TSV Blau-Weiß Melchiorshausen schafft Arbeitsplatz: Sport- und Fitnesskaufmann soll Reha- und Gesundheitssport organisieren

Corona-Gewinner mit Berufsperspektive

Im Verein ab Januar fest angestellt: Mike Lehmkuhl.
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Im Verein ab Januar fest angestellt: Mike Lehmkuhl.

Weyhe – Der TSV Blau-Weiß Melchiorshausen will den Reha- und Gesundheitssport kräftig ausbauen und künftig sogar für geistig behinderte Sportler Angebote schaffen. Letztere sind rar in Niedersachsen, sagt Birgit Sündermann, Vorsitzende des Weyher Sportvereins.

Künftig soll es in der neuen Halle, die der TSV derzeit auf dem Sportplatz an der Bundesstraße 6 baut, verschiedene Arten von Rehasport geben. Es geht zum Beispiel um angeleitete Bewegungen für Diabetes-Erkrankte, Schlaganfall-Patienten, um Atemtechniken und Körperaufrichtung im Lungensport sowie um Orthopädie nach Sportverletzungen und um Reha nach muskulären Verletzungen. Das alles zu organisieren, würde den Rahmen der Ehrenamtlichkeit sprengen, macht Sündermann deutlich. Deshalb hat der Verein einen Arbeitsplatz geschaffen: Ab Januar wird der Sport- und Fitnesskaufmann Mike Lehmkuhl sich wie Sündermann sagt in einer 40-Stunden-Woche um die Organisation und die Kurse selbst kümmern.

Ursprünglich war die Schaffung eines Arbeitsplatzes gar nicht geplant, so die TSV-Vorsitzende. „Wir suchten nach einer Möglichkeit, die neue Sporthalle stärker auszulasten“, erklärt Sündermann. Der Vorstand hatte zunächst die Idee, die Halle an Physiotherapeuten zu vermieten, die dort ihre Übungen anbieten. Allerdings habe der Verein bemerkt, dass er in den eigenen Reihen ein Mitglied hat, das die entsprechenden Qualifikationen aufweist, die gewünschten Gruppenübungen anzubieten. Die Rede ist von Mike Lehmkuhl.

Der Melchiorshauser, geboren 1989 in Bassum, ist seit seinem fünften Lebensjahr Mitglied des Vereins.

Sein Leben kreist um den Sport: Lehmkuhl spielt seit frühen Jahren Fußball. „Mein Traum war es, bei den ersten Herren zu spielen.“ Offenbar habe der 31-Jährige rückblickend schon damals realistisch eingeschätzt, dass eine Karriere als Fußballprofi nicht seine Sache ist. Aber dem Ballsport blieb er stets treu: Im Alter von 16 Jahren übernahm er das Training einer Kindermannschaft. „Das war die G-Jugend“, erinnert er sich. Er besuchte Lehrgänge und darf mit seiner B- Lizenz Teams in der Regionalliga trainieren.

Lehmkuhl bekleidete für ein paar Jahre das Schiedsrichter-Amt. Zunächst nur für Spiele im Verein, bis er sogar als Assistent in der B-Jugend-Bundesliga fungierte.

Nach seinem Abschluss an der KGS Leeste absolvierte Mike Lehmkuhl eine Ausbildung als Kaufmann für Bürokommunikation und arbeitete einige Jahre in dem Job. Doch es zog ihn zum Sport. Im Unternehmen Reha Weyhe wurde er zum Sport- und Fitnesskaufmann ausgebildet und organisierte Rehasport-Kurse. „Ich darf Gruppen trainieren“, so Lehmkuhl. Individuelle Übungen seien aber den Physiotherapeuten vorbehalten, sagt er.

Nach einem Regierungserlass am Anfang der Corona-Pandemie waren die Gruppenkurse, die er organisiert, nicht mehr durchführbar. „So ging ich für über zwei Monate in 100 Prozent Kurzarbeit“, sagte er. Erst als auch die Fitnessstudios unter Auflagen wieder öffnen durften, konnte er die Kurzarbeit reduzieren.

Da den Menschen während der Corona-Pandemie die Bewegung und der Austausch untereinander gefehlt hatte, hatte er im Rahmen des Vereinssports Übungen angeboten – im Freien und auf Hockern, um den Abstand auf zwei bis drei Metern zu gewährleisten. Auf Hockern? „Ja, das kann eine schweißtreibende Sache sein“, sagt Birgit Sündermann. Sie werde nie wieder über Hockergymnastik lachen, sagt sie.

Wegen der Corona-Beschränkungen hat Mike Lehmkuhl auf einer Rasenfläche für Sportler aller Sparten erfolgreich ein Training angeboten und ganz nebenbei einen Weg aus der Kurzarbeit gefunden. Ihn könne man durchaus als Corona-Gewinner bezeichnen, der eine neue Berufsperspektive gewonnen hat, bestätigt Birgit Sündermann. Den neuen Arbeitsplatz finanzieren die Krankenkassen, sagt sie.

Hausärzte und Fachärzte empfehlen ihren Patienten, sich viel zu bewegen. Spazieren gehen ist laut Mike Lehmkuhl zwar eine gute Sache, aber es gebe keine Anleitungen und die Bewegung sei einseitig. Eine gute Ergänzung sei der Rehasport. Dort würden viele Techniken vermittelt, um zum Beispiel die Atmung zu verbessern oder die Atemhilfsmuskulatur zu stärken. Außerdem sei der Austausch in der Gruppe vorteilhaft, denn man treffe Menschen mit einer ähnlichen Krankheit, und man kann Tipps austauschen. Einer dieser Tipps war die Aufgabe für die Kursteilnehmer, zum Beispiel beim Treppensteigen bei zwei Stufen bewusst einzuatmen, bei weiteren zwei Stufen auszuatmen.

Der Verein hat weitere Pläne. So will er für den Reha- und Gesundheitssport künftig mit dem Unternehmen Reha Weyhe zusammenarbeiten, kündigt Birgit Sündermann an. So soll der Fokus unter anderem auf neurologische Krankheiten (Schlaganfall, Parkinson) liegen. Für Herzpatienten will der Verein aber nichts Spezielles anbieten. „Das soll der TuS Sudweyhe nach wie vor machen. Wir wollen uns gegenseitig keine Konkurrenz machen. Perspektivisch möchten wir auch Kurse für Blinde anbieten.“ Aber das erst nach Fertigstellung der neuen Halle. Diese habe eine Fläche von 250 Quadratmetern. Selbst unter Corona-Bedingungen sei es möglich, mit 15 Personen Sport zu treiben.

Begutachtet den Baufortschritt der Bewegungshalle: Birgit Sündermann.

Sobald dieses Gebäude fertiggestellt ist, ziehe der Gesundheitssport von der Gartenstraße an den Sportplatz Melchiorshausen, so Sündermann.

„Wir sind im Zeitplan.“ Das Dach ist fertig, die Außenhülle geklinkert und die Fenster sind mit Sicherheitsglas versehen. Jetzt würden gerade die Fensterbänke eingepasst. Die Fußbodenheizung ist verlegt, und der Bodenestrich werde in Kürze gegossen. Dann müssten nur noch Innentüren eingebaut und die Leitungen gezogen werden. Bis zum Jahresende soll alles fertig sein.

Wie läuft es mit der Finanzierung der Baukosten in Höhe von 600 900 Euro? „Wir sind noch im Rahmen“, so Sündermann. Erste Mittel vom Landessportbund seien bereits geflossen und die Gemeinde wird einen Betrag ab Oktober überweisen, wenn wir die Gelder nach Baufortschritt abrufen, ergänzt die Vorsitzende.

Von Sigi Schritt

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