Weyher berichten über eigene Flüchtlingserlebnisse und spenden 1500 Euro

„Das war Rettung und Nächstenliebe“

Mohamad Al-Zubaidi (l.), Dr. Diedrich Heumann (3.v.l.) mit Ehefrau Susanne (r.), Dr. Suham Abid (M.) mit Tochter Dalia (2.v.l.) versprechen den Pastoren Albert Gerling-Jacobi (2.v.r.) und Karsten Damm-Wagenitz, in Kürze 1500 Euro zu überweisen. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Hilfe ist Nächstenliebe. Da sind sich der Orthopäde Dr. Suham Abid und der Internist Dr. Diedrich Heumann einig. Zusammen mit Heumanns Schwiegersohn Mohamad Al-Zubaidi haben die Mediziner kurz vor Pfingsten einen Betrag in Höhe von 1500 Euro für das Flüchtlingscafé im Lahauser Gemeindezentrum gespendet. Mit den Pastoren Albert Gerling-Jacobi und Karsten Damm-Wagenitz sprach das Trio über seine Beweggründe, den Dialog der Christen und Muslime zu fördern. Alle drei hatten eigene Flüchtlingserlebnisse.

Heumann schilderte, wie er als Kind „geschundene Flüchtlinge“ aus den damaligen Ostgebieten auf der Dorfstraße standen sah. „Sie weinten bitterlich, weil sie keine Herberge fanden.“ Sein Vater – so erinnert sich Heumann – sprach die Menschen mit diesen Worten auf Platt an: „Denn koomt man no us in’t Hus!“. Dieses Erlebnis habe ihn geprägt.

Sein Schwiegersohn, lange eingebürgert, kritisierte damals die Politik seines Landes. „Ich bin 1999 aus Bagdad abgehauen.“

Suham Abid war nie direkt Schutzsuchender, zumal sein Vater ihn zum Medizinstudium nach Deutschland geschickt hat. Doch als Student erlebte Suham Abid plötzlich eine erschreckende Situation: „Als ich aber mitten im Examen steckte, flüchtete mein Vater aus dem Irak in den Libanon.“ Er sei kein Regimefreund von Ahmad Hasan al-Bakr, dem Vorgänger des Diktators Saddam Hussein, gewesen. Die Folge: Geldzahlungen blieben aus. Der Weyher wendete sich damals vergebens an die irakische Botschaft.

Anders verhielt sich die evangelische Studentengemeinde. Ihr war es egal, ob Suham Abid Christ oder Moslem war. Er musste zwei Zeugnisse vorlegen, eine Immatrikulationsbescheinigung. Das war es. Er bekam 400 Mark sowie Essensmarken für die Hamburger Uni-Mensa. „Nur die haben mir geholfen, sonst niemand“, berichte der 71-Jährige. „Das war Rettung und Nächstenliebe.“ Nach dem Studium blieb er in Deutschland. Die Freiheit gefiel ihm.

Das Geld habe der Arzt längst an die Organisation zurückgezahlt. Diese spontane Hilfe habe ihn nachhaltig berührt und wirkt bis heute fort. Deshalb habe der Orthopäde nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren allein insgesamt 25 000 Euro gespendet, um die große Not in irakischen Flüchtlingscamps zu lindern. In diese Lager hätten sich die Menschen aus Furcht vor der Terrororganisation Islamischer Staat zurückgezogen und lebten auf engstem Raum. Mit dem Weyher Geld finanzieren Helfer Essen, Bekleidung und Decken. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Auch seine Tochter Dalia engagiert sich. Sie hat mehrere Monate lang die Flüchtlingshilfe unterstützt.

Diese Beispiele sollen Schule machen, hofft Diedrich Heumann, damit Menschen „aus Dankbarkeit etwas zurückgeben“.

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