Wenn der Egoshooter online Kinder und Jugendliche mit der rechten Szene vernetzt

Die Gefahr lauert im Kinderzimmer

Hat sich mit dem Buch von Andreas Speit beschäftigt: Lars Thyen vom Jugendhaus Trafo.
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Hat sich mit dem Buch von Andreas Speit beschäftigt: Lars Thyen vom Jugendhaus Trafo.

Weyhe – Virtuelle Universen sind oft nur einen Mausklick entfernt: Wenn Jugendliche online Spiele spielen und sich dabei parallel mit anderen Spielern austauschen, ist das oft auch für die Eltern eine unbekannte Welt. Diese neue Welt nimmt laut Jugendpfleger Carsten Platt viel Zeit in Anspruch. Eltern, so betont er, sollten sich nicht sicher sein, dass ihren Kinder keine Gefahren drohen, nur weil sie daheim sind.

Das Jugendhaus Trafo will mit einer Online-Veranstaltung vor besonderen Gefahren warnen: Es geht um Rechtsextreme, die Online-Spiele ausnutzen, um ihr Gedankengut zu verbreiten.

Für Mittwoch, 31. März, organisiert das Jugendhaus Trafo eine Online-Veranstaltung mit Andreas Speit. Der Autor des Buches „Rechte Egoshooter – von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat“ will darlegen, wie extrem rechte Radikalisierung im virtuellen Raum heutzutage passiert und in welchen Welten Männer wie der Attentäter von Halle laut Ankündigung seine terroristischen Taten vorbereitet hat.

Die Jugendlichen sitzen zwar in ihren Zimmern, sind aber in virtuellen Räumen unterwegs. Sie haben Headsets auf – und es kann passieren, dass sie dort mit Menschen reden, die ihre rechte Welt ausbreiten. Diese Räume sind laut Lars Thyen vom Jugendhaus Trafo „weder reglementiert“, noch würde es von anderen Mitspielern Widerworte geben.

In der Corona-Zeit sind Medienkonsum und Bildschirmzeiten angewachsen. Doch Eltern wüssten nicht, was online passiert. Jugendliche hätten sich gewünscht, dass sie mehr über die Hintergründe erfahren, erklärt Thyen. Diesem Wunsch sei die Gemeinde mit dieser Veranstaltung nachgekommen, die sich in die Reihe „Lauter werden“ eingliedern soll.

„Wir wollen nicht sagen, dass Online-Spiele schlecht sind“, sagt Lars Thyen. „Die Online-Spiele müssen wir als Teil unserer Gesellschaft begreifen“, ergänzt Jugendpfleger Platt. Aber es gehe darum, diesen kritischen Punkt genauer zu beleuchten.

„Die Gesellschaft muss schauen, was in diesen virtuellen Räumen passiert“, so Thyen. Manchmal seien rechtsextreme Äußerungen nicht als solche erkennbar, aber die Akteure verbreiteten eine Ideologie der Ungleichbehandlung.

Bei der Veranstaltung veranschaulicht der Referent, wie über Chats und Bilder wie beiläufig bestimmte Denkweisen vermittelt werden, während Jugendliche mit ihren Egoshootern Missionen erledigen. In Internetforen, umgangssprachlich Chans genannt, werden die Bilder und Texte anonym ausgetauscht. Die Gaming-Szene, so die These von Andreas Speit, beeinflusse Menschen, die so straffällig würden.

Der Gast will eine Linie ziehen von den Anschlägen des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik im Jahr 2011 bis zu den Terroranschlägen im Jahr 2019 auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland). Die Gemeinsamkeit laut Lars Thyen: Beide Attentäter lebten zuvor in ihren virtuellen Welten.

„Die Attentäter hatten nicht Kontakt zu einem Kameradschaftsbund. Sie waren nicht in der rechten Szene eingebunden. Aber in der virtuellen Welt hätten sie ihr Weltbild aufgebaut.“ Und auch der Attentäter von Halle habe sich laut Thyen einer Gaming-Sprache bedient. Er hätte sich als Loser bezeichnet, weil er „wenige Kills“ geschafft hätte.

Kurzum: Das frühere Bild, dass die Familie gemeinsam „Wetten dass...“ schaut und die Kinder nach dem Baden mit Playmobil spielen – das sei allenfalls noch eine romantische Vorstellung.

Info

Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 31. März, um 19 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos Eine Anmeldung ist notwendig und unter trafo-buehne@ gemeinde. weyhe.de notwendig. Willkommen sind virtuellen Besucher ab zwölf Jahren. Die Gemeinde will von ihrem virtuellen Hausrecht bei Bedarf Gebrauch machen.

Von Sigi Schritt

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