Meinungen

Corona-App: Das sagen Bürger dazu

So nah dürfen sich nur Handys kommen – Menschen sollten dagegen eher Abstand voneinander halten. Foto: Sigi Schritt
+
So nah dürfen sich nur Handys kommen – Menschen sollten dagegen eher Abstand voneinander halten.

Die Corona-Krise dauert möglicherweise so lange, bis es einen Impfstoff gegen die Covid-19-Krankheit gibt. Können digitale Anwendungen helfen, das Leben im Lockdown-Modus in gewohnte Bahnen zu lenken, um die Kontaktbeschränkungen wieder zu lockern? Die Weyher haben ein differenziertes Bild zu digitalen Anwendungen.

Weyhe - Schon jetzt gibt es bereits viele Programme – beispielsweise im App-Store von Apple – zum Thema „Corona-Virus“. Die Bundesregierung setzt auf eine besondere Corona-Handy-App, die dazu beitragen soll, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Noch steht sie nicht zur Verfügung, soll aber in wenigen Tagen oder Wochen auf Smartphones abrufbar sein. Die von der Bundesregierung favorisierte App, würde Vorgaben des Datenschutzes beachten, heißt es in Medienberichten. Das Handy-Programm, das die Bürger freiwillig installieren sollen, funktioniere über die Bluetooth-Technik. Die App übermittle keine Standortdaten an staatliche Stellen und soll Bürger anonymisiert warnen, wenn sie Kontakt mit einer Person haben, deren Corona-Erkrankung bestätigt sei.

Bei einer digitalen Umfrage im Internet gibt es Weyherinnen und Weyher, die diese App installieren würden, aber auch andere, die sich dagegen aussprechen.

Corona-App: „Gute Technologie“

Die Corona-App-Befürworter Falk Brozio und Peggy Schierenbeck finden beide, dass es um eine „gute Technologie“ geht. So eine App werde in anderen Ländern bereits eingesetzt. Brozio ergänzt, dass die Ortungsfunktion verschiedener Apps die meisten Leute ja sowieso aktiviert haben – zum Beispiel für die Anwendungen Facebook, WhatsApp, Google, Rewe-App oder Amazon. „Sonst bringen diese Apps nämlich wenig. Also wozu die Aufregung, wenn eine Corona-App kommt?“, so Falk Brozio. „Soweit ich das verstanden habe, sind die Standortdaten doch auch irrelevant. Es geht doch darum, Begegnungen mit Erkrankten zu identifizieren und Kontaktwege nachzuvollziehen.“ Torsten Dierks macht darauf aufmerksam, dass zumindest eine vom Robert-Koch-Institut herausgegebene App mit dem Namen „Corona-Datenspende“ ab sofort verfügbar sei. „Geht auch mit der Smartwatch“, so Dierks weiter. Ein erster Test gestern ergab, dass diese Applikation nur mit dem Handy-Betriebssystem IOS 13.0 oder neuer läuft – man muss also sein Telefon möglicherweise zunächst updaten, wenn es die Bauart zulässt.

Auch Felix Bernhard würde eine solche App begrüßen, „um die Infektionswege vollumfänglich verfolgen zu können, ohne einen ,Zwang’ für den Einzelnen.“ Christiane Blenski sieht ebenfalls Vorteile: Bei allem, „was hilft, dass die Situation unter Kontrolle kommt, und wir zum normalen Privat-/Arbeit-/Wirtschaftsleben zurückkommen, da bin ich sofort dabei. Den Aspekt, dabei überwacht zu werden, empfinde ich aufgrund der nur temporären, freiwilligen und klar mit einem Ziel verknüpften Nutzung als sekundär.“ Ivonne Beneke stimmt Christiane Blenski zu: „Gerne eine Handy-App. Meinetwegen auch gern verpflichtend – denn ich bin mir nicht sicher, ob viele eine freiwillige Selbstverpflichtung mögen.“ Für Beneke steht fest: „Je mehr Menschen eine solche App nutzen – desto besser.“

Corona-App: „Sicherheit versus Freiheit“

Für Julia Corinna Schulz erscheint diese App „wie ein weiteres Kapitel in der unendlichen Geschichte um Sicherheit versus Freiheit. Ich möchte die Freiheit haben, dass jemand anderes (sei es die Republik oder ein Unternehmen wie Apple) nicht weiß, wo ich bin. Aber ich möchte auch darüber informiert werden, wenn ich mich in der Nähe einer ahnungslos infizierten Person befunden haben sollte, um mögliche nächste Schritte einzuleiten (Sicherheit).“ Würde sie die App nutzen? „Wahrscheinlich, denn momentan ist mir meine Sicherheit wichtiger als meine uneingeschränkte Freiheit. Die Freiheit von der App kriege ich später zurück, die Gesundheit gegebenenfalls nicht.“

Wie Corinna Schulz ist auch Rainer Zottmann „hin und her gerissen“. Aber zur App gehören nicht nur die Technik (Smartphone) und die freiwillige Anwendung, sondern auch der Prozess danach, findet er. „Die App informiert mich Tage später, dass ich einem Menschen auf Armlänge begegnet bin, der danach positiv getestet wurde.“ Also so etwas wie Datenvorratsspeicherung. „Dann muss ich mich – wenn ich Symptome für mich feststelle – freiwillig testen lassen können.“ Heute gehe das nur mit „Einweisung“ des Hausarztes. „Die notwendigen Testkapazitäten fehlen aber auch noch. Ich finde, im Moment ist das zu viel Aktionismus.“

„Konzept der App sehr gut“

Martin Sassenberg findet das „Konzept der App sehr gut“. Er würde sie nutzen. Die Bedenken liegen seiner Ansicht nach woanders: Wie kann man drauf vertrauen, dass die Daten „wirklich sicher sind und die Privatsphäre geschützt ist?“ Diese Technologie könnte nach der Krise ausgeweitet werden.

Ralf Eggers will nicht „in eine staatliche Totalüberwachung kommen“ und würde deshalb die App auch nicht nutzen wollen. Dennis Krugmann will sie ebenfalls nicht einsetzen und fragt, was als Nächstes kommt – die Impfpflicht gegen Corona? 

Marcel Mundt würde die App deshalb nicht einrichten, weil ihm niemand garantieren könne, das die dort genutzten Daten wirklich nur für die Krise genutzt werden. „Außerdem glaube ich nicht, dass eine App uns aus der Corona Krise führt“, führt der Weyher aus.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Meistgelesene Artikel

Proteste gegen rechte Gewalt – Aktion von Antifa und „Wir sind mehr“

Proteste gegen rechte Gewalt – Aktion von Antifa und „Wir sind mehr“

Proteste gegen rechte Gewalt – Aktion von Antifa und „Wir sind mehr“
Gesucht: Nachfolger mit Zeit für Gespräche

Gesucht: Nachfolger mit Zeit für Gespräche

Gesucht: Nachfolger mit Zeit für Gespräche
Schäden durch Nutrias an Ufern der Hunte

Schäden durch Nutrias an Ufern der Hunte

Schäden durch Nutrias an Ufern der Hunte
Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Kommentare