Maria Rothlübbers feiert heute in Leeste ihren 95. Geburtstag

Digitales Treffen statt Familienfest

Maria Rothlübbers feiert heute ihren 95. Geburtstag. Die Seniorin wohnt seit fast acht Jahren in der Seniorenresidenz Haus Lerchenhof in Leeste.
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Maria Rothlübbers feiert heute ihren 95. Geburtstag. Die Seniorin wohnt seit fast acht Jahren in der Seniorenresidenz Haus Lerchenhof in Leeste.

Leeste – Maria Rothlübbers feiert heute ihren 95. Geburtstag. Leider kann sie ihren Jubeltag in diesem Jahr nicht im Kreise ihrer ganzen Familie und zusammen mit Freunden aus ihrer früheren emsländischen Heimat begehen. Die Corona-Kontaktbeschränkungen lassen als Gäste nur Sohn Werner und Schwiegertochter Iris zu. Gerne hätte Maria Rothlübbers auch die erwachsenen Enkelkinder Sven und Lena bei sich gehabt.

„Vielleicht organisieren wir noch einen Video-Chat“, plant ihre Schwiegertochter ein digitales Treffen. Innerhalb der Familie steht demnächst weiterer Nachwuchs ins Haus. Dann wird Maria Rothlübbers erstmals Ur-Oma. „Darüber freuen wir uns alle sehr.“

Die Jubilarin wohnt seit Mai 2013 in der Seniorenresidenz Haus Lerchenhof in Leeste, ganz in der Nähe von Sohn und Schwiegertochter. „Bis vor kurzem ist meine Mutter die anderthalb Kilometer noch zu Fuß zu uns gekommen“, berichtet Werner Rothlübbers, der die rüstige Seniorin jetzt fast jedes Wochenende zum Mittagessen und zum gemütlichen Plausch abholt; so auch an ihrem heutigen Geburtstag.

Geboren wurde Maria Rothlübbers am 5. Februar 1926. Als drittes von fünf Kindern wuchs sie auf dem elterlichen Bauernhof in Gehlenberg auf, einem Dorf im Landkreis Cloppenburg zwischen Friesoythe und Papenburg. „Wir waren vier Mädchen und ein Junge“, erzählt sie. Als Bruder Willi 1943 mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt wurde, mussten die vier Mädchen auf dem Hof in der Landwirtschaft verstärkt mit anfassen.

„Nach dem Ende des Krieges wollte ich noch etwas lernen“, so die 95-Jährige. Ein Laden mit Lebensmitteln und Bekleidung bot ihr die Gelegenheit, den Beruf einer Verkäuferin auszuüben. „Der Chef wollte gerne, dass ich Bekleidung und Stoffe verkaufe.“ In dieser Zeit lernte sie ihren zwei Jahre älteren Mann Gerhard kennen. Ende 1947 war er aus britischer Gefangenschaft nach Hause gekommen und konnte seinen Beruf bei der Post wieder aufnehmen. In seinem Heimatort Rastdorf/Landkreis Emsland kaufte sich das junge Paar ein Grundstück und baute ein Haus. Beide waren berufstätig und wurden zudem von Marias Eltern großzügig unterstützt. 1956 läuteten die Hochzeitsglocken, und zwei Jahre später wurde Sohn Werner geboren.

„Als in Rastdorf eine Person für eine neue Sparkassen-Filiale gesucht wurde, habe ich mich beim Bürgermeister gemeldet und wurde angenommen“, erzählt Maria Rothlübbers. „Wir hatten dann die Stube in unserem Wohnhaus erweitert und den Raum als Filiale der Kreissparkasse genutzt.“ Mit Hilfe von Abendkursen habe sie sich in den neuen Beruf eingearbeitet und die Filiale 25 Jahre lang von 1962 bis 1987 ganz alleine geführt. „Manchmal kamen die Kunden auch sonntags ins Haus. Meistens wollten die Männer noch Taschengeld haben“, erinnert sich die Seniorin und schmunzelt. Den Umgang mit Kunden und fremdem Geld hatte sie sich bereits als Verkäuferin angeeignet. Nun gehörten das Geschäft einer Bausparkasse, Sparkonten, Kreditvergabe, Schecks und Wechsel sowie das Bargeldgeschäft zu ihren Aufgaben. Das blieb auch dunklen Gestalten nicht verborgen. In den 1970ern wurde die kleine Kreissparkassen-Filiale innerhalb von drei Jahren zweimal überfallen.

„Was ich sehr gut im Kopf behalten habe, sind die Kontonummern“, berichtet die Seniorin rund 34 Jahre nach dem Ende ihrer Berufstätigkeit. „Ich brauchte fast bei keinem Kunden die Kontonummer aus dem Kasten zu suchen. Sogar alle Telefonnummern von der Heimat habe ich noch im Kopf.“

Mitte und Ende der 1980er-Jahre freuten sich Maria und Gerhard Rothlübbers zusammen mit Sohn und Schwiegertochter über die Geburten der beiden Enkelkinder Sven und Lena. In der Urlaubszeit sind sie gerne nach Süddeutschland gefahren. Anfangs noch mit dem eigenen Auto, später als Busreisen. „Dann hatte mein Mann mehr Ruhe und konnte sich auch die Gegend angucken.“

Einen Tiefpunkt in Marias Leben brachte dann der Tod ihres Mannes Gerhard, der im Dezember 1992 nach längerer Krankheit verstarb. „Da habe ich mich an den Tisch gesetzt und mir ganz laut gesagt: Mutter, jetzt bist du allein! Aber du musst und willst weitermachen.“

Sie hat dann alles selbst organisiert, Haus, Garten, einschließlich Gardinenwaschen und Fensterputzen. „Die Nachbarn in Rastdorf haben in dieser Zeit nach ihr geguckt und darauf geachtet, ob die Rollläden hochgehen“, berichtet Schwiegertochter Iris. „Sie hatten täglich fast familiären Kontakt. Mit den früheren Nachbarn telefoniert sie noch jede Woche. Da besteht eine ganz enge Verbundenheit, die bis heute anhält.“

Als Maria Rothlübbers vor fast acht Jahren aus gesundheitlichen Gründen ins Haus Lerchenhof zog, musste sie vorher nicht lange überlegen. „Der Umzug erfolgte ohne Heimweh“, blickt sie zurück. Sie lobt das gesamte Betreuerteam und hat angesichts der tollen Pflege ihre Entscheidung bis heute nicht bereut. „Ich fühle mich dort sehr wohl. Seit 1992, als mein Mann verstorben ist, sind das meine schönsten Jahre.“

Von Rainer Jysch

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