Premiere nach Corona-Pause: Wie „Nicht nur Träume können fliegen“ über die Bühne ging

Das Weyher Theater ist zurück!

Nach langer und unfreiwilliger Pause stehen die Schauspieler des Weyher Theaters wieder auf der Bühne.
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Nach langer und unfreiwilliger Pause stehen die Schauspieler des Weyher Theaters wieder auf der Bühne.

Weyhe – Sie sind wieder zurück: Mit der amüsanten und zugleich anrührenden Musical-Komödie „Nicht nur Träume können fliegen“ feierten die Schauspielerinnen und Schauspieler des Weyher Theaters am Freitag nach der unfreiwilligen Corona-Zwangspause die erste Premiere. Und das war eine besonders umjubelte, die am Ende auch dem einen oder anderen Gast eine Träne aus dem Augenwinkel rollen ließ.

Denn fast ein halbes Jahr lang hob sich der Vorhang im Theater nicht. Umso mehr freute sich Intendant Kay Kruppa, „dass wir wieder das tun können, was wir am meisten lieben: vor Publikum spielen.“ Die Musical-Komödie aus der Feder von Frank Pinkus sei ein Stück, das Hoffnung mache, sagte Kay Kruppa vor Beginn der Vorstellung. Auch wenn es in den letzten Monaten immer wieder geheißen habe, Kultur sei nicht systemrelevant, sehe er das ganz anders. „Kunst und Kultur sind die wesentlichen Faktoren dafür, warum es sich überhaupt lohnt, am Leben zu bleiben.“

Dass in dieser Aussage sehr viel Wahrheit steckt, erlebten die 119 Zuschauerinnen und Zuschauer wenige Augenblicke später. Sarah Kluge mimte die schüchterne Erfolgsautorin, die unter dem Pseudonym Larissa Nachtigall Bestseller-Bücher über die Hexe Isabella Herzensgut schreibt. Dennoch versteckt sich die junge Frau immerzu in ihrer Wohnung, hadert mit ihrem Selbstbewusstsein, spricht mit ihrem verstorbenen Vater (Hermes Schmid) und singt sogar mit ihm: „Schluss mit Melancholie, denn mich verlierst du nie.“ In einer Selbsthilfegruppe für Schüchterne trifft sie auf den jungen Witwer Emil (Leenert Schrader) – und es ist Liebe auf den ersten Blick. Einziges Hindernis: Da beide so schüchtern sind und sich unabhängig voneinander für den langweiligsten Menschen auf der Welt halten, benötigen sie einen kräftigen Schubs ihrer jeweiligen Freunde.

Verlegerin Paula Petraske alias Inga Jamry und Emils Freund Stefan (Marc Gelhart) setzen alles daran, beide miteinander zu verkuppeln. Ein Plan mit Hindernissen. Denn beim ersten Date beim Italiener um die Ecke flüchtet Emil aus dem Lokal. „So ein schöner Bengel, und dann wirft er sich einfach so weg“, säuselt Kellner Antonio alias Thorsten Hamer. Er und einige andere Akteure stellen unter Beweis, wie wandlungsfähig das Ensemble ist.

Hamer beispielsweise schlüpft in die Rolle des schüchternen Nuschlers Gerd, den bis auf Maria niemand versteht. Außerdem spielt er den schwulen Kellner Antonio und den Wahrsager Mister Ibrahim. Sonja Bothmer ist schüchterne Flugbegleiterin, Talkshow-Moderatorin und Kellnerin. Christian Hamann überzeugt als Kellner Giacomo und als schüchterner Leiter der Selbsthilfegruppe. Apropos: Die Treffen dieser Gruppe sorgen für die meisten Lacher an diesem Abend. Und vor allem für jede Menge Stimmung. Gemeinsam singen sie „Wir sind schüchtern und verstört“, wohl einer der Ohrwürmer des Stücks. Kevin und Patrick Kuhlmann schrieben und machten auch die Livemusik für die Komödie.

Das Bühnenbild stammte von Hermes Schmid und Lisa Kück, die eindrucksvoll bewiesen, wie man durch verschiedene Klapp-Elemente auf nur einer Bühne ein Fernsehstudio, ein Schlafzimmer, zwei Wohnzimmer, ein Wahrsager-Zimmer, ein italienisches Restaurant und einen Selbsthilfe-Gruppenraum unterbringen kann. Hut ab!

Die Mischung aus Musik, Komödie und rührigen Momenten passt in „Nicht nur Träume können fliegen“ perfekt. Auch wenn die Akteure nicht alles zeigen können, was ihnen Frank Pinkus ins Drehbuch geschrieben hat: „Sehen Sie die Szene als eine Art kleines Hörspiel“, richtete Leenert Schrader seine Worte an das Publikum, als er sich mit seinem Schwarm Maria im Urlaubsbett in Cuxhaven wieder fand.

Küsschen und Zärtlichkeiten gab es nur angedeutet und ganz aus der Ferne – auch auf der Bühne müssen schließlich die Corona-Sicherheitsabstände eingehalten werden. Das gilt auch für den Zuschauerraum. Hier genossen 119 Gäste die Premiere, normalerweise wäre es die dreifache Menge an Zuschauern gewesen. Saßen zwei Leute zusammen, blieben zu den nächsten Gästen wieder drei Sitze frei. Ein echtes Zuschussgeschäft für das privat betriebene Haus – und doch: Es ist ein Anfang, das Weyher Theater ist zurück.

Thorsten Hamer richtete zum Schluss persönliche Worte ans Publikum – und nicht nur er schien in diesem Moment gerührt, nach einem halben Jahr Berufsverbot wieder auf der Bühne stehen zu können. So ging es auch anderen Mitstreitern aus dem Ensemble – echte Gänsehautmomente. Das Publikum dankte den Akteuren mit minutenlangem Applaus und unterstrich damit, dass auch 119 Menschen ganz schön laut sein können.

Infos

www.weyhertheater.de

Von Regine Suling-williges

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