Bürgermeister Andreas Bovenschulte blickt auf sein erstes Amtsjahr zurück

„Ein Wechsel nach Bremen stand nie zur Debatte“

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Viel dazu gelernt: Andreas Bovenschulte bei einem von neun Bürgergesprächen. Archivfoto: Ehlers

Weyhe - Seit 13 Monaten ist Andreas Bovenschulte Bürgermeister der Gemeinde. Im Interview stellt er sich den Fragen von Redakteur Sigi Schritt. Der Verwaltungschef bilanziert die Bürgergespräche in den Ortsteilen, nimmt Stellung zur Nachfolge von Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen und gibt Auskunft über das „Dream Team“ an der Rathausspitze.

Sie sind Verwaltungsleiter einer großen Behörde mit rund 500 Mitarbeitern. Haben Sie schon den richtigen Führungsstil gefunden?

Bovenschulte: Ich hoffe, aber da müssten Sie natürlich in erster Linie meine Kolleginnen und Kollegen fragen.

Haben Sie in Ihrem ersten Jahr als Bürgermeister neue Seiten an sich entdeckt?

Bevor ich zum Bürgermeister gewählt wurde, war ich ja schon sieben Jahre lang Erster Gemeinderat und stellvertretender Verwaltungschef in Weyhe. Insofern ist die jetzige Situation nicht völlig neu für mich. Aber klar, es macht einen Unterschied, ob man Stellvertreter ist oder ob man als Bürgermeister die Letztverantwortung trägt, insbesondere auch für unangenehme Entscheidungen. Da muss man manchmal schon etwas deutlicher werden.

Mitarbeiter bezeichnen die Verwaltungsspitze mit Ihnen und der Ersten Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith als Dream-Team. Ist das auch so?

Ich kann mir keine bessere Stellvertreterin als Ina Pundsack-Bleith vorstellen. Die Zusammenarbeit klappt hervorragend, und ich denke, wir ergänzen uns sehr gut.

Als nach dem Rücktritt des Bremer Bürgermeisters Jens Böhrnsen der Ruf ertönte, ein Kandidat für die Nachfolge zu sein, kam prompt Ihre Absage. Kommunalpolitiker sagen, ab diesem Zeitpunkt ist „Bovi“ in Weyhe angekommen. Stimmt das?

Meinen Dienst bei der Gemeinde Weyhe habe ich im Mai 2007 angetreten und mich sofort richtig wohl hier gefühlt. Die Arbeit hat mir von Anfang an große Freude bereitet. Das Ankommen liegt also schon ein paar Jahre zurück. Und ein Wechsel nach Bremen als Nachfolger von Jens Böhrnsen stand nie zur Debatte.

Sie haben Ihr Wahlversprechen eingelöst, alle Ortsteile zu bereisen. Rund 800 Menschen haben Ihnen in den Bürgergesprächen zugehört. Haben die Veranstaltungen etwas bewirkt?

Vor allem habe ich eine Menge dazu gelernt. Denn die Bürgerinnen und Bürger haben ja nicht nur zugehört, sondern sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, wo vor Ort der Schuh drückt. Angesprochen wurden zum Beispiel immer wieder die zunehmende Verkehrsbelastung und das öffentliche Erscheinungsbild der Gemeinde. Darauf müssen und werden wir reagieren, unter anderem durch die Aufstockung der Personal- und Sachmittel für die Straßenunterhaltung und die Grünpflege und durch die Verstärkung der kommunalen Verkehrsüberwachung. Natürlich werden wir nicht alle Wünsche erfüllen können, und manches wird angesichts der beschränkten Ressourcen der Verwaltung auch etwas länger dauern. Aber ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.

Die Parteien im Rat haben großen Einfluss auf Ihr Wirken im Rathaus. Konnten Sie ihre Vorstellungen gegenüber den Fraktionen durchsetzen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Parteien in Weyhe sehr sachorientiert arbeiten. Im Mittelpunkt steht das Wohl der Gemeinde und der Bürgerinnen und Bürger, nicht die ideologische Auseinandersetzung. Natürlich gibt es gelegentlich auch mal hitzige und kontroverse Diskussionen, das gehört zu einer lebendigen kommunalen Demokratie dazu. Aber immer wenn es drauf ankam, haben Politik und Verwaltung in den letzten Jahren an einem Strang gezogen. Ich hoffe und gehe davon aus, dass dies auch künftig so bleiben wird.

Sind Umfragen wie etwa zum Maskenbrunnen – sei es von den Medien oder von der Gemeinde – künftig ein Weg, um Bürger für politische Entscheidungen zu sensibilisieren?

Selbstverständlich, solche Initiativen tragen zu einem lebendigen und offenen Diskussionsklima in unserer Gemeinde bei und helfen, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern empfundene Distanz zur „offiziellen“ Politik zu verringern.

Sind Bürgerbeteiligungen (wie in Bremen zum „Neuen Hulsbergviertel“) auch für Weyhe umsetzbar? An welche Projekte könnte man in Weyhe denken?

In Weyhe gibt es seit jeher intensive und vielfältige Bürgerbeteiligungen, da brauchen wir uns hinter Bremen nicht zu verstecken. Und natürlich wollen wir dieses Instrument auch künftig nutzen, etwa bei der Sanierung des Leester Ortskerns und bei der Weiterentwicklung des Marktplatzes in Kirchweyhe.

Sie stehen an der Spitze des Kommunalverbunds Niedersachsen/Bremen: Welchen Mehrwert bringt dieses Amt für die Wesergemeinde?

Es gibt etliche Probleme, die sich nicht lokal sondern nur regional lösen lassen. Ein Beispiel ist die Steuerung des großflächigen Einzelhandels. Wir müssen die Orts- und Stadtteilzentren gegen immer noch mehr Verkaufsflächen auf der grünen Wiese schützen, weil sie sonst veröden und die Leerstände zunehmen. Das kann aber keine Gemeinde alleine leisten, das geht nur in enger Abstimmung mit den Nachbarkommunen im Rahmen des Kommunalverbunds.

Als die Gemeinde die Marina Wieltsee damals ersteigert hatte, haben viele Stimmen genörgelt: Wie bewerten Sie das Projekt jetzt?

Die Marina Wieltsee ist eine echte Erfolgsgeschichte, wie jeder weiß, der in diesem Sommer mal auf ein Getränk bei „Smokey Island“ reingeschaut hat. Das freut mich auch ganz persönlich, denn die Neuaufstellung der Marina war eines der ersten Vorhaben, das ich als Erster Gemeinderat wesentlich mit initiiert und begleitet habe. Mir zeigt das Beispiel, dass man auch mal den Mut haben muss zunächst unpopuläre Projekte anzuschieben.

Welches sind Ihre Herausforderungen fürs nächste Jahr?

Eine wesentliche Herausforderung wird natürlich die Unterbringung und Integration der zu uns kommenden Flüchtlinge bleiben. Dabei wird es verstärkt darum gehen, neuen und bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde Weyhe zu schaffen. Und zwar für alle Menschen und für alle Bevölkerungsgruppen, um das ganz deutlich zu sagen. Was wir nämlich unbedingt vermeiden müssen, sind Verteilungskonflikte auf dem Wohnungsmarkt. Weitere Herausforderungen sind zum Beispiel die Sanierung des Leester Ortskerns und die kompakte Sanierung der KGS Leeste, die Weiterentwicklung des Marktplatzes in Kirchweyhe, die Verbesserung der Straßenunterhaltung und der Grünpflege, die Aufstellung eines neuen Verkehrsentwicklungsplans und die Intensivierung der kommunalen Verkehrsüberwachung. Es gibt also viel zu tun, aber jetzt hoffe ich, ehrlich gesagt, erst einmal auf eine besinnliche Vorweihnachtszeit mit etwas mehr Zeit für Familie und Freunde.

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