Frank Pinkus vom Weyher Theater über das geplante zweite Haus

Casting läuft – neue Schauspieler gesucht

Frank Pinkus im Weyher Theater. Er freut sich bereits auf das Haus in Bremen. Foto: Ehlers

Weyhe - Von Sigi Schritt. Seit vielen Jahren schreibt Frank Pinkus Komödien, die zum Kassenschlager werden. Der Dramaturg des Weyher Theaters greift nicht nur zur Feder, er steht sogar selbst auf der Bühne. Anregungen zu den Stücken findet er oft im wahren Leben, er holt sich gemeinsam mit dem Intendanten Kay Kruppa auch Inspiration in England. Wer rastet, der rostet – es scheint, dass das Weyher Theater jetzt einen Gang zulegt, denn es bekommt ein zweites Haus. Im Interview spricht Pinkus über die neuen Pläne.

Das Weyher Theater konzentriert sich nicht nur auf Vorstellungen in der Heimatgemeinde, sondern das Ensemble gibt bald Vorstellungen in Bremen, Thedinghausen und sogar in Dresden. Lassen sich die Extra-Gastspiele mühelos schultern?

Ja, das ist kein Problem, wenn das langfristig in den Spielplan eingebaut wird. „I Walk The Line“ ist ja eine relativ kleine Produktion mit zwei Darstellern und drei Musikern, dazu mit einem nicht so aufwändigen Bühnenbild, das leicht transportiert werden kann, während gleichzeitig in Weyhe ein anderes Stück aus dem Repertoire gespielt wird.

Das Weyher Theater bekommt eine weitere Spielstätte in Bremen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Schon seit geraumer Zeit überlegen wir, ein zweites Haus zu eröffnen, dafür gab es schon sehr unterschiedliche Ideen und Modelle. Das Boulevardtheater Bremen ist für uns die ideale Ergänzung für das Weyher Theater, schnell erreichbar, aber mit einem etwas anderen Einzugsgebiet. Tatsächlich kommt die Initiative von Clemens Paul von der Justus Grosse GmbH. Einer der beiden Geschäftsführer, Clemens Paul, ist ein regelmäßiger Besucher im Weyher Theater und hat Kay Kruppa und mich gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, im Tabakquartier in Woltmershausen ein Komödienhaus aufzubauen. So etwas lässt man sich als Theatermacher nicht zweimal fragen!

Das klingt nach einem Ritterschlag.

Ja, das ist ein Ritterschlag, und es zeigt, welche Wellen unsere jetzt 20-jährige Arbeit am Weyher Theater geschlagen hat und weiterhin schlägt.

80 000 bis 90 000 Besucher kommen pro Jahr nach Weyhe. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Vermutlich unser Gefühl für unser Publikum und das Unterhaltungstheater überhaupt. Wir bemühen uns immer sehr, Stücke zu finden oder zu kreieren, die Geschichten unserer Zeit über ganz normale Menschen erzählen, möglichst sympathische Menschen, die in ungewöhnliche Situationen geraten, die komödiantisch entwickelt werden können. Dazu suchen wir immer nach neuen Schauspielern, die sympathisch über die Rampe kommen.

Was soll in Bremen entstehen?

In Bremen entsteht mit dem Boulevardtheater Bremen eine zweite Spielstätte für uns. Das Theater wird nach derzeitigem Stand 385 Plätze haben und nach den neuesten technischen Erkenntnissen gebaut werden, die Bühne wird eine ähnliche Größe haben wie unsere in Weyhe, mit Drehbühne und allem Drum und Dran und eben auch der neuesten Licht- und Tontechnik. Die Firma Justus Grosse wird uns das Haus nach unseren Wünschen bauen und im Sommer 2021 schlüsselfertig übergeben. Das Weyher Theater wird Mieter dieses Theaters werden. Mitten im Tabakquartier, das ganz sicher ein neues, lebendiges, pulsierendes Bremer Viertel wird, werden wir in einer denkmalgeschützten Lagerhalle einen traumhaft schönen Raum erhalten, dazu ein großes Foyer, eine riesige Hinterbühne, eine Probebühne, Garderoben, Werkstätten, Büros und großen Lagerräumen.

Wird das Weyher Konzept vollständig auf Bremen übertragen?

Ja. Wir sind von unserem Konzept eines Unterhaltungstheaters nach wie vor überzeugt. Unser Motto, unsere Zuschauer sollen das Haus glücklicher und fröhlicher verlassen, als sie es betreten haben, gilt auch für das Boulevardtheater Bremen.

Laufen die gleichen Stücke wie in Weyhe?

Wir werden nicht dieselben Stücke in Bremen auf den Spielplan setzen, die auch in Weyhe laufen. Vielleicht wird der eine oder andere Hit aus 20 Weyher Jahren seinen Weg auf eine Bremer Bühne finden. Prinzipiell aber wird es in Weyhe weiterhin fünf Abendpremieren und ein Märchen geben und in Bremen fünf Abendpremieren mit grundsätzlich anderen Stücken.

Das Weyher Theater ist ein florierender Geschäftsbetrieb mit einigen Festanstellungen geworden. Wie viele Mitarbeiter hat es derzeit?

Cirka 60 Mitarbeiter, von 450 Euro-Jobs bis hin zu Festanstellungen.

Das Unternehmen wird mit einem ordentlichen Sprung wachsen. Wann geht das Casting für das Bremer Ensemble los? Welche Mitarbeiter für welche Positionen sucht ihr?

Tatsächlich hat das Casting bereits begonnen. Wir suchen für Bremen ein völlig neues Ensemble von cirka 15 Schauspielern. Die Weyher Kollegen werden nur hin und wieder auch am Boulevardtheater Bremen spielen und bleiben den Weyhern also erhalten. Dazu werden wir Mitarbeiter für die Kasse, für das Büro, für den Einlass, für die Werkstatt, für die Schneiderei, die Maske und die Gastronomie suchen, allerdings erst 2021.

Wie eigenständig soll das neue Haus werden? Bekommt es einen eigenen Regisseur, Intendanten und Geschäftsführer oder kann alles von Weyhe aus gesteuert werden?

Das Boulevardtheater Bremen wird ein zweites Haus für uns werden. Die Verwaltung, die Intendanz und die Dramaturgie sind für beide Häuser zuständig. Die Regisseure unseres Hauses werden sowohl in Weyhe als auch in Bremen arbeiten.

Das Packhaus-Theater nennt sich Komödie Bremen, auf der Weser schwimmt das Theaterschiff, und künftig buhlen die Weyher mit dem Boulevardtheater Bremen um das Publikum. Ist der Markt groß genug für alle?

Davon sind wir fest überzeugt, sonst hätten wir dieses großartige Angebot nicht angenommen. Seit das Waldau-Theater geschlossen wurde, gibt es in Bremen kein großes Boulevardtheater mehr. Zum Vergleich: In Dresden, ähnlich groß wie Bremen, gibt es zwei große Komödienhäuser. Und das Programm, das wir machen, gibt es in dieser Form in Bremen nicht. Wir haben großen Respekt vor dem, was die Kollegen am Packhaustheater, am Schiff und am Fritz leisten. Aber wir glauben, es gibt auch in Bremen einen großen Bedarf für gute Unterhaltung.

Es ist über Jahre gelungen, erfolgreiche Stücke für Weyhe zu schreiben. Allein das ist schon ein Kraftakt. Das Bremer Projekt soll ebenfalls erfolgreich werden. Besteht die Gefahr, sich zu verzetteln?

Die sehen wir nicht, das haben uns schon viele gefragt. Kay Kruppa und ich haben sehr, sehr viele Ideen und Theaterträume, und wir freuen uns auf die zusätzlichen Möglichkeiten eines zweiten Hauses. Diese Perspektiven reizen und motivieren uns sehr!

Das Erfolgsduo Kay Kruppa und Frank Pinkus hat sich durch regelmäßige London-Trips auf dem englischen Theatermarkt Inspiration für deutsche Schenkelklopfer-Stücke geholt. Befürchtet Ihr Einschränkungen durch den Brexit?

Ehrlich gesagt: Ja. Was die Briten da tun beziehungsweise getan haben, halten wir für leichtsinnig und unbedacht. Aber nun ist es so, wie es ist. Und es gibt so viele Möglichkeiten, sich weiter und neu inspirieren zu lassen. Man muss nur offen sein und diese Möglichkeiten sehen und ergreifen.

Der Theater-Geschäftsführer Heinz-Hermann Kuhlmann hat oft gesagt, dass das Genre Komödie in Schauspielschulen zu wenig vorkommt. Wie wäre es mit einer eigenen Akademie? Gibt es solche Überlegungen?

Ich weiß gar nicht, ob das immer stimmt, dass die Kollegen an den Schauspielschulen nicht auf Komödien vorbereitet werden. Was aber ganz sicher stimmt: Komödie ist und bleibt das Schwierigste, was es gibt, das sagt jeder Schauspieler, den wir kennen. Dazu gehört eine gewisse Begabung, ein Gehör, ein bestimmtes „Feeling“, das man nicht lernen kann. Und das kann keine Schauspielschule vermitteln. Was nicht die Schuld der Schauspielschulen ist.

Keine Aufführung in der Geschichte des Weyher Theaters hat das Publikum so bewegt und mitgerissen wie die Johnny Cash-Biografie „CASH“ aus der Feder von Kay Kruppa und Frank Pinkus – und das fünf Jahre lang in 189 ausverkauften Vorstellungen. Eine veränderte Lage der Musikrechte vereitelte 2015 die Fortsetzung. Die Nachfrage der Zuschauer versiegte ebenso wenig wie die Liebe des Weyher Theaters – und vor allem des Intendanten Kay Kruppas, der die Legende damals verkörperte – zu Johnny Cashs unvergessener Musik, entstand der Liederabend „I Walk The Line”. Kruppa präsentiert außerhalb von Weyhe – begleitet von Patrick und Kevin Kuhlmann und Michael Haupt sowie Lisette Groot – knapp 30 Songs und ein paar Geschichten aus Johnny Cashs Leben.

Zurzeit gibt es drei Termine:

Montag, 27. April: Boulevardtheater Dresden

Freitag, 12. Juni: Metropol-Theater Bremen

Sonnabend, 13. Juni: Schloss Erbhof Thedinghausen (ausverkauft)

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