Bürgergespräch in Erichshof

Belastung durch viel Verkehr

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Knapp 50 Erichshoferinnen und Erichshofer diskutieren rege und sachlich mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

Erichshof - Von Philipp Köster. Ganz am Ende ging es dann doch noch um das Thema Straßenbahn. Zuvor hatten die Erichshofer bei „ihrer“ Bürgerversammlung mit Verwaltungschef Andreas Bovenschulte am Donnerstagabend zweieinhalb Stunden meist über jene Themen diskutiert, die auch in den bisherigen sechs Diskussionsrunden in den Ortsteilen zur Sprache gekommen waren: Verkehr, Infrastruktur und Grünpflege.

Vor allem die Belastung durch Autos und Laster, sei es schnell fahrend, sei es parkend, liegt den Erichshofern auf der Seele. Als neuralgische Punkte brachten die Teilnehmer die Angelser Kreuzung mit den Einkaufsmärkten und Autohäusern nebst entsprechendem Anlieferverkehr sowie die Erichshofer und die Hombachstraße als Durchfahrtsrouten hervor.

Dem Vernehmen nach soll sich der Discounter Netto auf dem Areal des abgerissenen Gebäudes vom früheren Reifenhandel Meyer & Bolte ansiedeln wollen. Eine Bestätigung von der Konzernzentrale war gestern nicht zu bekommen. Baudirektor Steffen Nadrowski teilte auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass es aber bereits seit 1985 Baurecht für einen solchen Markt gebe.

Bovenschulte verwies beim Bürgergespräch wie auch schon in den anderen Versammlungen auf das gesamtgesellschaftliche Problem der immensen Zunahme der Fahrzeuganzahl. An diese Wurzel des Problems komme man nicht ran: „Die Gemeinde hat keinen Einfluss auf die Menge des Verkehrs.“ Man könne nur Symptome ändern und Rahmenbedingungen schaffen, etwa gefahrloses Radfahren und eine dezentrale Versorgung ermöglichen sowie den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen.

Bovenschulte versprach jedoch konkret, bei der niedersächsischen Verkehrsbehörde nachzuhaken, ob nicht die – aus Sicht vieler lärmgeplagter Bürger – unsinnige Tempo-70-Regelung an der Angelser Kreuzung aufgehoben werden könne. Von Durchfahrtsverboten, Parkraumsperrungen und Ampelphasenänderungen hält der Verwaltungschef jedoch nicht viel. „Wenn Sie Ihren 50. Geburtstag feiern, freuen Sie sich doch auch, dass Ihre Gäste auf der Straße parken dürfen.“ Was die Gemeinde jedoch in Angriff nehmen will, ist, den Gesamtentwicklungsplan Verkehr für die Kommune neu aufzulegen.

Die am Ende der Veranstaltung latent vorgetragene Kritik an der Verlängerung der Linie 8 konnte der Bürgermeister nicht nachvollziehen, sorge sie doch neben einer nur 35-minütigen Fahrt dreimal stündlich ins Oberzentrum Bremen auch für Linderung der Verkehrsproblematik. Vor allem für den westlichen Ortsteil Erichshof bedeute die Tram zudem einen wichtigen Baustein der „Zukunftssicherung“.

Stichwort Parken: Weyhe befinde sich in Diskussionen mit dem Landkreis, ob die vorgeschriebenen eineinhalb Parkplätze pro Wohneinheit ausreichend seien. Ein Bürger hatte das als zu wenig kritisiert vor dem Hintergrund, dass auch in Erichshof Mehrgeschossbauten entstünden, deren Bewohner viele Fahrzeuge besitzen.

Apropos Mehrfamilienhäuser: Die würden vor allen von Weyhern nachgefragt. Die Wohnungen seien sofort verkauft. „Wir kommen da nicht vollständig drumherum“, sagte Bovenschulte. Aber durch die Bürgergespräche sei er „sensibilisiert“, was den Bau von Stadtvillen & Co. anbelangt.

Was einigen Erichshofern ebenfalls unter den Nägeln brennt, ist der Zustand der Verkehrswege, beispielsweise die Huntestraße. Der Verwaltungsboss verwies dazu auf das Gemeindesanierungsprogramm, nach dem jährlich zwei „abgängige“ oder noch nie richtig hergestellte Straßen hergerichtet werden. Allerdings entstünden dadurch Gebühren, die die Anlieger zum Teil zu tragen hätten. „Und dann haben wir im Rathaus innerhalb von einem Tag eine Liste mit den Unterschriften aller Anwohner, die sich wegen der Kosten gegen die Sanierung aussprechen.“

Weitere Themen: Grundwasserbelastung durch Düngung aus landwirtschaftlichen Fahrzeugen mit Vechtaer und Cloppenburger Kennzeichen sowie der Zuzug von Flüchtlingen. Dazu bemerkte der Bürgermeister, dass das Konzept der dezentralen Unterbringung in Weyhe voll aufgehe. Die Gemeinde sei – auch nach dem Kauf des „Golden Ox“ in Melchiorshausen – weiter auf der Suche nach Immobilien.

In Punkto Grünflächen gab Bovenschulte über das Ansinnen von Politik und Verwaltung Auskunft, den Baubetriebshof personell aufzustocken. Zurzeit könne er seiner Aufgaben nicht Herr werden. Er übernehme aber zu einem Drittel auch Dienste, die nicht ursächlich zu seiner To-do-List gehören. Eine öffentliche Straßenreinigung sei eine Idee, sei aber auch mit Kosten verbunden, die die Bürger zu tragen hätten.

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