Landwirte erwarten mindestens eine durchschnittliche Ernte

Getreide für Bier und Brötchen

Drischt Triticale: Dieser Landwirt auf einem Getreideacker an der Melchiorshauser Straße.
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Drischt Triticale: Dieser Landwirt auf einem Getreideacker an der Melchiorshauser Straße.

Zutaten für Bier und Brötchen werden wieder einmal in diesem Sommer auf den Hängern liegen. Doch nach ersten Einsätzen stehen die meisten Mähdrescher wieder in ihren Scheunen. Die Landwirte aus Weyhe erzählen warum.

Weyhe – Jens Meyer hat seinem Mähdrescher eine Pause verordnet und ihn wieder in die Scheune gefahren. Die Wintergerste sei jetzt durch. Der Landwirt aus Melchiorshausen wünscht sich, dass die Ernte fortgesetzt wird, doch müssten die nächsten Tage trocken bleiben. Raps stünde an, sagt er.

Vom Dresch-Ergebnis der Wintergerste habe er sich mehr versprochen, sagt Meyer. „Wir haben gemerkt, dass auf dem Hänger kein Gewicht ist.“ Das bedeutet, dass der Mehlanteil eines Korns geringer sei als erwartet. Kleinere Körner hätte der Mähdrescher hinten ausgespuckt. Sie seien so leicht wie Strohfasern gewesen, erklärt er. In diesem Jahr betrage das Hektolitergewicht 49 bis 58 Kilo pro Liter. Normal seien Gewichte ab 62. „Unter 62 gilt im Handel als leicht“, so Meyer. Welche Gründe führt er an? Das Frühjahr sei kalt gewesen. Im April gab es Spätfröste. Deshalb hätten die Pflanzen die Ähren „spät geschoben“. Ende Mai bis Anfang Juni sei es zu warm gewesen. Durch die Wärme hätte das Korn zu früh angefangen auszureifen. Es hätte lieber noch Nährstoffe anreichern sollen. Kurz vor der Ernte hätte außerdem ein Starkregen von 40 Litern pro Quadratmetern das Korn flachgelegt.

Mitten in der Erntezeit, doch der bekannte Erntestress ist ausgeblieben

Die Ernte in diesem Jahr sei deshalb eher heikel, da immer wieder Regen dazwischenkomme, sagt Leon Tegenkamp, Leiter des des „GS Agri“-Standortes in Melchiorshausen. „Laut Kalender sind wir mitten in der Erntezeit, aber der bekannte Erntestress ist bislang ausgeblieben.“ Derzeit sei die Wintergerste für Weyhe und Umgebung eingefahren. Die Qualitäten seien „in Ordnung“ gewesen, aber er habe bei den Landwirten vernommen, dass die Erwartungen deutlich höher waren. Das hänge unter anderem mit den Böden und dem Wetter zusammen. So könne sich die Intensität des Niederschlags von Ackerfläche zu Ackerfläche unterscheiden. Der eine mache ein langes Gesicht, der andere habe Grund zur Freude.

Gerd Bätjer hat Grund zur Freude

Einer, der Grund zur Freude hat, ist der Leester Landwirt Gerd Bätjer. In der Leester Marsch, nahe der Autobahn 1, habe er acht Hektar Wintergerste abgemäht. Sein Urteil: Keine Dürreschäden. Das Korn sei mit einem Hektolitergewicht von 65 Kilo nicht zu leicht gewesen. Außerdem gab es pro Doppelzentner sogar noch zwei Euro mehr als im Vorjahr, freut sich Bätjer. Während das Korn von Jens Meyer auf einem Sandboden reifte, reifte das Getreide von Bätjer auf einem Lehmboden. Probleme hätte Bätjer höchstens mit der Baustelle in Leeste, denn die Treckergespanne mussten einen Umweg nehmen. Wie Meyer pausiert auch Bätjer. Er wartet auf trockeneres Wetter.

Weizen ist jetzt teilweise weiter als Roggen

Bei GS Agri in Melchiorshausen warten Leon Tegenkamp und seine Mitarbeiter auf den Ansturm. Tegenkamp könne jetzt nicht sagen, welche Getreideart folgen wird. Teilweise sei Weizen schon viel weiter als der Roggen. Bei der Witterung könne es passieren, dass verschiedene Getreidearten angeliefert würden. Wiegen und Abladen dauere in Melchiorshausen eine Viertelstunde, wenn viel los sei. Wenn die Lage entspannt ist, dann sei man nach fünf Minuten schon wieder vom Hof.

Preisniveau ist höher als im vergangenen Jahr

In diesem Jahr sei das Preisniveau höher als im vergangenen Jahr, sagt Leon Tegenkamp. Bei Raps sei der Preis pro Tonne sogar um 200 Euro gestiegen. 2020 habe der durchschnittliche Preis zwischen 360 bis 370 Euro je Tonne betragen, so Tegenkamp.

Des einen Freud’, des anderen Last: Höhere Preise bedeuten aber auch, dass die Preise für das Tierfutter angepasst wird. „Wir haben auch Tiere. Es wird nie ein Jahr geben, in dem wir Getreide teuer verkaufen und Futter billig einkaufen“, sagt der Kirchweyher Landwirt Ole Töbelmann. Er glaubt, dass sich der Getreideverkauf und Futterzukauf ausgleichen. Ole Töbelmann aus Kirchweyhe hofft, ebenfalls wie Jan Wiertzema, unterm Strich auf eine gute bis überdurchschnittliche Ernte in diesem Jahr.

Wintergerste mit kleinerem Hektolitergewicht

Die Gerste hätte auf trockenen Böden zwar ein kleineres Hektolitergewicht, doch immerhin sei die Ernte zu gebrauchen, so Töbelmann. Sie sei besser als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Dafür seien die Preise deutlich besser. Eine Ackerfrucht findet auch sein Gefallen. „Der Mais sieht sehr gut aus, der kann also keine Vollkatastrophe werden.“ Der Kirchweyher Landwirt habe zudem eine außergewöhnlich gute Grasernte eingelagert.

Weshalb Jan Wiertzema sich optimistisch äußert? Er wolle nicht jammern. Der Kirchweyher habe keine Wintergerste. Sein Mäher werde bald gestartet. Er habe verschiedene Feldfrüchte angebaut. So hofft er auf eine gute Weizenernte. Er habe verschiedene Sorten in die Erde eingebracht. Nur eine habe kurze Ähren und kleine Körner, auf anderen Feldern sehe es besser aus. Auch sein Raps sehe gut aus. „Allerdings weiß man nie, wie es tatsächlich aussieht. Man muss reinmähen.“

Maschinenring Weyhe sieht der Ernte positiv entgegen

Auch die Mitarbeiter des Maschinenrings (MR) Weyhe-Bassum mit Sitz in Kirchweyhe teilen die Einschätzung. Nach trockenheitsbedingt eher mageren Erträgen der vergangenen Jahre sehen die Landwirte des MR der Ernte positiv entgegen. Das Wetter sei derzeit wechselhaft, so bedeutet das für die Landwirte, die trockenen Zeitfenster genau abzupassen, so eine Sprecherin auf Anfrage.

Grünland steht gut

Das Grünland steht gut da. Einige Landwirte hätten bereits den zweiten Schnitt erledigt, andere hätten bereits den dritten Schnitt vollzogen. Wie beim Getreide gelte es, den richtigen Schnittzeitpunkt abzupassen. Denn er beeinflusse die Qualität, also die Inhaltsstoffe des Futters. Nur was im Futter ist, kann eine Milchkuh zu Milch umbauen, erklärt die Sprecherin.

Landwirt Burghard Schröder aus Okel steht mit seinem Mähdrescher in den Startlöchern. Auch er erwartet mindestens eine durchschnittliche Ernte. Einen Tipp hat er für Autofahrer: Wenn es mal wieder langsam hinter einem Trecker geht: Auf dem Anhänger sind die Sonntagsbrötchen und das Bier.“

Von Sigi Schritt

Kontrolliert den Raps auf dem Feld: Landwirt Jens Meyer und mit seinem Schäferhund.

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