Schul-Ausschuss

Digitalpakt in Weyhe: Diskussionen um Glasfaser und Tabletunterricht

Die geplante Umstellung auf Tablet-Unterricht sorgte für Diskussionen. Symbol
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Die geplante Umstellung auf Tablet-Unterricht sorgte für Diskussionen. Symbol

Es war eines der lebhaft diskutierten Themen am Dienstagabend im Kulturforum der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste. Im späteren Verlauf der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kindertagesstätten und Jugend der Gemeinde Weyhe entwickelte es sich sogar zum echten Reizthema: der Digitalpakt Schule.

Weyhe - Fabian von Weyhe, Fachbereichsleiter Bildung und Freizeit, legte im Schul-Ausschuss zunächst die nackten Zahlen für die Gemeinde vor: Aus dem 2018 auf den Weg gebrachten Förderprogramm erhalten die Schulen der Gemeinde insgesamt runde 1,23 Millionen Euro. Diese seien für die Verbesserung der digitalen Vernetzung, die Einrichtung eines schulischen Wlan-Netzes mit einem gewissen Mindeststandard und für den Aufbau und die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur vorgesehen. Auch die Anschaffung digitaler Arbeitsgeräte, etwa interaktiver Tafeln, könnte damit gefördert werden, so von Weyhe. Die Gemeinde kalkuliere mit Kosten von 1,32 Millionen Euro, wobei der kommunale Eigenanteil nach der Ausschreibung noch variieren könne.

Die ersten Ausschreibungen seien bereits auf den Weg gebracht worden: Access-points fürs Schul-Wlan und Beamer für alle Schulen in der Gemeinde sowie eine aufwendige Netzwerkverkabelung der Grundschule Leeste. Erste Netzwerkinstallationen würden im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres umgesetzt, die Zielsetzung sei ein Abschluss sämtlicher Maßnahmen bis Ende 2022 – ein ambitioniertes Ziel, wie Ralf Eggers als IT-Fachmann der Gemeinde erklärte: „Gerade während der Ferien wird viel in den Schulen modernisiert, das sorgt für eine Knappheit an Angeboten.“ Am Plan wolle man dennoch festhalten, obwohl auch die Gemeinde spüre, „dass die Auftragsbücher der Firmen voll sind“.

Schulen beim Breitbandausbau übergangen

Die entscheidende Frage stellte von Weyhe selber: „Was nützt die schönste Ausstattung, wenn die entsprechende Infrastruktur nicht liegt?“ Gemeint sind die Glasfaseranschlüsse, die das Internet in die Schulen transportieren sollen. So seien die KGS Leeste und die benachbarte Grundschule seit Ende 2020 über einen Glasfaseranschluss versorgt – ein allgemeingültiger Zustand, wie Weyhes stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty (CDU) verdeutlichte: So seien bereits weite Teile Lahausens mit Glasfaseranschlüssen versorgt worden, die im Digitalpakt eingeschlossene Grundschule jedoch nicht. „Warum?“ lautete ihre konkrete Nachfrage.

Die ernüchternde Antwort von Eggers: „Erklären kann ich es nicht, weil von den Anbietern keine Erklärung kommt.“ Neubaugebiete hätten grundsätzlich Vorrang, zudem beinhalte eine Zusage eines Anbieters nicht, wann genau die Maßnahmen umgesetzt werden. Dietrich Struthoff (CDU) verdeutlichte, weshalb Schulen beim Breitbandausbau oft übergangen werden: „Schulen sind als Kunden bei den Anbietern nicht beliebt. Da müssen mit einem Vertrag hunderte Geräte versorgt werden.“ Entsprechend sei die abgerufene Bandbreite einer Schule sehr hoch. Verträge für Privathaushalte würden sich da mehr rechnen.

Hohe Kosten für die Eltern

Auch in puncto Service sei noch Handlungsbedarf, wie Eggers auf Nachfrage von Leestes Grundschulrektor Martin Stamnitz erklärte, da die Gemeinde für sämtliche Schulen anderthalb Stellen für Fachinformatiker unterhalte. „Das reicht auf Dauer nicht“, blickte Eggers auf den steigenden Wartungsaufwand und zukünftige Modernisierungen voraus.

Zum großen Reizpunkt entwickelte sich gegen Ende der Sitzung noch ein Einwurf von Joyce Budelmann (FDP). Budelmann kritisierte vehement die bevorstehende Umstellung der KGS Leeste, durch die sämtliche Schüler ab der siebten Klasse Unterrichtstablets anschaffen müssen. Sie fände es „erschreckend“, dass den Eltern und Kindern hier die Wahlmöglichkeit zwischen analoger und digitaler Beschulung genommen wird und zudem hohe Kosten auf die Eltern zukommen. Im selben Zuge stellte sie infrage, ob eine derartige Verpflichtung rechtens sei. Und obwohl die rechtliche Situation, so Susanna Clottey vom Fachbereich Bildung und Freizeit, solide sei und es zudem Finanzierungskonzepte für die Familien der Schüler geben werde, ließ sich Budelmann nur schwer beruhigen, zumal auch die KGS Kirchweyhe auf Tablet-Unterricht umstellen wird.

Kaum diskutiert wurden von Weyhes Erläuterungen bezüglich der Anschaffung von Luftfiltern in Schulen und Kitas. Hier habe der Bund kürzlich Förderprogramme in Aussicht gestellt, mit denen Filteranlagen bezuschusst werden können. Es soll untersucht werden, inwiefern Einrichtungen mit stationären Anlagen ausgestattet werden können und welche Kosten dies verursachen würde. Bezogen auf mobile Anlagen konnte von Weyhe keine Details nennen, da der Entwurf der Richtlinie noch nicht vorliege.

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