Statistik 2020: Aufklärungsquote steigt

Corona verlagert Kriminalität in Stuhr und Weyhe ins Internet

Erfolgreiche Ermittler: Die Aufklärungsquote hat innerhalb der vergangenen zehn Jahren den besten Wert.
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Erfolgreiche Ermittler: Die Aufklärungsquote hat innerhalb der vergangenen zehn Jahren den besten Wert.

Weyhe – Wer in Weyhe oder in Stuhr ein Vergehen oder Verbrechen begeht, muss damit rechnen, dass die Polizei die Straftat aufklärt und alles ans Licht kommt. 2020 haben die Ermittler in knapp sieben von zehn Fällen herausgefunden, wer hinter einer Tat gesteckt hat. So konnten sie die Fälle den Justizbehörden übergeben.

Die Aufklärungsquote für das vergangene Jahr liegt laut aktueller Kriminalstatistik bei exakt 67,17 Prozent (Vorjahr: 61,93). Das ist übrigens der beste Wert innerhalb eines Jahrzehnts. Diese Quote liegt zudem deutlich über dem Landesdurchschnitt von 64,28 Prozent.

Wie Polizeioberrat Thorsten Strier auf Anfrage erläutert, haben die Beamten im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats in Leeste insgesamt 3195 Straftaten (2019: 3168) erfasst. Die Anzahl der Taten bewege sich also im Bereich des Vorjahresniveaus, so Strier. Für Weyhe registrierte die Polizei exakt 1396 und für Stuhr 1799 Straftaten.

„Das Kriminalitätsgeschehen stand unter dem Einfluss der Corona-Pandemie“, sagt Strier. Das wirkt sich auf die Formen der Kriminalität aus. Was der Leiter des Polizeikommissariats damit meint: Es gibt weniger Delikte aus dem Eigentumsbereich, aber dafür mehr Vermögens- und Fälschungsdelikte.

Mit 34 Prozent bilden die Diebstahlsdelikte (siehe Grafik) aber immer noch den größten Anteil am gesamten Straftaten-Aufkommen. Die Polizei registrierte 1085 Taten. Im Vorjahr waren es noch 120 Fälle mehr. Laut Strier handelt es sich im Zehn-Jahres-Vergleich trotzdem um den niedrigsten Stand, sowohl bei den einfachen (523 Fälle) als auch bei den schweren Diebstählen (562 Fälle). Auch bei den Wohnungseinbrüchen hält laut dem Polizeioberrat der Rückwärtstrend der vergangenen Jahre an. „Mit 84 Taten konnte der niedrigeste Stand seit 2013 erzielt werden. Von diesen 84 Taten (Vorjahr: 96) sei es sogar in 30 Fällen den Tätern nicht gelungen, ihren Einbruchsplan auch durchzuführen. Und auch die Zahl der Firmeneinbrüche ist gesunken: Langfinger seien in den beiden Gemeinden in 49 Firmengebäude eingestiegen. Im Vorjahr waren es noch 90. Die Zahl also ist fast halbiert.

Das zeigt das Torten-Diagramm: Die Verteilung des Straftaten-Aufkommens 2020.

Allerdings haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Langfinger Beute in Kraftfahrzeugen gesucht. Das sind mit 192 Fällen 17 mehr als noch 2019. Rückläufig sei aber die Zahl der Ladendiebstähle: Von 258 im Jahr 2019 sank sie auf 248.

Während sich die Beamten weniger um Diebstahlsdelikte kümmern mussten, stiegen die Vermögens- und Fälschungsdelikte gegenüber dem Vorjahr um 177 Taten auf rund 800 deutlich an. Der Anteil am Gesamtstraftaten-Aufkommen beträgt ein Viertel. Einen großen Anteil haben laut Strier die Betrugsdelikte mit 652 Taten. Auffällig sei laut Polizei, dass die Kriminalität ins Internet, also in den virtuellen Raum, verlagert worden ist. Diese Fallzahl erhöhte sich von 219 (2019) auf 320.

Klaus Pätzold vom Kriminalermittlungsdienst ergänzt: „Erklärungsansätze könnten das unmittelbar niedrige Entdeckungsriskio, der zunehmende Online-Handel, mehr digitale Freizeitgestaltung und nicht zuletzt der üblicherweise schnell zu erlangende finanzielle Vorteil sein.“ Die Maschen würden sich stets weiterenwickeln, sagt der Polizeihauptkommissar. Aktuell würde es eine Masche geben, wonach Langfinger Internet-Nutzer auffordern, Pakete nachzuverfolgen. Der Polizist mahnt grundsächlich zur Vorsicht, nicht vorschnell alles anzuklicken.

Immer wieder würden gerade ältere Menschen auf den Enkel-Trick oder Abwandlungen davon hereinfallen. Wer glaubt, dass er Opfer werden könnte, sollte umgehend die Polizei unter 110 rufen. Am besten von einem anderen Telefon. Denn die Trickbetrüger würden nicht auflegen, sondern vorgeben, selbst die Polizei zu sein. Ist kein zweites Telefon in der Nähe, sollte man zum Nachbarn gehen.

Innerhalb des Bereichs Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (rund zehn Prozent Anteil am Gesamtstraftaten-Aufkommen) lassen sich laut Thorsten Strier „deutlich rückläufige Fallzahlen im Bereich der Körperverletzungsdelikte verzeichnen“.

„Im Jahr 2020 wurden 199 Delikte und somit 83 weniger als im Vorjahr verzeichnet. Die Anzahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen sank von 76 Taten auf 45 Taten.“ Sieben Körperverletzungen seien an Weyher Schulen angezeigt worden. „Der Rückgang der Körperverletzungsdelikte dürfte in erster Linie durch die Kontaktbeschränkungen sowie fehlender Großveranstaltungen während der Corona-Pandemie zu erklären sein. In insgesamt 30 Fällen waren die Täter alkoholisiert.“

Im Zuge der Corona-Streifen hätten die Beamten 314 Rauschgiftdelikte angezeigt. Das entspricht einer Steigerung um 151 Fälle und das sei damit knapp eine Verdoppelung.

Für Klaus Pätzold und Thorsten Strier sei die Zahl ganz einfach zu erklären. Wegen der vielen Kontrollen hätten die Beamten die Straftaten nur aus dem Bereich des Dunkelfeldes geholt.

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