Bürgermeisterwahl im Mai: Nils Krämers Achtungserfolg gegen den Favoriten Andreas Bovenschulte

Klar und doch knapp

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Andreas Bovenschulte (Bild) ist der Nachfolger von Bürgermeister Frank Lemmermann.

Weyhe - Von Philipp Köster. „Klarer Vorsprung, der überraschend knapp ausfällt“, titelte am 26. Mai diese Zeitung nach der Wahl von Andreas Bovenschulte zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Weyhe. Mit 55,6 Prozent hatte sich der Erste Gemeinderat tags zuvor gegen den Einzelbewerber Nils Krämer durchgesetzt.

1500 Stimmen Vorsprung wertete Bovenschulte als klares Ergebnis für sich. Es habe sich aber als richtig erwiesen, bis zum Schluss um jedes Votum zu werben.

Der Kirchweyher Krämer hatte mehr als 6000 Stimmen bekommen: gegen den Verwaltungsbeamten in Leitungsposition mit siebenjähriger Rathauserfahrung, gegen den Wunschkandidaten nicht nur von Amtsinhaber Frank Lemmermann, sondern auch der drei großen Fraktionen im Rat, SPD, CDU und Grüne.

Der 42-jährige Krämer hatte konsequent auf die Karte „Stallgeruch“ gesetzt. „Ein Weyher für Weyhe“ – das war der offenbar zugkräftige Slogan des für den in Kommunalpolitik und Verwaltung unerfahrenen Manns aus der Wirtschaft.

Erst im März hatte der Vertriebsmanager seinen Hut in den Ring geworfen, auch ohne Unterstützung durch die CDU, die lange nach einem eigenen Kandidaten gesucht hatte, der gegen den ehemaligen Bremer SPD-Landesvorsitzenden Bovenschulte antreten würde. CDU-Chef Struthoff hatte stets betont, Verwaltungserfahrung an leitender Stelle sei unerlässlich. Krämer, immerhin einige Zeit CDU-Mitglied, konnte die nicht vorweisen und scheiterte mit seiner Bitte um christdemokratische Hilfe.

Doch das machte Krämer nicht bange. Er sammelte einen eigenen privaten Unterstützerkreis um sich, konnte auf Hilfe der FDP zählen und ging mit einigen neuen Ideen an die Öffentlichkeit. So wollte er zum Beispiel die Einwohnerzahl Weyhes durch Ausweisung neuer Baugebiete erhöhen, um angesichts sinkender Gewerbesteuereinnahmen höhere Einkommenssteuerumlagen zu kassieren. Mit seiner Kritik an der Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 erhielt er von den Skeptikern an der Tram in der Bevölkerung Zustimmung. Die ablehnende Haltung an der Route über Huchting und Stuhr nach Leeste erneuerte er im Sommer, als er eine Eingabe gegen das Planfeststellungsverfahren (PFV) in Bremen einreichte, die sich jedoch ausschließlich auf Weyher Belange bezog. Das PFV auf niedersächsischer Seite war aber bereit 2013 abgeschlossen.

Auch mit der Kritik an der Erhöhung der Kitagebühren wollte Krämer punkten. Selbst die Idee, Bürgerbusse zu Dodenhof fahren zu lassen, geäußert auf der Podiumsdiskussion der Kreiszeitung mit beiden Kandidaten im Rathaus, sprach er aus.

Das gute Ergebnis nach der Wahl nahm Nils Krämer zum Anlass über ein Engagement seines Wahlfreundeskreises auf dem Wege zur Kommunalwahl 2016 nachzudenken. „Eine Eintagsfliege war das sicher nicht.“

Andreas Bovenschulte trat am 1. November sein neues Amt als Bürgermeister an. Zu seiner Nachfolgerin wählte der Rat Mitte November Kämmerin Ina Pundsack-Bleith.

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