Landwirte unzufrieden

„Diese Saison werden nicht alle überleben“

Landwirt Jens Meyer aus Melchiorshausen zieht mit seinem Mähdrescher auf seinem Roggenfeld seine Runden. - Foto: Schritt

Leeste - Von Sigi Schritt. Erntezeit. Die Mähdrescher drehen auf den Feldern Runde um Runde. Bei der Getreideannahmestelle von GS Agri in Weyhe herrscht derzeit Hochbetrieb. Landwirte und Lohnunternehmer bringen Wagenladung um Wagenladung nach Leeste. Der Inhalt: Weizen, Roggen, Triticale und Raps.

Auf der Ladestraße vor der Annahmestelle bilden sich immer wieder lange Schlangen, in die sich neben den Trecker-Gespannen auch 40-Tonner einreihen. Sie werden später das angelieferte Getreide nach Schneiderkrug und Garrel abfahren.

Die Abläufe für das Team von Frank Schröder sind routiniert: Die GS-Agri-Mitarbeiter wiegen jeden Anhänger samt Ladung sorgfältig. Bevor jemand weiterfährt, um die Ladung in einem Lagerfach abzukippen, klettert Schröder auf eine Leiter und sticht mit einer Metalllanze von oben in das Getreide. In mehrere Öffnungen rieselt das Korn. Diese Proben werden schließlich analysiert.

Bevor die Treckergespanne das Gelände wieder verlassen, werden sie nochmals gewogen. Die Differenz ergibt das Gewicht der Ladung. Analysewerte und Wiegeschein bekommen die Fahrer mit auf den Rückweg.

In der Leester GS-Agri-Annahmestelle kontrolliert Frank Schröder die Qualität des Korns und zieht mit einer Messlanze Proben der Roggenladung. - Foto: Schritt

Seit Ende Juni haben die Mitarbeiter in der Annahmestelle zwischen 7 und 22 Uhr gut zu tun. Das Einzugsgebiet ist groß: Neben den Landwirten aus der Wesergemeinde bringen zum Beispiel auch Landwirte aus Okel, Syke, Bassum und Thedinghausen ihr Korn zur Leester Annahmestelle.

Obgleich die komplette Ernte längst nicht durch ist, kann Schröder bereits eine Einschätzung geben. Das wird die „schlechteste Ernte seit Jahrzehnten“, glaubt er. Und er habe bereits viele mitgemacht.

Eine Maschine prüft die Qualität einer Getreideprobe. Dieser Weizen hat einen Feuchtegrad von 11,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Körner nicht in die Trocknung müssen. - Foto: Schritt

Bei der Sommergerste hätten einige Landwirte sogar überlegt, ob die Drescharbeiten und die Lohnkosten den Ertrag widerspiegeln. Da mussten sich einige Landwirte entscheiden – dreschen oder mulchen. „Wegen des nassen Herbstes im vergangenen Jahr konnte die Wintergerste nicht gesät werden. Und das Frühjahr war so feucht, dass die Sommergerste nicht gut gewachsen ist. „Die Einbußen gegenüber dem Vorjahr liegen bei 40 Prozent.“ Das Hektolitergewicht war laut Schröder sehr gering.

Die Sommergerste ist abgeerntet. Auf diesem Feld in Leeste werden Rundballen geformt. - Foto: Schritt

Stefan Landsberg, Lohnunternehmer aus Gessel bringt ebenfalls seine Ladung nach Leeste. Er spricht von Ernteausfällen. „Es sind 40 Prozent und teilweise 50 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr.“ Auf den eigenen Flächen habe er üblicherweise acht Tonnen je Hektar (10 000 Quadratmeter) gedroschen, jetzt sind es nur vier bis fünf Tonnen. Ein ähnliches Bild auch bei Jens Meyer aus Melchiorshausen: „Ich muss abwarten, was auf dem Konto steht.“

Frank Schröder muss jede Wagenladung prüfen. Die Bewertung des Korns übernimmt eine Maschine. - Foto: Schritt

Ein düsteres Bild zeichnet Dietrich Wienberg aus Ristedt: „Diese Saison werden nicht alle Landwirte überleben“, glaubt er. Er führt außerdem noch einen anderen Umstand an, den er kritisiert. Die Landpacht sei teilweise „gigantisch hoch“. Wienberg glaube sogar, dass nicht alle Verpächter ihre Pacht bekommen.

Jens Meyer prüft die Qualität seines Getreides. - Foto: Schritt

Wie es um Weizen, Roggen und Triticale steht, kann Frank Schröder nicht sagen. Immer wieder landen sogenannte Kümmerkörner in seinen Proben. „Die Qualitäten schwanken von gut bis schlecht.“ Auch der Raps entwickelt sich schlecht, so Schröder. Normal seien Erntemengen zwischen vier und fünf Tonnen je Hektar – derzeit sind es zwischen zwei und 2,5 Tonnen. Ist die aktuelle moderate Preissteigerung ein Korrektiv für den Minderertrag? „Nein“, so Schröder, „obwohl die Preise von einem bis zwei Euro pro Hundert Kilo gegenüber 2017 klettern“. Das gilt für alle Cerealien. Die monetäre Gegenleistung wird am Ende der Ernte festgelegt. „Die Landwirte vertrauen uns, wir machen einen fairen Preis.“

Der Roggen hat sich nicht wie erhofft entwickelt. - Foto: Schritt

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