Zum zweiten Mal Leukämie

Der Blutkrebs ist zurück: Ali (19) aus Weyhe braucht Knochenmarkspender

Seit sieben Wochen liegt Ali Rida jetzt im Krankenhaus. Sein Lachen hat er nicht verloren. Aber es geht ihm nicht gut, sagt sein Bruder Mohammed.
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Seit sieben Wochen liegt Ali Rida jetzt im Krankenhaus. Sein Lachen hat er nicht verloren. Aber es geht ihm nicht gut, sagt sein Bruder Mohammed.

Mit 16 Jahren wird bei Ali Rida Leukämie diagnostiziert. Der Weyher geht durch eine einjährige Chemotherapie, Klinikaufenthalte. Dann ist symptomfrei. Doch jetzt ist die Krankheit zurück, und der 19-jährige Weyher hofft auf einen Stammzellenspender als Lebensretter.

Weyhe – Kopfschmerzen, Übelkeit, geschwollene Lymphknoten. Mit den Symptomen kam auch die Angst: All das kannte der 19-jährige Ali Rida aus Weyhe schon. Eigentlich hatte er nur noch ein bisschen Urlaub machen wollen, bevor ein neuer Lebensabschnitt für ihn beginnen würde. Doch anstatt seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann anzutreten, liegt Ali jetzt im Krankenhaus und führt einen Kampf, den er schon einmal geführt hat und bereits gewonnen glaubte. Den Kampf um sein Leben. Ali Rida hat Leukämie. Zum zweiten Mal.

Der Blutkrebs ist zurück. Als er vom Arzt diese Bestätigung bekam, brach für Ali eine Welt zusammen. Er war 16, als bei ihm zum ersten Mal Leukämie diagnostiziert wurde. Auf eine einjährige Langzeit-Chemotherapie mit wiederholten Krankenhausaufenthalten folgte ein weiteres Jahr Chemotherapie in Tablettenform. Danach war er symptomfrei.

Symptome kehren während des Urlaubs zurück

Ali versucht, sein Fachabi nachzuholen. Als Hochrisikopatient kann er während der Corona-Pandemie aber nicht zur Schule gehen. Am Ende steht die Entscheidung, eine Ausbildung zu machen. Kurz zuvor besucht er noch seine Verwandten im Libanon. Und da kommen die Symptome wieder.

Selber äußern kann sich Ali im Moment nicht. „Es geht ihm nicht gut“, sagt sein Bruder Mohammed. Zum einen psychisch: Der bestätigte Rückfall war wie ein Schlag vor den Kopf. Der lange Krankenhausaufenthalt: „Ali liegt jetzt seit sieben Wochen am Stück in der Klinik“, sagt Mohammed. „Ein Elternteil kann zwei Stunden am Tag zu Besuch kommen. Sonst bin nur ich ab und zu noch mal da. Keine Freunde, die kleinen Geschwister auch nicht.“ Und zum anderen körperlich: „Er bekommt eine noch intensivere Behandlung als beim ersten Mal. Die Nebenwirkungen der Chemo machen ihm zu schaffen.“ Und die Chemo fährt auch sein Immunsystem herunter. Deshalb der eingeschränkte Besuch: Das Risiko, eine Infektion einzuschleppen, wäre einfach zu groß.

Da schien noch alles in Ordnung: Ali Rida in seinem Urlaub. Kurz danach bemerkte der 19-Jährige die ersten Symptome: Der Blutkrebs, den er bereits besiegt glaubte, war zurück. Die Familie hofft auf einen passenden Knochenmarkspender, damit Ali die Leukämie besiegen kann.

Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Aber Chemo allein reicht nicht. Da der Krebs schon einmal zurückgekommen ist, wäre das zu riskant. Heißt: Ali Rida braucht eine Stammzellenspende. Aber einen geeigneten Spender zu finden, gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nur mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass noch nicht mal klar ist, ob überhaupt eine Nadel drin ist.

„Sein großer Bruder Mohammed kommt als Spender leider nicht in Frage“, heißt es bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Die verwaltet die Daten von ungefähr zehn Millionen potenziellen Knochenmarkspendern weltweit – etwa zwei Drittel davon in Deutschland – und gilt damit als eine der weltweit führenden Stammzellspenderdateien. Laut Wikipedia konnte die DKMS in Deutschland 2019 rund 5600 Stammzellenspenden vermitteln. Dem stehen statistisch knapp 40 000 Neuerkrankungen jährlich gegenüber.

Stark vereinfacht kann man sagen: Je größer in diesem Fall der Heuhaufen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass für Ali eine Nadel drin liegt. Die gilt es jetzt zu finden.

Typisierungsaktionen derzeit nicht möglich

Groß angelegte Massentypisierungen, wie sie die DKMS etwa im November 2018 zusammen mit dem DRK Barrien in der Grundschule an der Wassermühle für die damals 13-jährige Evi organisiert hatte, sind wegen Corona im Moment nicht möglich. Damals hatten sich an einem Nachmittag und Abend mehr als 1000 Personen für die DKMS registrieren lassen. „Im Moment ist es aber nicht vernünftig, so viele Menschen zusammenkommen zu lassen“, sagt DKMS-Teamleiterin Andrea Autenrieth. Stattdessen ruft die DKMS auf, sich online registrieren zu lassen. Wer das macht, bekommt ein Testset zugeschickt, macht dann selber einen Abstrich von der Mundschleimhaut in der Wange und schickt das Testset zurück zur Auswertung.

Der Wangenabstrich gibt Aufschluss darüber, ob die eigenen Gewebemerkmale zu denen einer Patientin oder eines Patienten passen. Nach der Analyse der Probe ist man dann als möglicher Stammzellenspender für Patienten weltweit zu finden.

Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 als potenzieller Stammzellspender registrieren. 17-Jährige dürfen zwar noch keine Stammzellen spenden, werden aber ab dem 18. Geburtstag automatisch in der Datei aktiviert und bei der Suche nach Spendern berücksichtigt.

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www.dkms.de/ali

Von Michael Walter

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