R.B.S. investiert 1,5 Millionen Euro in Sicherheit und Geräte

Kur für Kesselwagen in Kirchweyhe 

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Die Drehscheibe ist das Herzstück von R.B.S. in Kirchweyhe. Sie soll modernisiert werden.

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Kompletter Werkstattservice sowie das Reinigen, Beschichten und Strahlen von Schienengüter- und Kesselwagen bilden das Kerngeschäft und den Namen der Firma R.B.S. Kirchweyhe, deren Gelände sich vom DB-Bahnhof auf 80.000 Quadratmetern fast bis zur Moordammbrücke erstreckt.

Das Unternehmen mit 22 angestellten Mitarbeitern und zehn eines Subunternehmens sowie fünf Leiharbeitern will in den nächsten anderthalb Jahren mehr als 1,5 Millionen Euro investieren, um den Betrieb unter anderem auch in Sachen Arbeitssicherheit fit für die Zukunft zu machen.

Der Betrieb bietet laut Geschäftsführer Lutz Abram einen Rundumservice von der Reparatur, Wartung und Revision von diversen Waggons bis zur Reinigung. Über 800 Wagen gingen 2016 durch die Hände der R.B.S.-Mitarbeiter. „Neu sind die Kalk-Waggons für die Stahlwerke Bremen von DB Cargo. Im Vergleich zum Vorjahr wollen wir die Anzahl von 76 auf 180 Waggons steigern und den kompletten Werkstattservice zusätzlich ausführen“, so Abram.

Unternehmen optimieren 

Der seit einem halben Jahr agierende Geschäftsführer sieht sich selbst als Optimierer für Arbeits- und Produktionsabläufe. Der 55-Jährige hatte an der Fachhochschule in Krefeld Verfahrenstechnik studiert, arbeitete während und nach dem Studium im Thyssen-Konzern und hat seinen Schwerpunkt auf die Lasermetallbearbeitung gelegt. Abram interessierte sich zunehmend dafür, Unternehmen zu restrukturieren. Deshalb fungierte er mehrere Jahre für verschiedene Metallbetriebe als Interimsmanager, um bestimmte Geschäftsfelder mit aufgestocktem Personal auszubauen und defizitäre Entwicklungen abzustellen.

Neu eingeführt: Eine Werkbank zwischen den Waggons. „Das erspart zahlreiche Laufwege“, sagt Lutz Abram.

In Kirchweyhe will er den Betrieb zwar nicht vollständig auf links krempeln, doch er sagt, dass selbst kleine Veränderungen bereits Wirkung zeigen. Ein Beispiel: So bekommen die Arbeitsplätze in der Instandsetzung zwischen den Waggons moderne und funktionale Werkbänke, damit die Monteure und Spezialisten nicht lange Wege zum Werkstattraum zurücklegen müssen. Um Radsätze effektiver zu wechseln, setzt R.B.S. nicht nur auf stationäre, sondern verstärkt auf mobile Hebebockanlagen. Die gibt es seit Jahren – doch sie fristeten defekt ihr Dasein auf dem Werksgelände. Die sind jetzt repariert. 

„Die Mechanik ist robust. Dazu haben wir beim Umbau die modernsten Sicherheitstechniken berücksichtigt“, so Abram. „Die R.B.S. hat seit zwei Jahrzehnte einen Investitionsbedarf“, sagt er. Das Gelände war über viele Jahre gepachtet, bis die Deutsche Bahn es 2014 für 1,3 Millionen Euro an R.B.S. übereignete, berichtet Abram. Maschinen werden derzeit repariert und die Werkstatt moderner ausgestattet, sodass in der gleichen Zeit mehr Waggons repariert werden können. 

Mehr Arbeitsplätze in Kirchweyhe

Um dieses Ziel zu gewährleisten, will Abram außerdem das Personal aufstocken – durch Ausbildung und Übernahme von Leiharbeitern sowie Rekrutierung von Landmaschinen- und Schiffsschlossern, die es gewohnt sind, mit groberen Werkzeug umzugehen. Weiterhin soll die Drehscheibe, das Herzstück der R.B.S., durch eine Achimer Firma ertüchtigt werden. „Es gibt keine Ersatzteile mehr, und sie dreht sich aus Vorsicht nur noch mit einer sehr geringen Geschwindigkeit. Künftig übernehmen zwei gesteuerte Elektromotoren mit Getriebe den Antrieb.“

Das Unternehmen will eine halb automatische Reinigungsanlage installieren, die laut Abram weitere Verbesserungen für Arbeitsabläufe, Arbeitssicherheit und die Umwelt bringt. Ohnehin seien in den Kesselwagen, die bis zu 110.000 Liter fassen können, nur Reste zwischen zehn und 100 Litern zu entsorgen. Mitarbeiter klettern in die Waggons und säubern sie mit Dampf-Hochdruckreinigern. Das Abwasser werde durch verschiedene Biofilter gejagt und neutralisiert. Allerdings will sich der Betrieb von der Reinigung von Kesselwagen, die Bitumen fassen, in Kürze trennen. Das schwarze Zeug müsse per Hammer abgeklopft werden. „Das ist sehr kraft- und zeitintensiv“, so Abram.

Ein Mitarbeiter repariert in der Werkstatt einen Waggon.

Für das zur Hamburger Eckelmann-Gruppe gehörende Unternehmen ist die Lage an der ICE-Strecke perfekt. Es gibt europaweit wenige Unternehmen, die Dienstleistungen wie die in der Wesergemeinde anbieten. Und der Betrieb in Weyhe liege an der wichtigen Route Schweiz-Ruhrgebiet-Skandinavien und den Häfen in Hamburg und Bremen.

Seinen Ursprung hatte R.B.S. im Jahr 1870 als neu gegründetes Bahnbetriebswerk der Reichsbahn zur Instandsetzung der Dampfloks, sagt Abram.

Firma R.B.S. Kirchweyhe: Blick hinter die Kulissen 

Die Gemeinde begrüßt die Ankündigung von R.B.S., die Sicherheit erhöhen zu wollen, kommentiert die Bürgermeister-Stellvertreterin Ina Pundsack-Bleith. „Über Erweiterungsabsichten am R.B.S.-Standort haben wir derzeit keine aktuelle Kenntnis. Details hierzu würden in einem Genehmigungsverfahren durch die zuständigen Stellen zu prüfen sein. Generell werden Kapazitätserweiterungen allerdings seitens der Gemeinde nicht unkritisch gesehen.“

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