Für Pastor Karsten Damm-Wagenitz gilt: Nach dem Pilgern ist vor dem Pilgern

Er ist dann mal weg – nur ganz woanders

Die Pilger kommen im schottischen Hochland in den Genuss einer beeindruckenden Landschaft. - Foto: dw

Weyhe - Von Philipp Köster. Dank Hape Kerkelings kürzlich verfilmtem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ hat sich der Jakobsweg nach Santiago de Compostela fast schon in eine Pilgerautobahn verwandelt.

Das ist nichts für Karsten Damm-Wagenitz. Der Lahauser Pastor und passionierte Wanderer hat keine Lust auf die überfüllten Herbergen in Nordspanien. „Den gehen einfach zu viele.“ Er sucht für seine Männerpilgertouren und Solotrips andere Pfade. Nach den Allgäuer Alpen und dem Pfälzer Jakobsweg nahm er jetzt 14 Teilnehmer auf eine einwöchige Reise auf den West Highland Way in Schottland mit.

Die 15 Männer sehen sich bei der insgesamt 120 Kilometer langen Tour auf dem West Highland Way diversen Herausforderungen ausgesetzt, unter anderem vielen lästigen kleinen Mücken.

Das war buchstäblich kein Spaziergang, sondern eine anspruchsvolle Route mit Steigungen, Gefälle und sehr felsigen Uferwegen, sagt Damm-Wagenitz. Untergebracht in zum Teil einfachen Herbergen und täglich geplagt von kleinen Mücken, gelangten die mit schweren Rucksäcken beladenenen Männer auf den rund 20 Kilometer langen Tagesetappen zuweilen als Ungeübte ans Ende ihrer körperlichen Möglichkeiten. „Gescheitert ist aber keiner“, sagt der Geistliche. Neben der Wanderung gab es, wenn es das Wetter und die Mücken zuließen, morgens einen kleinen Impuls oder eine Andacht. Denn Sinn und Zweck des Pilgerns ist nicht nur das bloße Wandern, sondern auch die Besinnung auf sich selbst und die Reflexion über das Leben. Vielen Männern gefällt diese jährliche Auszeit so gut, dass sie immer wieder mitgehen.

Für Karsten Damm-Wagenitz schließt sich nach seinem vorerst letzten Gottesdienst am kommenden Sonntag ein Familienurlaub an, und dann eine rund zweimonatige Studienreise. Acht Wochen lang will er allein den sogenannten Traumpfad von München nach Venedig pilgern. „Seit meiner Jugend mache ich die Erfahrung, dass ich am besten zu mir selbst und zu Gott finde, wenn ich zu Fuß unterwegs bin.“ Im Gehen beziehungsweise Wandern kämen die Gedanken in Fluss, das Gebet vertiefe und die Perspektiven veränderten sich.

Über Bad Tölz, das Karwendel-Gebirge, die Zillertaler Alpen und die Dolomiten geht es in die italienische Lagunenstadt. Unterwegs übernachtet der Pfarrer in Hütten, die er nicht im Vorfeld buchen muss. Das erlaubt eine relativ freie Planung der einzelnen Etappen.

In Venedig ist die Reise noch nicht beendet. Im Anschluss hängt Damm-Wagenitz noch einen „geistlich geprägten“ Trip von Florenz nach Assisi dran – nicht auf den Spuren des Jakobus sondern des heiligen Franz’.

Und wie reagiert Damms Umfeld auf diese Auszeit? „Meine Kinder sind schon recht selbstständig und gehen ihrer eigenen Wege, für meine Frau ist das nicht so einfach, aber dass sie keine Einwände gegen die Tour hat und sagte: ,Mach das, das ist das Richtige für dich’, rechne ich ihr hoch an.“

Offiziell handelt es sich bei den zwei Sabbatmonaten um einen Studienurlaub, der den Pastoren der Landeskirche zusteht. „Aber von Urlaub würde ich nicht sprechen. Ich muss Rechenschaft ablegen und einen Bericht schreiben.“

Und die Felicianusgemeinde soll auch von den vielen Erlebnissen, Eindrücken und Selbstreflexionen ihres Pastors profitieren: „Ich möchte Ideen entwickeln und neue geistige Kräfte für meinen Beruf zu sammeln, in dem man immer von innen heraus arbeiten muss.“ Reich an neuen Erfahrungen will Damm-Wagenitz nach den Herbstferien zurückkehren und dann darüber berichten.

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