Ein Denkmal für Louise Ebert in Weyhe?

Frank Seidel trifft in Berlin im Schloss Bellevue den Bundespräsidenten

Frank Seidel überreicht Frank-Walter Steinmeier ein Präsent aus Weyhe.

Weyhe/Berlin - Von Sigi Schritt. Im Schloss Bellevue in Berlin steht seit gestern ein neues Buch: „Aufbrüche“ heißt es, geschrieben von Gabriele Wichert, Ehefrau des Weyher Gemeindearchivars Hermann Greve. Darin schildert die Germanistin aus Sudweyhe den spektakulären Lebensweg von Louise Rump aus Melchiorshausen, der – kurz gefasst – so verlaufen ist: Von der Magd zur First Lady.

Vize-Bürgermeister Frank Seidel hat dieses Buch als offizielles Geschenk der Gemeinde Weyhe dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender überreicht. „Beide haben sich sehr dafür interessiert“, so Seidel, zumal es perfekt für den Anlass war.

Das Staatsoberhaupt und seine Frau hatten zu einer Martinee eingeladen, die Louise Ebert (geborene Rump, 1873 bis 1955) und ihr Wirken an der Seite Friedrich Eberts im Blick hatte. Es ging gestern Morgen vor etwa rund 100 Gästen um „Deutschlands erste First Lady“ und um den „Kampf um Bildung, Gleichberechtigung und gewerkschaftliches Engagement“.

„Es war aufregend und spannend zugleich“, schildert Frank Seidel die Begegnung. Für diesen Besuch ist er um 4.30 Uhr aufgestanden und reiste per Bahn an – zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Christina Scheele.

Elke Büdenbender hat laut Seidel einen engagierten Vortrag gehalten und die Pionierarbeit von Louise Ebert für die Gleichstellung gewürdigt. Die Ehefrau von Friedrich Ebert war Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt und setzte sich stets für gute Arbeitsbedingungen ein. Seidel findet den Werdegang der Häuslestochter aus Melchiorshausen, die als drittes Kind des Landarbeiters Friedrich Heinrich Rump geboren wurde, faszinierend: Als Geburtshaus gilt laut Recherchen des Gemeindearchivars Wilfried Meyer das Nachbarhaus der Melchiorshauser Blumenmanufaktur.

In der Nähe der Blumenmanufaktur wurde Louise Ebert geboren. Foto: Sigi Schritt

Nach sechsjähriger Dorfschulzeit, überwiegend in Leeste, ging Louise Ebert mit zwölf Jahren „in Stellung“ in einen großbürgerlichen Haushalt, hat der Gemeindearchivar Meyer herausgefunden. Zuvor war sie Jungmagd auf dem Hof Lange in der Nachbarschaft. Sie war also sehr früh von zu Hause weggekommen. Gegen den Willen ihrer Eltern nahm sie in Bremen einen Job als schlecht bezahlte Kistenbekleberin an. Trotz ihrer schweren Arbeit fand sie Zeit, sich gewerkschaftlich zu engagieren – als 20-Jährige wurde sie Vize-Vorsitzende eines Holzarbeiterverbandes mit etwa 700 Mitgliedern. Sie lernte dabei auch den Sattlergesellen Friedrich Ebert aus Heidelberg kennen. Zu jener Zeit hielt dieser politische Reden, war aber noch unbedeutend. Es zeigt sich, dass hinter jedem starken Mann auch eine starke Frau steht: 1894 heiratete die Melchiorshauserin Friedrich Ebert und brachte bis 1900 fünf Kinder zur Welt. Die Familie wohnte an der Ecke Brautstraße/Westerstraße in der Neustadt und betrieb die Kneipe „Zur guten Hilfe”. Sie entwickelte sich zum Treffpunkt für Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Friedrich Ebert macht ab 1899 eine rasante Karriere als Politiker: Er war Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und Vorsitzender der SPD-Fraktion. In Berlin fungierte Ebert als Parteisekretär und wurde nach dem Ersten Weltkrieg Reichspräsident sowie zum Weichensteller für die erste deutsche Demokratie.

Die Melchiorshauserin wuchs in die Rolle der „First Lady” hinein und verschaffte sich großen Respekt. Diplomaten, das belegt Briefverkehr, schätzen Eberts schlichtes, geradliniges Wesen sowie ihre sympathische und natürliche Art.

Ihren Namen tragen in Weyhe eine kleine Straße und ein Frauenzentrum. Das ist für Frank Seidel aber viel zu wenig. „Wenn man so eine Persönlichkeit vor Ort hat, sollte sie mehr gewürdigt werden“, findet er. Ob eine große Schule wie die KGS ihren Namen tragen könnte oder es ein Denkmal – etwa zwischen den Bäumen vor der Blumenmanufaktur Melchiorshausen – gibt? Frank Seidel will nicht „irgendwas hinstellen und dann war es das“, sagt er. Er findet, dieses Thema sollte viel breiter in Weyhe diskutiert werden, damit sich die Menschen aus der Wesergemeinde auch zukünftig mit dem Wirken Eberts beschäftigen. Denn der Kampf um Demokratie und gute Arbeitsbedingungen sei wichtiger denn je. Frank-Walter Steinmeier ist laut Seidel an den Überlegungen sehr interessiert, sagt er. Genauso wie der Urenkel Thomas Ebert, den der Vize-Bürgermeister ebenfalls in Berlin getroffen hat. Seidel kann sich einen Workshop vorstellen, zum Beispiel mit Schülern, Kommunalpolitikern, Archivaren, Thomas Ebert und dem Historiker Prof. Dr. Walter Mühlhausen, Geschäftsführer der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg.

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