Deutscher Wetterdienst sucht ehrenamtliche Niederschlagsbeobachter

Wetterfrosch: Kein Job für Langschläfer

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Der Hellmann besteht aus einem Messtropf, einer Sammelkanne und einem Trichter. Manfred Linke füllt die Niederschlagsmenge in einen Messbecher, um sie dann abzulesen.

Weyhe - Von Vivian Krause. Zwei Wecker klingeln jeden Morgen zur selben Zeit – auch am Wochenende. Dann stapft Manfred Linke aus Weyhe in seinen Garten, holt einen Behälter aus dem sogenannten Hellmann, einem Niederschlagsmesser, gießt die darin enthaltene Flüssigkeit in einen Messbecher und liest eine Zahl auf der Skala ab. Anschließend geht er zurück ins Haus, klappt seinen Laptop auf und gibt die Messungen in ein Programm ein.

Manfred Linke notiert sich die Messwerte zusätzlich in sein Tagebuch, welches er vom Deutschen Wetterdienst bekommt.

„Auch im Alter braucht man eine Aufgabe“, beschreibt Manfred Linke seine Entscheidung, das Ehrenamt als Niederschlagsbeobachter anzunehmen. Damit betreut er nur eine von etwa 260 Wetterstationen der Regionalen Messnetzgruppe Hamburg in ganz Deutschland. Gemeinsam mit einem weiteren Ehrenamtlichen in Sulingen ist er für den Landkreis Diepholz zuständig.

Betreuung heißt, dass 365 Tage im Jahr eine Wetter-Meldung an den Deutschen Wetterdienst (DWD) gesendet wird. Täglich misst der 73-Jährige um 7.50 Uhr im Sommer und um 6.50 Uhr im Winter. Ein Niederschlagsbeobachter „muss vor allem dann aufstehen, wenn es am schlimmsten ist“, stellt Jörg Deuber vom DWD fest.

Vor ungefähr zwei Jahren hat Manfred Linke in dieser Zeitung eine Annonce des Deutschen Wetterdienstes entdeckt und sich beworben. In seinem Beobachtervertrag sind die Aufgaben beschrieben: Er betreut die einfache Wetterstation, die sogenannte „Ankonda“-Messstation. Sie besteht aus einem Messtopf, einer Sammelkanne und einem Trichter, die immer in einem Meter Höhe angebracht sind, erklärt Deuber. Die Menge in der Kanne wird ausgemessen. Daneben wird auch die Art des Niederschlags bestimmt: Flüssig, fest (Schnee, Hagel) oder abgesetzt – darunter wird beispielsweise Nebel verstanden.

Zusätzlich zählt zu den Aufgaben des Beobachters zwischen dem 1. Oktober und 30. April die Schnee-Messung – auch, wenn es keinen Schnee gibt. Mit Hilfe eines Messingstabs wird dort Neuschnee und bereits liegender, also der Gesamtschnee, gemessen, wo es möglichst keine Verwehungen gibt. Dafür hat Manfred Linke ein Schneegitter, welches er nach jeder Messung wieder halbseitig vom Neuschnee befreit. Anschließend bestimmt der Pensionär noch die Beschaffenheit der Schneedecke: geschlossen, durchbrochen, Flecken oder Reste.

Jeder Ehrenamtler, so auch Linke, hat Zugangs-Daten für seinen Account beim DWD. „Die Adresse habe ich schon als Lesezeichen gespeichert“, sagt er stolz. „Eigentlich wollte ich in meinem Leben auch nichts mehr mit Computern zu tun haben“, fügt er hinzu. Sobald er sich anmeldet, kann er dort seine Messung eintragen und wird, fast wie von selbst, durch die Eingabe geführt. So wird beispielsweise abgefragt „Niederschlag?“ mit den Auswahlmöglichkeiten „ja“ und „nein“ – kinderleicht also. Einzige Voraussetzung: Ein internetfähiges Gerät. Für den täglichen Gang in den Garten „sind 15 Minuten schon sehr hoch angesetzt“, beschreibt der Weyher den zeitlichen Aufwand. Und das Ehrenamt zahlt sich aus. Nach 25 Jahren Dienst am Wetter gibt es die „Wetterdienstplakette“, und nach 40 Jahren sogar die „Bundesverdienstmedaille“. Außerdem bekommt der Ehrenamtler in den ersten fünf Jahren 635 Euro pro Jahr, danach etwas mehr. „Von meinem ersten Geld habe ich mir ein Fahrrad gekauft“, freut sich Linke über den Nebenverdienst. Der 73-Jährige scheint sehr zufrieden mit seiner zusätzlichen Aufgabe und will sie weitermachen, „solange es die Gesundheit zulässt“.

Aktuell sucht der DWD in Sulingen und Umgebung, Wildeshausen, Damme und Achim ehrenamtliche Niederschlagsbeobachter. Voraussetzungen sind ein internetfähiges Gerät, um die Daten an den DWD abzuschicken, und ausreichend Platz im Garten.

Bei Interesse gibt Erwin Lachmann vom DWD/Reginale Messnetzgruppe Hamburg weitere Auskünfte unter Telefon 0491 / 97684430 oder per E-Mail an erwin.lachmann@dwd.de.

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