Messe zum Abschluss der Demenz-Woche

Damit Angehörige nicht unter der Last zusammenbrechen

Sascha Fenske erklärt Messebesucherinnen, welche Möglichkeiten die Orthopädietechnik bietet, ein Leben im Alter mit Hilfen zu meistern. - Fotos: Ehlers

Leeste - Von Sigi Schritt. Eine bunte Messe in der Alten Wache mit elf Ausstellern aus der Region sowie mit einigen Fachvorträgen rund um die Themen Vorsorge und Pflege hat gestern den Abschluss der Demenz-Woche gebildet, die der Verein Pro Dem ins Leben gerufen hatte.

„Wir wollten nicht bloß unseren 15. Geburtstag feiern, sondern auch etwas für die Menschen in Stuhr, Weyhe und der Umgebung tun“, sagt die Gerontologin Lilja Helms. In Deutschland seien 1,2 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, im Land Bremen seien es 11000 und in Stuhr und Weyhe zusammen 190. In ihrem Vortrag erklärt Helms die Krankheit so: Die Zuhörer sollen sich die Lebensjahre eines Menschen als Bücher in einem Regal vorstellen. Bei den Hilfebedürftigen fallen die Bücher – diese symbolisieren die Erinnerungen – von hinten nach vorne heraus. Manche haben sogar nur noch zwölf Bücher stehen. Sie erleben ihre Umwelt laut Helms nur noch aus der Sicht eines Kindes. „Die Person hatte ein Haus? Vergessen. Sie war verheiratet? Ebenfalls vergessen. Es zählen für diese Leute nur der Erinnerungsschatz, der ihnen bleibt. Mehr nicht. Es schmerzt, wenn Angehörige deshalb Vorwürfe entgegenbringen.“

Oftmals suchen Familien die Beratungsstelle erst auf, wenn die Not sehr groß ist, berichtet Helms. „Wenn sie ihre Situation schildern, kommen schnell die Tränen, weil Angehörige unter der Last der Pflege zusammenbrechen.“ Die Messe und die Vorträge bilden laut Helms einen Baustein, um dem entgegenzuwirken.

Pflegeanforderungen variieren

Christin Brümmer berät Marianne Ortscheid, welche Alltagsgegenstände für demente Menschen geeignet sind.

Nicht jede Krankheit verlaufe gleich, und auch die Pflegeanforderungen variierten, deshalb sei die Beratung so wichtig. Pro Dem sieht sich als Anlaufstelle, die hilft, den Unterstützungsbedarf zu ermittelt. Anschließend geben die Mitarbeiter Tipps, an welche Firmen, Organisationen und Spezialisten sich die Betroffenen wenden können. Der Verein Pro Dem bietet mit seinen Gesellschaftern selbst Hilfen für demente Personen an. Ein Beispiel ist der Gesprächskreis, den Jasmin Brandenburg vorstellte. Sie bringt dazu Gegenstände mit, die früher in keinem Haushalt fehlen durften. „Legen Sie ein Gerät zum Bohnen schneiden auf den Tisch, und sie haben Gesprächsstoff für zwei Stunden“, weiß sie aus Erfahrung. Sie verwendet gerne auch Memory-Karten mit Motiven aus dem Handwerkskasten oder Karten von Stars und Politikern die in vergangenen Jahrzehnten gewirkt haben.

Die Gedächtnistrainerin Birgit Eitzen organisiert Gehirnjogging. Der Kopf sei wie ein Muskel, der trainiert werden müsse, sagt sie. Eines könne sie aber nicht, eine Demenz heilen. Es gebe auch in den nächsten Jahren keine Medikamente dagegen, sagt Sabine Greulich. An ihrem Stand präsentierte sie die Seniorengemeinschaft Kattenturm, eine Wohngemeinschaft, in der Betroffene leben.

Ein anderes Modell verfolgt die Firma „cura a casa“: Mitarbeiter Bernd Warnecke informierte über die Möglichkeit, dass Pflegekräfte aus Polen, Litauen und Ungarn bei den Betroffenen für zwei Monate einziehen.

Benötigen die Betroffenen eine Tagespflege? Oder Kurzzeitpflege? Mitarbeiter der Krankenpflege Diekena und des Pflegezentrums gaben dazu Auskunft.

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