Schauer, Sonne - und wieder Regen

„Zick-Zack-Sommer“ nervt Landwirte - Erntestart erstmals ohne GS Agri in Leeste

Moderne Ernte: Während ein Mähdrescher noch seine Bahnen auf diesem Leester Feld zieht, lässt er einen Teil seiner Ladung bereits ab.
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Moderne Ernte: Während ein Mähdrescher noch seine Bahnen auf diesem Leester Feld zieht, lässt er einen Teil seiner Ladung bereits ab.
  • Sigi Schritt
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Weyhe – In Leeste kreisen wieder die Mähdrescher. Im Vergleich zum Erntebeginn des vergangenen Jahres – das merken Bewohner im Umfeld des Ortskerns – ist irgendetwas anders: Die Geräuschkulisse der Mühle in Leeste ist weg. Auch der Verkehr der Trecker, der Unimogs und der Lastwagen-Gespanne, die tonnenweise Getreide angefahren haben und leer wieder den Rückweg antreten, hat sich stark verringert.

Kein Wunder, die Getreideannahme von GS Agri befindet sich nicht mehr in der Nähe des Leester Bahnhofs, sondern in Melchiorshausen – fast an der Grenze zu Ristedt. Das hat Folgen – zumindest für die Landwirte aus Leeste.

Der Vorteil der kurzen Wege sei erstmals seit Erntebeginn weg, so Gerd Bätjer. Der Landwirt bewirtschaftet Felder an der Brinkumer Straße und An der Grämme sowie in der Leester Marsch. Er muss jetzt durch ganz Leeste und über die Waldkater-Kreuzung der Bundesstraße 6 fahren, um zur GS-Agri-Annahmestelle zu kommen. Das sei aber nicht der Grund, weshalb bei ihm die Stimmung verhagelt ist.

„Ich habe eine schlechte Ernte“, sagt Gerd Bätjer. Er meint das Dreschergebnis seiner Wintergerste, die er von seinen Feldern an der Brinkumer Straße und An der Grämme hat einholen lassen. Der Ertrag sei um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr verringert. Damals hatte er 55 Doppelzentner pro Hektar geerntet. Zum Vergleich: Auf diesem Boden sind unter idealen Bedingungen 70 Doppelzentner je Hektar realistisch.

Der Leester Landwirt Gerd Bätjer setzt für die Ernte seiner Wintergerste auf die Dienste eines Lohnunternehmens. Der Firmenchef Stefan Landsberg sitzt selbst am Steuer dieses Mähdreschers, der ein neun Meter langes Schneidwerk hat.

2019 war grundsätzlich ein „sehr trockenes Jahr“, und Landwirte hatten Dürreschäden zu beklagen. Und in diesem Jahr war es ebenfalls im Frühjahr sehr trocken. Für seine Wintergerste auf seinen leichten Boden sei der Regen im April/Mai viel zu spät gekommen. Deshalb sei das Korn nicht gut ausgebildet – es sei einfach „zu klein“.

Auch die Strohausbeute lasse zu wünschen übrig, so Bätjer. Er hofft auf den Ertrag seiner Flächen, die in der Leester Marsch allesamt einen Lehmboden haben. In diese Äcker hatte der Leester Landwirt Weizen und Triticale eingesät. Für seine Getreidesorten und für seinen Raps sei der damalige Regenzeitpunkt gut gewesen, blickt der Landwirt zurück.

Was Gerd Bätjer allerdings nervt, sei der „Zick-Zack-Sommer“ mit abwechselnden Schauern, Sonne und Regen. „Ich glaube nicht, dass wir noch einen normalen Sommer bekommen“, so Bätjer, weiter. Er hofft, dass die Erntetage trocken bleiben, damit die Kornannahmestelle nicht das Getreide trocknen muss, sodass weitere Kosten entstehen, die den Ertrag schmälern.

Möglicherweise wird sich das wechselhafte Sommerwetter auch nicht in den nächsten Jahren ändern, sagt er. Er wolle sich aber über die Folgen des Klimawandels nicht ärgern, sagt Bätjer. Jüngere Landwirte müssten sich eher Gedanken über Wetterkapriolen machen als er, so Bätjer. Er sei auf seinen Flächen deshalb unterwegs, „damit der Verstand und der Körper nicht einrosten“.

Nach 50 Berufsjahren und im Alter jenseits der 70 denke er eher ans Aufhören. „Das geht aber nicht von heute auf morgen.“ Möglicherweise sei für ihn im nächsten Jahr Schluss.

Ähnlich wie Gerd Bätjer würden es auch andere Landwirte sehen, die zum Erntebeginn in Leeste die Wintergerste auf Sandböden eingefahren haben, sagt Jörg Wagenfeld. Er fungiert als Vertrauensmann der Leester Landwirte im Landvolk. Wie die Ernte ist? Beschissen sei noch geprahlt, sagt er. „Die Stimmung ist im Keller“ – wobei die diesjährige Ernte gerade mal angelaufen sei. Immerhin würde die Corona-Pandemie den Landwirten keinen Strich durch die Rechnung machen. „Es gibt keine Auflage, die uns in die Bredouille bringen.“ Wie Bätjer, glaubt auch Wagenfeld, dass die Ernteergebnisse in der Leester Marsch viel besser werden.

Für die Ernte der Flächen, die sich zwischen Leeste und der Autobahn 1 befinden, hat Bätjer aber nicht mehr den passenden Maschinenpark, um innerhalb einer kurzen Zeitspanne das Korn zu dreschen und abzufahren. Deshalb ruft er einen Lohnunternehmer zu Hilfe, der die Ernte für ihn abwickelt. Der hat große Mähdrescher, die in der Lage sind, ein Feld ruckzuck abzumähen. Um die Geschwindigkeit zu steigern, komme schon mal ein Überladewagen zum Einsatz, erklärt Bätjer. Damit könne ein Mähdrescher weiter seine Runden ziehen, ohne einen Teil seiner Ladung auf die Ladeflächen der bereitgestellten Hänger zu kippen. „Mein Lohnunternehmer bringt nicht nur den Mähdrescher, sondern auch zahlreiche Anhänger und starke Zugmaschinen mit. Denn während der Hochsaison müssen Landwirte auch bei GS Agri in Melchiorshausen mit Wartezeiten rechnen. „Meine Hänger können acht Tonnen laden, die von Lohnunternehmer Stefan Landsberg 16 oder sogar noch mehr.“ Landsberg habe sogar 40-Tonner im Einsatz, so Bätjer.

Das Korn aus der Leester Marsch würde am Ortszentrum vorbei nach Melchiorshausen gefahren. Da die Kapazität der Fahrzeuge deutlich höher sei, verringere das auch Fahrten – im Vergleich zu den Touren noch vor ein paar Jahren.

Gerd Bätjer will größere Ladungen deshalb nicht selbst ziehen, weil seine Schlepper nicht die notwendige Technik aufweisen. „Ich habe Auflaufbremsen, die neuen Schlepper arbeiten mit Luftdruckbremsen wie die Laster.“ Bätjer will nicht mehr in seinen Fuhrpark investieren, weil er keinen Nachfolger hat. Seine Töchter möchten die Landwirtschaft nämlich nicht übernehmen.

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