Domenico Corbo ist neuer Chef des Leester Polizeikommissariats

Ein Plädoyer für den Blaulicht-Job

Einsatzbereit: Der Streifenwagen-Fuhrpark des Leester Polizeikommissariats, in dem sich Domenico Corbo befindet.
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Einsatzbereit: Der Streifenwagen-Fuhrpark des Leester Polizeikommissariats, in dem sich Domenico Corbo befindet.

Der Vortrag eines Beamten in seiner Schule war für Domenico Corbo der Auslöser, sich mit der Polizei als Arbeitgeber zu beschäftigen.

Was ihn damals motiviert hat, sich bei der Polizei zu bewerben? „Ein junger Kollege aus dem Streifendienst erzählte, was er so macht. Er schilderte die Möglichkeit, Menschen unmittelbar zu helfen. Das hat mich damals abgeholt“, erinnert sich Corbo. Zunächst sei es für ihn nur eine jugend-romantische Vorstellung gewesen, mit Blaulicht durch die Stadt zu düsen und „den Verbrechern auf der Spur zu sein“. Dennoch habe diese Vorstellung eine derartige Faszination ausgeübt, die den Wunsch überlagerte, nach dem Abi ein Studium zu ergreifen.

Rückblickend sei es für ihn 2001 eine „sehr gute Entscheidung“ gewesen, sich bundesweit zu bewerben, sagt Corbo. „Die Auswahlkommission in Niedersachsen war sehr freundlich“, erinnert er sich an die Einstellung. „Die Beamten waren höflich und respektvoll. Das hat mich überzeugt und mir einen Vorgeschmack gegeben, wie es im Beruf sein soll.“

Gerade für junge Berufsanfänger sei es eine große Umstellung und eine interessante Lebensphase zugleich. „Man bekommt Befugnisse übertragen, die andere Bürger nicht bekommen.“ Sich mit Anfang 20 dieser Verantwortung und Entscheidungsmacht bewusst zu sein, sei eine Herausforderung. Die Bandbreite im Streifendienst sei groß: „Wir treffen auf Damen und Herren, die in der einen Situation unsere Hilfe benötigen. In einer anderen Situation geht es um flüchtende Straftäter und wiederum in einer weiteren gibt es Menschen, die jemanden oder die Polizisten selbst verletzen möchten.“

„Junge Kollegen benötigen ein Leitbild, Orientierung und gewisse Vorbilder im täglichen Dienst“, sagt Corbo. In Weyhe fahre er selbst zwar nicht mehr selbst raus, „aber ich spreche mit den Kollegen über ihre Einsätze, bin jederzeit Ansprechpartner und ermutige sie, eigene Entscheidungen zu treffen“. Wer den Polizeiberuf ergreift, werde gut vorbereitet und wisse, wie man ein Fahrzeug kontrolliert und „wie man auf Menschen reagieren muss, die einem nicht wohlgesonnen sind. Der Polizeiberuf ist ein Erfahrungsberuf, deshalb sollten Berufsanfänger erfahrene Kollegen an ihrer Seite haben“.

Es spiegele sich in den Bewerberzahlen wider, dass die Polizei kein Nachwuchsproblem hat, denn Bewerber können einen Beruf angehen, der mit das höchste Vertrauen in der Gesellschaft hat.

Domenico Corbo, geboren 1981 in Versmold, ist in seiner Laufbahn über viele Stationen nach Weyhe gekommen: Den Beginn seiner Karriere markierte ein Studium in der Polizeiakademie.

Es folgten drei Jahre Streifendienst in Lüneburg. Von dort ging es in den Zentralen Kriminaldienst, in dem Corbo unter anderem für Drogenkriminalität und Raub-Delikten zuständig war. Er wechselte dann in die Polizeiinspektion Harburg. Dort gehörte er einer Ermittlungsgruppe an, die sich mit der Bekämpfung von Haus- und Wohnungseinbrüchen beschäftigte. Wie Weyhe im Speckgürtel von Bremen liegt, so zähle Harburg zu dem von Hamburg. Banden hätten damals ihr Unwesen getrieben. Die hätte er ins Visier genommen. „Die haben wir der Reihe nach ausgeschaltet.“

Anschließend wechselte er nach Lüneburg in den Castor-Stab. Er war für das Kräftemanagement zuständig. „Ich hatte einen Überblick über die Kräfte und orderte welche nach, wenn es notwendig erschien.“ Im Nebenamt war Domenico Corbo mehrere Jahre in der Verhandlungsgruppe tätig. Dies ist eine Spezialeinheit, die zum Beispiel bei Geiselnahmen mit dem Täter die Verhandlungen führt und versucht, die Opfer freizusprechen. Die nächsten Karriereschritte: Dienstschichtleiter im Polizeikommissariat Buxtehude, dann zweijähriges Masterstudium in Hiltrup. Nach dessen Beendigung kam er nach Diepholz. In der Polizeiinspektion wurde Corbo Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) und war jetzt verantwortlich für die Bekämpfung der Kriminalität des gesamten Landkreises und eben für die Verbrecherjagd.

Die Arbeit sei komplex: Es gebe mehrere Einheiten, die sich mit vielen Delikten bis hin zu Mord und Terrorismus beschäftigen. Sieben Jahre hat Corbo den ZKD geleitet, der auch immer wieder Spezialisten in die Gemeinden geordert hat, um den Polizisten vor Ort bei den Ermittlungen zu helfen. Ein Höhepunkt in dieser Zeit seien 2015 die Ermittlungen zum Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr-Groß Mackenstedt gewesen. Es habe sich mutmaßlich herausgestellt, dass dieser Überfall von ehemaligen RAF-Terroristen begangen worden war, die nach wie vor gesucht werden. Dieser Fall habe Kriminalgeschichte weiter geschrieben. Diese RAF-Terroristen leben laut Corbo seit Jahrzehnten im Untergrund. „Die Schwerstkriminellen sind abgetaucht. Wir waren die erste Dienststelle, die nach Jahrzehnten den Tatnachweis wieder auf Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette lenken konnten.“

Über seine Ziele in Weyhe will Corbo noch nicht viel verraten: „Ich verschaffe mir erst einmal einen Überblick“: Er befinde sich in einer Orientierungsphase. Er habe von Franziska Mehlan, die ins Innenministerium wechselte, und Thorsten Strier eine sehr gut geführte Dienststelle übernommen. Corbo will die Netzwerk-Partner in den beiden Gemeinden kennenlernen. „Ich sehe uns als Bürgerpolizei für die Gemeinden Stuhr und Weyhe“, lautet seine Botschaft.

Der 40-Jährige hat das Ziel, die Polizei so freundlich darzustellen, wie er sie in dem Streifenpolizist in der Schule und in der Auswahlkommisson erlebt hat. Er hofft, dass sich die Geschichte wiederholt seine Kollegen durch ihre Vorbildfunktion junge Menschen motivieren, zur Polizei zu gehen. Denn für Domenico Corbo ist klar: „Polizist zu sein ist ein Traumjob.“

Die Polizei benötige Nachwuchs, die für Blaulicht-Themen zu haben sind. Denn auch in Weyhe würden bald Beamte aus geburtenstarken Jahrgängen in Pension gehen. „Uns verlassen Kollegen mit über 40 Dienstjahren. Ihr Wissen verschwindet.“

Von Sigi Schritt

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