Briefmarken mit bunten Motiven landen in Boxen / Spender halten Bethel-Sammelstelle seit 130 Jahren am Laufen

Wenn die Mars-Mission in Weyhe auf Olympia trifft

Seit fünf Jahren gibt es diesen Service im Weyher Rathaus: Wer Marken übrig hat, kann sie in eine Sammelbox werfen.
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Seit fünf Jahren gibt es diesen Service im Weyher Rathaus: Wer Marken übrig hat, kann sie in eine Sammelbox werfen.

Weyhe – Welche Gemeinsamkeit hat das Weyher Rathaus mit dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, dem Finanzamt in Emden, der Hochschule für Technik in Stuttgart und dem ZDF Hauptstadtstudio Berlin? Die Antwort: Das sind alles Orte, die bei den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel zu den offiziellen Briefmarkensammelstellen zählen. In der Wesergemeinde gibt es neben dem Rathaus zwei weitere Sammelstellen:

im Lidl-Markt in Kirchweyhe sowie im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde in Leeste. An allen Orten finden Menschen eine Box, in der sie Briefmarken einwerfen können.

„Ich finde die Aktion gut“, sagt Holger Hiepler, Pastor der Leester Kirchengemeinde. „Damit bin ich schon zur Welt gekommen.“ Wie sein Vater habe auch er Briefmarken gesammelt. Was Vater und Sohn nicht benötigten, hätten sie damals nach Bethel geschickt. Sie hätten die Arbeit, die Menschen mit Einschränkungen seit Jahrzehnten schon verrichten, wertgeschätzt.

Im Rathaus Weyhe befindet sich die Sammelbox an einer Ecke des Informationstresens. Die Pappschachtel ist bereits vollgestopft mit Marken. Darunter hat jemand ein Album positioniert, in dem Postwertzeichen aus aller Welt eingeklebt sind. Wer in diesem Album blättert, sieht, dass die vielen Marken nach Themen sortiert sind. Briefmarken aus den USA sind ebenso zu sehen wie aus anderen Ländern rund um den Erdball. Manche Motive drehen sich zum Beispiel um die Raumfahrt: Das Apollo-Programm der Amerikaner wird ebenso dargestellt wie Mars-Missionen.

Ein weiteres Themenfeld sind die Olympischen Spiele. Diese Wertzeichen nehmen den Betrachter mit auf eine Zeitreise zu den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko, 1972 in München sowie in andere Jahre, in denen die DDR noch existierte. Zu sehen sind außerdem die Gesichter von Präsidenten und Staatschefs verschiedener Länder.

Gemeinde sammelt seit 5 Jahren Briefmarken

Seit rund fünf Jahren beteiligt sich Weyhe an den Sammlungen, sagt Sebastian Kelm, Sprecher der Gemeinde. Rathaus-Mitarbeiter würden die Schachtel füllen, natürlich mit schönen Marken, ergänzt Kelm. „Der Verwaltungsservice schickt die volle Box etwa drei bis vier Mal im Jahr an Bethel zurück.“ Die Aktion werde fortgeführt, kündigt er an.

Die vielen Sammelstellen, die die Spenden kollektivieren, halten das System in Schwung, das Friedrich von Bodelschwingh vor mehr als 130 Jahren eingerichtet hat. Die Briefmarkenstelle Bethel ist laut Ingolf Semper, Pressesprecher bei Bethel, eine der ältesten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. Von Bodelschwingh hatte die Idee, „mit dem Sammeln der entwerteten Briefmarken, eine sinnvolle Beschäftigung für behinderte Menschen einzurichten, die ihren oft eingeschränkten Fertigkeiten entspricht“.

Das Sammeln von Briefmarken sei nach wie vor wichtig, sagt Semper. „Es gibt einen großen Markt.“ Sammler bestellen beispielsweise ganze Pakete, die unterschiedlich schwer sind, und begeben sich dann auf die Suche nach den kleinen oder großen Schätzchen.

Wie kommen die Marken nach Bethel und was passiert dort mit ihnen? Jede Sammelstelle, auch die in Weyhe, hätte eine Box, die mit einer Innenschachtel versehen sei. Die schickt man zu Bethel. Insgesamt gebe es mehr als 120 Menschen mit Behinderung, die die Marken zunächst ausgeschnitten und manchmal auch vom Papier ablösen. „Die Sammelstelle hat ein spezielles Verfahren entwickelt“, erklärt Semper.

Anschließend werden die Marken sortiert. Ob abgestempelt oder postfrisch – Briefmarkenfreunde erwerben die Wertzeichen zumeist als Kiloware. Im Angebot gibt es zum Beispiel die bunte Mischung aus aller Welt, aus Deutschland oder Motivsammlungen wie Olympia oder Länder. „Mit ein bisschen Glück findet der eine oder andere sogar ein Schnäppchen. Wenn nicht, dann kann man einzelne Marken auch direkt bestellen, damit die eigene Sammlung komplett wird. Der Erlös aus dem Verkauf an Sammler fließt in die diakonische Arbeit in Bethel“, so Semper.

Von Weyhe bis zum Nordpol – so lang wäre ein Band aus Briefmarken, wenn man laut Semper alle Postwertzeichen aneinanderreihen würde, die in einem Jahr in der Briefmarkenstelle Bethel abgegeben werden. Für die Strecke von über 4 000 Kilometern sind rund 130  Millionen Briefmarken nötig.

Von Sigi Schritt

Unendliche Weiten: Der Weltraum. Raumfahrt bildet einen Motivschwerpunkt in diesem Album.
Die Olympische Spiele als Briefmarken-Motive.

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