyer noch genau. Im Juli fing er im alten Leester Rathaus, in einem Raum über der heutigen DRK-Wache, an. Als Einzelkämpfer konnte er nicht viel bewirken, deshalb knüpfte er Kontakte zu Sportvereinen, freien Trägern, zu Organisationen und zu den Schulen. Besonders gerne denkt Meyer an die Jugendfreizeiten zurück, die er für die Gemeinde organisiert hat: egal, wie finanzstark das Elternhaus war: Kinder bekamen die Möglichkeit, als Gruppe für mehrere Tage ins Ausland zu fahren.

Veranstaltungen zur Aufklärung und Elterngespräche haben auch breiten Raum in Meyers Berufsleben eingenommen. Derzeit seien es die Entwicklungen der digitalen Welt, die der Jugendpfleger kritisch beäugt: Jugendliche sind im richtigen Leben überfordert, wenn sie ständig an der Spielekonsole hängen oder Internetspiele konsumieren. „Weder schlafen sie ausreichend noch erfüllen sie über einen langen Zeitraum die Anforderungen der Schule. Es entstehen Süchte.“ Deshalb versorgten sich einige Zocker mit Aufputschgetränken und Drogen, kritisiert Meyer. Er rät Eltern, an Präventionsabenden teilzunehmen.

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