Furcht vor riskanten Manövern

Bushaltebuchten sollen verschwinden – Reaktionen sind gemischt

Diese und weitere Bushaltebuchten sollen aus dem Weyher Straßenbild verschwinden. Foto: Sigi Schritt
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Diese und weitere Bushaltebuchten sollen aus dem Weyher Straßenbild verschwinden.

Weyhe - Des einen Freud’, des anderen Leid, heißt es in einem Sprichwort. Das trifft sicherlich auf die Wirkung der Neuerungen zu, die die Gemeinde in den nächsten Monaten für den Straßenverkehr umsetzen will. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans soll der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verbessert werden. Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Update, 7. Januar: Die Ankündigung der Gemeinde, Bushaltebuchten in sogenannte Haltestellenkaps umzuwandeln, hat in den sozialen Medien ein geteiltes Echo ausgelöst. Der jüngste Kreiszeitungsbericht zum Thema war Ausgangspunkt einer regen Diskussion im Internet über das Für und Wider der angestrebten Neuerungen. Die Agentur, die den Verkehrsentwicklungsplan für die Gemeinde ausgearbeitet hatte, findet, dass die Vorteile überwiegen: Es geht dabei um Barrierefreiheit und um zusätzliche Verkehrssicherheit. 

30 Prozent befürworten Abschaffung 

Das finden aber nicht alle prima. Bei einer nicht-repräsentative Online-Umfrage der Kreiszeitung zum Thema, bei der rund 200 Personen abgestimmt haben, befürworten immerhin rund 30 Prozent die Abschaffung der Haltebuchten. Die Mehrheit will sie lieber beibehalten – das zeigt das Stimmungsbild. Rund 14 Prozent der Teilnehmer finden, dass Haltebuchten „nicht entbehrlich“ sind. Rund zehn Prozent der Teilnehmer wollen sie nicht abgeschafft wissen, weil die Bürger glauben, Ausweichmöglichkeiten zu verlieren. 48 Prozent sehen das Problem, dass der Verkehr dadurch noch langsamer wird. 

Reißt Autofahrern der Geduldsfaden?

Mehrere Internet-Nutzer äußern sich kritisch: So würde der Geduldsfaden der Autofahrer reißen. Außerdem befürchten sie haarsträubende Situationen aufgrund des Gegenverkehrs. Hartmut Spille glaubt sogar, dass es zu riskanten Überholmanöver kommen kann, bei dem auch Fahrgäste gefährdet werden könnten. Ein Busfahrer sagt, dass die Haltezeit auch mal länger dauern könnte: Gerade am Monatsanfang müsse man viele Tickets (Wochen- oder Monatskarten) verkaufen, und dadurch könne ein Haltestellenaufenthalt „locker drei Minuten dauern“, sagt er. Die Internet-Nutzerin Andrea Ändru sagt, dass „Haltebuchten nicht entbehrlich sind.“ Alex Suhling äußert bei Facebook in der Gruppe „Weyhe, unsere Gemeinde“ die Befürchtung, dass der „eh’ schon strapazierte Verkehr noch weiter strapaziert“ werde und fragt in die Runde, ob Geld sinnlos verschleudert würde? „Gerade diese Buchten fehlen an manchen Stellen in Bremen, und deshalb verpusten unzählige Autos unnötige Abgase beim erneuten Beschleunigen“, sagt Christian Riesebeck. Wenn die Autofahrer „mit nur wenigen Augenblicken“ sich in Geduld üben müssen, wie lange mussten bisher die Busse auf das Einfädeln warten?, fragt Riesebeck.

Steuergelder lieber „für Spielplätze“ ausgeben

Jasmin Very spricht sich in einem Facebook-Post sogar für mehr Buchten aus. Wenn die Gemeinde einige zugunsten von Buskaps umbauen würde, wäre das für sie ein Rückschritt. Very glaubt, dass haltende Busse auf der Fahrbahn mehr Stehzeit für Autos und höhere Luftverschmutzung zur Folge haben. Außerdem sollten die Steuergelder lieber „für Spielplätze“ ausgegeben werden. 

Eine Befürworterin der Buskaps ist Katrin Kurtz. Sie hat sich als Vorsitzende des zuständigen Ausschusses mit diesem Thema lange beschäftigt und hatte in verschiedenen Diskussionsrunden in den sozialen Medien den Beschluss des Rates verteidigt. Ihr wäre eine Empfehlung lieber gewesen, dass die Leute vor einem Voting zu einer Einzelmaßnahme, erst einmal den gesamten Verkehrsentwicklungsplan lesen, „um den Gesamtzusammenhang herzustellen“. 

Kurtz findet es schade, dass „diese Umfragen nicht stattgefunden haben, als der Plan noch in der öffentlichen Diskussion war“. Er ist inzwischen beschlossen worden. „Auch das in öffentlicher Sitzung.“ Zwischen dem 3. Juli und dem 30. August hatte man die Unterlagen laut Kurtz einsehen sowie Eingaben dazu machen können. Sie führt online aus, dass am 2. Juli der Entwurf in der KGS Kirchweyhe vorgestellt wurde.

Originaltext, 2. Januar: Ein gewichtiger Baustein ist laut Gemeindepressesprecher Sebastian Kelm die Abschaffung der Haltebuchten für Busse, die es in der Wesergemeinde zahlreich gibt. Das habe Vorteile für die Linienbusse, so der Rathausmitarbeiter: Busfahrer müssten ihre Fahrzeuge nicht mehr in den Verkehr einfädeln, ergänzt Kelm. Die eigentliche Fahrbahn müssten die Busse bei einem Stopp also nicht verlassen.

Die Haltestellen sollen nach den Plänen der Verwaltung künftig direkt an die (asphaltierten) Straßen heranrücken.

Was bedeutet das zum Beispiel für die Haltebucht an der Hauptstraße in Leeste, die sich direkt am Ärztezentrum befindet? Das Kopfsteinpflaster wird aufgenommen, und die Haltestelle wird versetzt. Die beabsichtigte Folge: Der Geh- und Radweg an dieser Stelle wird breiter. Das bedeutet laut Kelm, dass Radfahrer entspannter an den Wartenden vorbeikommen.

Autos müssen auf Fahrgäste an Haltestellen warten

Sollte nach der Umrüstung an der neuen Haltestelle ein Bus stoppen, wird der fließende Autoverkehr aber Einschränkungen hinnehmen. Das sei beabsichtigt, so Kelm. Die Verwaltung geht allerdings nur von einer geringen Wartezeit für die nachfolgenden Autos aus. Es würden pro Haltestelle nicht ganze Reisegruppen, sondern nur ein paar Fahrgäste zusteigen, sagt Kelm auf Nachfrage.

Zahlen zu diesem Projekt, wie viele Haltestellen es genau betrifft und auch mit welchen Kosten zu rechnen sind, hat die Verwaltung nicht genannt.

Für die Nutzer des ÖPNV gibt es noch weitere Vorteile: Die Einstiege sollen künftig allesamt barrierefrei sein, so die Gemeinde.

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