Überwiegend milde Symptome

Corona-Ausbruch im Seniorenheim Weyhe: Fast alle waren geimpft

Impfpässe
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Impfung Nummer Drei als Mittel gegen Impfdurchbrüche: Eine Stiko-Empfehlung steht noch aus. Vor allem Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen sollen von ihr profitieren.

Die Delta-Variante hat im Landkreis zugeschlagen und für 65 Corona-Infektionen gesorgt, obwohl nahezu alle in der Senioren-Einrichtung doppelt geimpft waren.

Weyhe – Derzeit 65 Senioren und Beschäftigte einer Einrichtung in Weyhe sind mit Covid-19 infiziert. Und das, obwohl alle außer einer Person vollständig geimpft sind. Das bestätigte am Mittwoch der Landkreis Diepholz in einer Mitteilung. Nachgewiesen ist bei den Betroffenen demnach die „Delta-Variante“. Neue Mutationen seien nicht festgestellt worden, heißt es weiter.

Kreis:Landkreis Diepholz
Bundesland:Niedersachsen
Kreisstadt:Diepholz
Bevölkerung:216.886 (2019) Eurostat
Bevölkerungsdichte:110 Einwohner je km2

Wie es zu dem Ausbruch kam, konnte der Landkreis Diepholz bislang nicht ermitteln.

Insgesamt leben 86 Männer und Frauen in dem Wohnheim. 51 von ihnen sind infiziert. „Nur eine der betreuten und von der Infektion betroffenen Personen ist nicht geimpft, alle anderen sind vollständig geimpft“, berichtet Dr. Daniel Tabeling, Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes. Tabeling zufolge zeigen die Betroffenen überwiegend milde Symptome. Neun Bewohner wurden seit dem 25. August in Krankenhäusern behandelt, vier Senioren seien bereits wieder entlassen worden.

Seniorenheim Weyhe: Überwiegend milde Verläufe trotz Delta-Variante

„Die Impfung kann keine Infektion verhindern. In Anbetracht des überwiegend milden Verlaufes im Vergleich zu ähnlichen Verläufen im vergangenen Winter ohne Möglichkeit der Impfung, zeigt sich hier aber auch, dass die Impfung wirkt und sinnvoll ist“, betont der Mediziner. Gleichwohl könne bei diesem Personenkreis aber auch durch die Altersphysiologie und die Tatsache, dass Vorerkrankungen und Beeinträchtigungen bestehen, in Einzelfällen Verläufe schwerer ausfallen, erläutert Tabeling weiter.

Der Brinkumer Hausarzt und Internist Dr. Lars Pohlmeier ist angesichts der Corona-Fälle mit der hochansteckenden Delta-Variante betroffen. Er betreibt mit zwei Kollegen die Praxisgemeinschaft Melcherstätte und nimmt an einer Impfstudie von Biontech/Pfizer teil. „Das entspricht nicht dem, was ich bei uns in der Praxis und auch im Rahmen der Studie gesehen habe“, so Pohlmeier. Zwar habe es auch im Rahmen der Studie Impfdurchbrüche gegeben. Aber: „Wir haben bei vollständig geimpften Patienten keine schweren Erkrankungen gesehen.“

So bedauerlich diese Durchbrüche sind – sie sprechen nicht gegen eine Covid-19-Impfung. Im Gegenteil: Die Ungeimpften sollten sich in jedem Fall impfen lassen, um die Infektionskette zu durchbrechen

Dr. Lars Pohlmeier

Auch Pohlmeier ist vom Nutzen einer Schutzimpfung überzeugt: „So bedauerlich diese Durchbrüche sind – sie sprechen nicht gegen eine Covid-19-Impfung. Im Gegenteil: Die Ungeimpften sollten sich in jedem Fall impfen lassen, um die Infektionskette zu durchbrechen“, meint er. Mediziner Dr. Lars Pohlmeier und das Kreisgesundheitsamt im Landkreis Diepholz appellieren dennoch für eine Impfung, die vor schweren Verläufen schütze.

Corona-Ausbruch im Altenheim in Weyhe: Bestimmte Therapien können Wirksamkeit der Impfung reduzieren

Pohlmeier zufolge seien die vorhandenen Impfstoffe gegen die Delta-Variante durchaus wirksam. Vor allem schützten sie vor schweren Krankheitsverläufen. „Studiendaten zeigen, dass die Impfungen schützen“, betont er. Allerdings gebe es Personen, bei denen Mediziner von einer verringerten Wirksamkeit der Vakzine ausgehen: Dazu gehören Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, vor allem solchen, die das Immunsystem schwächen. Aber auch solche, die Therapien bekommen, die das Immunsystem herabsetzen, beispielsweise Rheumatiker.

Dr. Lars Pohlmeier wird demnächst auch in seiner Brinkumer Hausarztpraxis die „Booster-Impfung“ anbieten – zunächst soll sie an Menschen über 80 Jahre und Personen mit Immunsuppression – Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems – gehen.

Der Brinkumer Arzt schätzt, dass sich mit Blick auf solche Impfdurchbrüche langfristig mRNA-Impfstoffe wie Moderna oder Biontech gegenüber den Vektor-Varianten (etwa Vaxzevira von Astrazeneca) durchsetzen werden. „Die Anpassung an Virusvarianten ist bei denen leichter möglich“, erläutert er. Pohlmeier zufolge werde gerade an entsprechenden Vakzinen gearbeitet.

Corona in Seniorenheim in Weyhe: Hätte eine dritte Corona-Impfung den Ausbruch im Landkreis Diepholz verhindern können?

Hätte eine dritte Impfung im Vorfeld diese Weyher Fälle verhindert? Da legt sich Pohlmeier nicht fest. „Es ist ein lernendes System“, sagt er mit Blick auf die international laufenden Arbeiten an angepassten Impfstoffen, die auch gegen Mutationen wirksam sind. Derzeit gebe es noch keine eindeutigen Daten, die eine Wirksamkeit belegen.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Auch eine einheitliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu diesen „Booster-Impfungen“ gibt es derzeit nicht. So hatte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité kürzlich gesagt, dass die meisten Menschen in diesem Herbst wohl keine Auffrischungsimpfung benötigten, ausgenommen ältere Menschen und Risikopatienten. Wie berichtet, bieten einzelne Bundesländer wie Bayern diese bereits seit Mitte August an. Das Land Niedersachsen hat angekündigt, dass entsprechende Impfungen nach Schließung der Impfzentren Ende September von mobilen Teams verabreicht werden sollen.

„Alle notwendigen Vorkehrungen getroffen“

Wie geht es nun für die Betroffenen weiter? Der Landkreis versichert in seinem Statement, das Wohnheim habe in Absprache mit dem Gesundheitsamt „alle notwendigen Vorkehrungen getroffen“. Dabei handele es sich um hygienische Standardmaßnahmen wie Masken und Schutzausrüstung.

Bei aller Umsicht wollen die Beteiligten auch nicht den Blick auf die Bedürfnisse der Senioren verlieren: So sollen die Hygienekonzepte so umgesetzt werden, dass ein Besuch der Bewohner weiterhin grundsätzlich möglich ist, heißt es weiter. „Das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz beobachtet die Situation und ist im engen Austausch mit der Einrichtung, aber auch dem niedersächsischen Landesgesundheitsamt“, so die Behörde. * kreiszeitung.de ist Angebot von IPPEN.MEDIA.

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