Mit der Post unterwegs

Weihnachtspost: Wie eine Zustellerin die Flut an Sendungen bewältigt

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Viel los in der Adventszeit: Zustellerin Sandra Skoda ist mit ihrem Elektromobil in Weyhe-Leeste unterwegs.

Die Deutsche Post bewältigt gerade in der Adventszeit eine Flut von Paket- und Brief-Sendungen. Doch wie geht es bei Zustellern so zu? Wir haben uns auf den Weg gemacht.

  • Deutsche Post befördert riesige Mengen an Briefen und Paketen
  • Immer mehr Zusteller, auch in Weyhe, sind mit Streetscootern unterwegs
  • Verbundzusteller transportieren Briefe und Pakete der Deutschen Post

Weyhe - Es sind gewaltige Mengen an Briefen, die die Deutsche Post DHL Group an einem Tag bundesweit bearbeitet: etwa 57 Millionen. Allein in Weyhe werden wöchentlich mehr als 112.000 Brief- und 10.000 Paketsendungen verteilt. Sandra Skoda ist eine von 50 Mitarbeitern, die dafür Sorge tragen, dass Sendungen ankommen.

Die Post ist da. Den gelben Elektrowagen kann Hans-Hermann Wohlers aus Weyhe schon aus seinem Wohnzimmerfenster heranrollen sehen. Der ehemalige Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn hat dort nämlich das Geschehen am Mühlenfeldweg sehr gut im Blick.

Deutsche-Post-Zustellerin wechselt in Weyhe viele warme Worte

Als sich diesmal der Streetscooter der Deutschen Post bis zum Wendeplatz des Leester Mühlenfeldwegs nähert, geht Wohlers dem Elektromobil sogar schon entgegen. Weil er gerade Gartenarbeiten an der frischen Luft verrichtet. Der Leester Pensionär begrüßt Sandra Skoda. Die 26-Jährige übergibt ihm Briefe. Er wechselt freundliche Worte. Sie muss weiter. 

Die Botin hat Post für Wohlers Nachbarn, die sie zügig in verschiedene Kästen hineinwirft. Sie ist fast im Laufschritt unterwegs. Jetzt sind die Pakete dran. Skoda ist nämlich eine Verbundzustellerin, die neben Briefen auch größere Sendungen übergibt. Während die Briefe in der Fahrerkabine lagern, sind die schweren Sachen im Laderaum deponiert. Deshalb geht sie zielstrebig zum Bauch des Lieferfahrzeugs, schiebt eine Ladetür auf und holt mehrere Pakete heraus. Diesen Vorgang wird sie bis zum Feierabend mehrfach wiederholen.

Hans-Hermann Wohlers freut sich über die Post, die Sandra Skoda regelmäßig bringt.

Post-Zustellerin darf maximal 31,5-Kilogramm-Pakete stemmen

Insgesamt 90 Pakete wird sie ausliefern. Skoda hat ein eigenes System ausgetüftelt, um das Fahrzeug der Deutschen Post DHL Group zu beladen. „Bei mir wird die Ladefläche in vier Bereiche unterteilt, die die Tour in eben diese vier Abschnitte gliedern. So erleichtere ich mir das Nachsortieren und das Finden der Pakete.“ 

Die wuchtigen Pakete wirken schwer, viele sind es aber nicht. Die Verpackungen sind eher voluminös. Trotz ihrer Muskeln dürfe Skoda nicht mehr als 31,5 Kilogramm stemmen. Das sei so vorgeschrieben, sagt sie. Trotzdem ist die Belastung schon etwas einseitig, deshalb will sie sich bald um einen sportlichen Ausgleich bemühen. 

Es ist ein Job, der die Intuition schärft: Der Nachbar der Familie Wohlers wird an diesem Tag nicht daheim sein, vermutet sie. Und Skoda wird Recht behalten. Die 26-Jährige scheint ihren Bezirk und die Gewohnheiten der Menschen gut zu kennen. Sandra Skoda füllt eine Benachrichtigungskarte aus, auf der steht, wo die Familie ihre bestellten Waren finden können. Der Mühlenfeldweg ist abgearbeitet.

Zustellerin flitzt mit Streetscooter durch Weyhe - und ist zufrieden

Skoda nimmt wieder Platz im Elektroscooter der Deutschen Post. Sie sei bereits mit den Postautos gefahren, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Das Elektroauto gefalle ihr aber am Besten, sagt sie. Der Autoschlüssel bleibt stets in der Tasche, so muss sie nur noch den Startknopf drücken. „Das Elektroauto fährt sich grundsätzlich wie jeder andere Wagen mit Automatikgetriebe, der Schalthebel sieht nur leicht unterschiedlich aus“, erklärt sie. 

Ein Streetscooter ist ihrer Meinung nach leichter zu fahren, leiser und auch umweltschonender. Sie sieht zudem weitere Vorteile: „Es hat eine große Ladefläche, es ist leicht zu lenken und auch die leise, umweltfreundliche Fahrweise hat attraktive Vorzüge.“ 

In der Fahrerkabine herrscht fast Außentemperatur. Wahrscheinlich, weil die Tür so oft geöffnet wird. Doch wegen der funktionalen Kleidung, die sie gestellt bekommen hat, friert sie laut eigenen Angaben nicht. Wenn sie den Wagen für ein paar Meter in Bewegung setzt, fällt auf, dass sie sich nicht anschnallt. „Das muss ich auch nicht, wenn ich die Post verteile“, sagt sie.

Auf der Ladefläche des Streetscooters der Deutschen Post muss Zustellerin Sandra Skoda den Überblick behalten.

Vom Post-Verteilzentrum in Weyhe geht es auf die Straße

Auf der Leester Straße in Weyhe beschleunigt die Zustellerin mit den markanten roten langen Haaren auf Tempo 28, dann muss sie schon wieder abbiegen. Beim Abwasserverband an der Straße „In der Grämme“ fährt sie nun direkt auf den Hof. Man kennt sich im Amt. Sie hat einen Stapel Briefe dabei, nimmt aber auch einen Stapel mit. Im Friseurgeschäft Flotte Schere nebenan übergibt sie Briefe und Pakete an die Firmenchefin Ayten Gizli. Wieder werden nette Worte gewechselt – Sandra Skoda kommt bei den Menschen gut an. Gizli und ihr Team loben die freundliche Art der Austrägerin. 

Dann ist Zeit für eine Pause: Skoda packt Brote aus. Die 26-Jährige berichtet, dass sie seit 7 Uhr im Dienst ist. Um 8.30 Uhr war sie im Weyher Verteilzentrum „Im Bruch“ der Deutschen Post DHL Group bereits fertig mit dem Beladen der Pakete. Die waren zuvor per Lastwagen vom Bremer Paketverteilzentrum angeliefert worden. 

Die Briefe für ihre Tour, die rund 25 Kilometer lang sein wird, seien zwar vom Briefverteilzentrum in Bremen vorsortiert worden, aber jede Verbundzustellerin wie Skoda überprüft die Kisten der kurzen Briefe. Außerdem geht sie auf die Sonderfälle ein. Dazu zählen zum Beispiel Nachsendeanträge, falsche Briefe oder Einschreiben. Zwischen 9 und 10 Uhr rollen die Autos vom Hof.

Im Geschäft „Flotte Schere“ wird Zustellerin Sandra Skoda freundlich empfangen. Schließlich liefert sie auch reichlich Pakete ab.

Zustellerin Sandra Skoda will bei Deutschen Post Karriere machen

„Meine Tour begann auf der Leester Straße“, sagt sie. Die tägliche Regelarbeitszeit liegt bei sieben Stunden und 42 Minuten plus 30 Minuten Pause. „Bei über neun Stunden Arbeit sind 45 Minuten Pause verpflichtend. Überstunden werden ausgeglichen.“ Sandra Skoda schwärmt von ihrem Job bei der Deutschen Post DHL Group und vom Kundenkontakt. Sie will in diesem Unternehmen Karriere machen und hat sich vorgenommen, den Job von der Pike auf zu lernen. 

Nach dem Abitur an der KGS Leeste (Abi: 2013) mit den Leistungsfächern Englisch, Biologie und Französisch hatte sie Lehramt in Osnabrück studiert. Das hatte aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt, so orientierte sie sich um. „Die Post zeigte sich als attraktiver Arbeitgeber.“ Die zwei Pausen während ihrer Dienstzeit kann die KGS-Ehemalige selbst so legen, wie es gerade passt. 

Einige Haushalte bekommen gleich mehrere Pakete geliefert.

Post-Zustellerin kennt die Gewohnheiten der Kunden in Weyhe

Jetzt, nach der Pause, schnallt sie sich aber doch an, weil auf einer längeren Strecke keine Briefe zu verteilen sind. Über die Brinkumer Straße geht es in die Erichshofer Straße und deren Nebenstraßen durch Weyhe. Es fällt auf, dass die junge Frau viele Gewohnheiten der Menschen kennt und schon mal über den Zaun hüpft, um per Abkürzung durch den Vorgarten von Kasten zu Kasten zu gelangen. 

Sie weiß auch von den „geheimen“ Plätzen der Weyher, wo Pakete abgelegt werden, oder welche Nachbarn sie annehmen dürfen. „Die Ersatzzustellung bei Nachbarn nimmt am meisten Zeit in Anspruch.“ Wer Sendungen erwartet und weiß, dass er sie nicht daheim in Empfang nehmen kann, sollte einen Vertrag mit der Post abschließen, lautet ihr Tipp. Der Vertrag regelt, dass sie als Zustellerin die Pakete am vereinbarten Ort abstellen darf Außerdem bittet Sandra Skoda, Inhalte fachgerecht zu verpacken und die Sendungen „ordentlich zu beschriften“. Das erleichtert ihr und ihren Kollegen die Arbeit – nicht nur im Weihnachtsgeschäft.

Drei Fragen an die Deutsche Post DHL Group

Es antwortet Pressesprecher Stefan Laetsch.

Um welchen Faktor ist das Brief- und Paketaufkommen in der Adventszeit vergrößert? 

An den Spitzentagen vor Weihnachten erwarten wir bis zu 65 Millionen Briefe und über elf Millionen Paketsendungen täglich.

Wie viele Streetscooter sind deutschlandweit im Einsatz? 

Die Deutsche Post hat bereits über 10.000 Streetscooter im Einsatz. Insgesamt wurden seit ihrer Einführung im Jahr 2014 bereits 100 Millionen gefahrene Kilometer zurückgelegt.

Wie werden die Fahrzeuge aufgeladen? 

Sie werden über Nacht mit 100 Prozent Ökostrom aufgeladen.

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