Erster Weyher Gottesdienst speziell für Rettungskräfte am Sonntag, 28. August

„Es brennt sich immer etwas in der Seele ein“

Pastor Holger Tietz (r.) und der Polizeichef Johann-Dieter Oldenburg hatten die Idee zum Gottesdienst für Einsatzkräfte. - Foto: Schritt

Weyhe - LEESTE - Von Sigi Schritt. Pastor Holger Tietz und der Chef des Polizeikommissiariats, Johann-Dieter Oldenburg, erwarten für Sonntag, 28. August, ein volles Gotteshaus. Denn sie veranstalten gemeinsam mit weiteren Helfern in der Marienkirche einen speziellen Gottesdienst für Einsatzkräfte. „Das ist der erste dieser Art in Weyhe. Neben Polizei und Rettungsdienst beteiligen sich unter anderem alle Ortswehren“, kündigt der Pastor an. Ein Organisationsteam tritt morgen zusammen, um die Detailplanung zu erledigen.

Neben dem Geistlichen und dem Ordnungshüter beteiligen sich auch der leitende Notarzt, Andreas Callies, und der Vize-Gemeindebrandmeister Bernd Scharringhausen an dem einzigartigen Projekt.

„Es wird kein herkömmlicher Gottesdienst“, ist sich Tietz sicher. Es geht nicht nur um Plakate, Werbung und Grillwürstchen, sondern auch darum, wer sich am Vormittag einbringen möchte. „Wir sind sehr offen, das sensible Thema anzugehen“, so Tietz bei einer Vorbesprechung im Kommissariat. „Es werden sich viele engagierte Leute beteiligen“, glauben Tietz und Oldenburg.

So ein spezieller Gottesdienst sei längst überfällig, so Tietz, weil manche Einsätze tiefe Spuren im Unterbewusstsein hinterlassen. „Es brennt sich immer etwas in der Seele ein“, sagt Tietz. Er weiß, wovon er spricht. Denn der Erichshofer arbeitet nicht nur als Pastor in Leeste, sondern auch als Notfallseelsorger und als Dozent an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Loy. Dort lautet sein Thema „Krisen und Katastrophen“. Er will die Feuerwehrmitglieder stabilisieren, das Leben zu meistern, die beispielsweise im Einsatz miterleben, wie ein Mensch verbrennt. „Es bleibt immer etwas hängen“, pflichtet ihm Johann-Dieter Oldenburg bei. „Man versucht, die Erlebnisse wegzustecken, doch diese nimmt man mit ins Grab“, sagt Tietz. Er berichtete von einem DRK-Helfer, der nach einem eigentlich einfachen Einsatz, bei dem lediglich ein gebrochener Arm versorgt werden musste, weinend am Straßenrand saß. „Man kann viel Leid verkraften. Aber irgendwann kommt der Punkt, da läuft das Fass über.“

Daran knüpft Tietz auch mit diesem besonderen Gottesdienst an. „Die Feuerwehr und Notfallhelfer wissen, dass es Strukturen gibt, um reden zu können.“ Und darum geht es auch im Gottesdienst: Gespräche anzubieten, sich mit anderen über zurückliegende größere Geschehnisse auszutauschen. Deshalb bietet die Mittagsrunde mit Würstchen Gelegenheit, an die Schilderungen aus dem Gottesdienst anzuknüpfen. „Es gibt Bilder, die wird man nicht los“, sagt Tietz. „Die sind auf der eigenen Festplatte eingebrannt. Doch die Betroffenen sollen wissen, dass sie mit ihren Bildern nicht alleine sind und aufgefangen werden.“

Es gibt allerdings auch einige Zeitgenossen, die sehen die Einsatzkräfte lediglich als Dienstleiter an, wofür sie schließlich nach deren Sichtweise Geld oder Entschädigungen bekommen. Doch für Tietz leisten Polizei, Feuerwehr und Co. weitaus mehr: Die Arbeit der Rettungskräfte ist eine Folgeerscheinung des diakonischen Auftrags aller Christen zum Thema Nächtenliebe, sagt er. Dabei gehe es ihm nicht um fromme Reden, sondern um ein entschlossenes Handeln. Die für Ende August geplante Veranstaltung, dient auch dazu, diese Arbeit wertzuschätzen.

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