Dina Badwan und Remla Menge Colpa sind die beiden neuen Integrationslotsinnen der Gemeinde

„Das Erlernen der Sprache ist das A und O“

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Remla Menge Colpa (l.) und Dina Badwan.

Weyhe - Von Philipp Köster. Dina Badwan hat nach zwei Wochen schon 25 Überstunden angesammelt. Ihre Kollegin Remla Menge Colpa ist beim Pressegespräch in Eile. Sie muss noch ins Krankenhaus, um einen Flüchtling zu begleiten. „Das ist kein Job von halb neun bis eins. Da muss man flexibel sein.“

Dina Badwan und Remla Menge Colpa sind seit kurzem Integrationslotsinnen der Gemeinde. Sie teilen sich mit je 19,5 Stunden eine Stelle. Ihre vordringliche Aufgabe ist die Betreuung der Weyhe zugewiesenen Migranten, etwa bei Arztbesuchen und Behördengängen. Außerdem stellen sie den Erstkontakt zu den rund 140 ehrenamtlichen Familienpaten her. Aber sie sehen mit ihrem Kollegen Wahid Heydari auch in den dezentral über die Gemeinde verteilten Unterkünften nach dem Rechten und sprechen mit Nachbarn, ob es eventuell Probleme gibt. „So können wir schon im Vorfeld aktiv werden und Konflikten in der Nachbarschaft vorbeugen“, erläutert Udo Petersohn, kommissarischer Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales im Rathaus.

Dina Badwan stammt aus Ägypten, ist Anthropologin, spricht neben deutsch auch arabisch, englisch und französisch. Die 55-Jährige sorgt dafür, „dass die Kinder schnell in die Schule gehen und die Erwachsenen Deutschkurse besuchen“. Das Erlernen der Sprache sei das A und O. „Wenn sie nur zu Hause rumsitzen, ist das der Anfang der Probleme.“ Dina Badwan ist selbst deutscher Flüchtling: Sie lebte mit ihrem Mann, dem heutigen Kirchweyher Kinderarzt Nidal Badwan, in Kuwait, als die Irakis dort einmarschierten. Das Paar floh in die Bundesrepublik. „Dank meines deutschen Passes hatte ich natürlich einen anderen Status“, sagt die Tochter einer Deutschen. Nach vielen Jahren ehrenamtlichen Engagements für Migranten ist sie nun als Verwaltungskraft in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Genau wie Remla Menge Colpa. Als in Braunschweig geborene Bosnierin kümmert sie sich um die Migranten vom Westbalkan. „Ich spreche serbokroatisch, verstehe albanisch und boxe mich bei den Flüchtlingen mit englisch durch.“ Die 37-Jährige arbeitete in Bosnien als Sprachkorrespondentin bei der Bundeswehr. Über ihre zwei Söhne lernte sie in Weyhe, wo in der Schule der Schuh bei der Integration von Flüchtlingen drückt und bot ihre Hilfe an, etwa bei der Anmeldung von Kindern. Zwar ist Menge Colpa in erster Line für Menschen vom Balkan zuständig. Jedoch verebbt der Zustrom von dort, hat Petersohn festgestellt. Im Gegenteil: Vielen stünde die Rückkehr in ihre Heimat als „sichere Herkunftsländer“ bevor. Priorität genießen Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan. Trotzdem bleibt für die beiden Integrationslotsinnen genug zu tun. An sie wenden sich jetzt auch Migrantinnen mit Problemen, die sie einem Mann nicht anvertraut hätten. „Zum Beispiel, wenn ein Besuch beim Frauenarzt ansteht“, sagt Dina Badwan.

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