Corona-Runde in Berlin: Das würden Weyher Bürger den Landesregierungen raten

„Wir alle wollen bisschen Normalität haben“

Wünschen sich mehr Lockerungen für Schüler: Lena Meineke und Henrike Löffler.
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Wünschen sich mehr Lockerungen für Schüler: Lena Meineke und Henrike Löffler.

Weyhe – Den Lockdown verlängern oder umfassende Lockerungen? Was würden Bürger der Kanzlerin Angela Merkel und den Chefs der Landesregierungen raten, wenn sie in der Runde säßen? Beim Parkplatz-Gespräch haben Bürger unterschiedliche Ideen geäußert, wie sie der Pandemie jetzt begegnen würden.

  • Was würden Bürger beim Corona-Gipfel der Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Vertretern der Landesregierungen raten? Eine Antwort auf diese Frage haben Schüler und Erwachsene bei Parkplatz-Gesprächen in Kirchweyhe gegeben.
  • Die Jugendlichen wünschen sich Lockerungen und Sicherheit und haben klare Vorstellungen, wie das gelingen kann.
  • Wenn Friseur-Betrieben öffnen dürfen, dann sollten es auch die Restaurants dürfen, findet Dieter Plate aus Lahausen.

Der radikalste Vorschlag kommt von Sara Esselmann aus Lahausen. Sie plädiert dafür, den Lockdown komplett aufzuheben. Die Bürger müssten sich aber strikt an Hygienekonzepte halten. Masketragen und Händewaschen sei obligatorisch. Man müsste sehr viel testen. Außerdem müsste schneller geimpft werden. Die 25-Jährige berichtet, dass das tägliche Wechselbad zwischen Berufsleben, Haushalt, Einkauf und der Betreuung ihrer sechsjährigen Tochter im Homeschooling zermürbend sei. Eine Woche Schule, eine Woche Homeschooling, das klappe nicht so gut, wie man es sich vorstellt.

Dieter Plate aus Lahausen findet, dass mit den Friseur-Betrieben auch die Restaurants sofort öffnen sollten. Die hätten Hygienekonzepte ausgearbeitet. An den Tischen könne man besser den Abstand zwischen den Gästen gewährleisten als bei den Friseuren, die alle am Menschen arbeiten. Bislang habe die Regierung die Einschränkungen mit Bedacht gewählt, doch der 77-Jährige glaubt, dass die Menschen die Geduld verlieren, wenn der Lockdown immer wieder verlängert wird. In Sachen Impfungen würde es der Lahauser begrüßen, wenn die Menschen, die sich beim Impfen vordrängeln, bestraft würden.

Für Barbara Mirbach habe Angela Merkel eine große Weitsicht bewiesen, als diese beim ersten Lockdown eine Vorahnung hatte und eine härtere Gangart forderte. Sie habe den richtigen Riecher bewiesen und hohe Fallzahlen prognostiziert. „Dann gehen die Regierungschefs in ihre Länder und machen, was sie wollen. Das regt mich auf“, sagt die Kirchweyherin. Die 65-Jährige würde den Landesregierungen vorschlagen, bis zum Monatsende einheitliche Lockerungsangebote zu unterbreiten. Die Hygienekonzepte des Einzelhandels, der Gastronomie-Betriebe seien akzeptabel. Schlimmer sei es in Supermärkten, wenn Paletten im Gang stehen und man sich dort vorbeiquetschen muss.

Barbara Mirbach plädiert ebenfalls dafür, das Kita- und Schulpersonal besser zu schützen und die Impf-Reihenfolge zugunsten dieser Berufsgruppen vorzuziehen.

„Wir alle wollen ein bisschen Normalität haben“, sagt Karin Kooy. Allerdings habe sie auch keine Antwort auf die Fragen, wie man dort hinkommt. „Ich befürchte, die Leute gehen auf die Barrikaden, wenn keine Lockerungen kommen, aber wenn diese kommen, kommen wir womöglich nicht aus der Krise“, sagt die 57-Jährige. Ein Patentrezept gebe es nicht. Das habe weder die Kanzlerin noch der Otto-Normalverbraucher.

Klare Vorstellungen, was die Regierungen für junge Menschen anstreben sollte, haben die beiden Kirchweyher KGS-Schülerinnen Henrike Löffler und Lena Meineke (beide 16). Die Regierungschefs sollten eine langfristige Lösung erarbeiten, die es jungen Menschen ermöglicht, mehr Leute zu treffen, aber in einem geschützten Rahmen. Löffler schlägt vor, dass Schüler sich in einer Gruppe von zusammenfinden. Das müssten stets die gleichen Menschen sein. Wo sie eine Grenze ziehen würde? „Bei sieben Menschen“, sagt die 16-Jährige. Die Gruppen würden es schon unter sich ausmachen können, wo sie sich gefahrlos treffen könnten. Wichtig sei, dass alle geimpft werden. Sie schlägt vor, dass die Schulen die Impfungen für ihre Schüler organisieren.

Die Geräteturnerin Lena Meineke vermisse den Sport in ihrer Gruppe. Turnen am Boden, Balken oder Reck lasse sie den Kopf freibekommen, wenn sie Stress habe. Außerdem verursache der Sport Glücksgefühle und bilde auch einen schönen Abschluss vom Tag. Die Regierung sollte ihrer Meinung nach zumindest kleineren Gruppen die sportliche Betätigung erlauben. „Wir könnten die Gruppen halbieren und Geräte immer wieder desinfizieren.“ Da die Zehntklässlerin sich nicht in einer Abschlussklasse befinde, weil sie in die Oberstufe wechseln wird, sei sie seit Dezember im Homeschooling. „Ich bin ein organisierter Mensch. Das klappt gut“, sagt sie, aber Mitschüler seien es nicht. Sie würden teilweise Aufgaben erst nachts um 23 Uhr erledigt haben. „Andere schaffen die Aufgaben auch, nur ist es für diese Mitschüler stressiger.“ Deshalb plädiert Lena Meineke dafür, dass normale Klassen wieder mehr Präsenzunterricht in der Schule bekommen.

Von Sigi Schritt

Würde gerne wieder im Restaurant essen: Dieter Plate.
Wünscht sich Normalität: Karin Kooy

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