Im Livestream der Leester Kirchengemeinde musiziert Andreas Bovenschulte mit dem Pop-Kantor Sören Tesch

Bremer Senatspräsident ist ein „echter Mucker“

Wäre Andreas Bovenschulte (links) nicht Politiker geworden, wäre er ein Profi auf der Bühne, findet der Pop-Kantor Sören Tesch.  
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Wäre Andreas Bovenschulte (links) nicht Politiker geworden, wäre er ein Profi auf der Bühne, findet der Pop-Kantor Sören Tesch. Foto: Sigi Schritt
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Weyhe – Die musikalische Seite von Andreas Bovenschulte ist deutschlandweit sicherlich noch nicht so bekannt wie in der Weyher Wesergemeinde. Der Bremer Senatspräsident sei aber ein „echter Mucker“, urteilt der Leester Pop-Kantor Sören Tesch über Andreas Bovenschulte. Nach dem Wechsel vom Rathaus Weyhe ins Rathaus der nahen Hansestadt, musizieren Bovenschulte und Tesch wieder zusammen – im Rahmen des Facebook-Livestreams der Leester Kirchengemeinde mit dem Titel „Das Weyher Gespräch über Gott und die Welt“.

Wäre Bovenschulte nicht Politiker geworden, wäre er sicherlich ein Profi auf der Bühne, glaubt Tesch. Er habe schließlich Musik im Blut. Das Lob kommt aus berufenem Mund – war Tesch doch Bovenschultes Musiklehrer, als der SPD-Politiker über Jahre an der Spitze die Geschicke der Verwaltung Weyhes lenkte. Seit Bovenschulte Mitte August vergangenen Jahres in Bremen vom gewählten Abgeordneten der Bremer Bürgerschaft über den Posten des SPD-Fraktionsvorsitzenden bis zum Senatspräsidenten einen kometenhaften Aufstieg hinlegte, war er plötzlich auf vielen TV-Bildschirmen in Deutschland präsent. Wenn eine Kamera auf ihn gerichtet war, ging es aber meistens um andere Themen als um Musik. Die meisten Auftritte in der Tagesschau sowie den Tagesthemen der ARD, den Nachrichtensendungen des ZDF oder in der Radio-Bremen-Sendung Buten&Binnen handelten von der Corona-Krise und von den Fragen, wie das Bundesland Bremen auf die Herausforderungen der Pandemie reagiert. Nun kitzelte die Leester Kirchengemeinde Bovenschultes Leidenschaft heraus: Das kam an. Laut Facebook-Statistik hatte der Livestream-Beitrag bis Mittwochabend rund 8 000 Internet-Nutzer in mehreren Bundesländern erreicht, die die Möglichkeit hatten, den Senatspräsidenten spielen zu hören.

Noch bevor Bovenschulte sich den Fragen von Pastor Ulrich Krause-Röhrs stellte, tauschten sich Bovenschulte und Tesch über Songs aus. Während die Organisatoren noch die Ausrüstung für die Livesendung ausbreiteten und Kabel verlegten, setzte sich Bovenschulte zu Tesch ans Klavier, schnappte sich eine Bass-Gitarre und legte los. Das Lied, das Tesch anstimmte, war „That’s Entertainment“ von The Jam, eine alte englische Mod-Punk-Band um Paul Weller. Beide hatten richtig Spaß, das sah man ihnen an. Lange vor dem Startbeginn der Sendung gab es sogar Zuhörer – die Personenschützer, die für die Sicherheit des Senatspräsidenten zuständig waren.

„Der Bremer Bürgermeister spielt Bass und Gitarre. Singen kann er ja auch noch“, so Tesch. Dass er gemeinsam mit Bovenschulte am Ende des Livestreams ohne große Probe einen Blues „zusammen gejammt haben, geht nur mit musikalischen Menschen“, findet der Pop-Kantor.

Auch Bovenschulte machte einen glücklichen Eindruck nach der Sendung. Er hat zudem zahlreiche positive Kommentare geerntet – sogar von seinen ehemaligen Ratskollegen. Bovenschulte habe „Empathie, Besonnenheit und Nahbarkeit. So kennen wir Dich“, findet Martina Jenner. „Hervorragend, Andreas!“, kommentiert Peggy Schierenbeck (beide SPD). Den Auftritt bezeichnet Ingrid Söfty (CDU) als „wunderschön“.

Es ging aber nicht nur um die bloße Tatsache, dass er wieder an seiner alten Wirkungsstätte ist, wie der Kommentar auf dem Facebook-Account „KircheLeeste“ von Silke Hoffmann „Willkommen zu Hause, Andreas“ vermuten lässt. Auch für die vielen Antworten und Erklärungen Bovenschultes gab es Lob. Sezer Öncü Durmus aus Bremen kommentierte, der Bremer Senatspräsident habe alles richtig gemacht.

Pastor Krause-Röhrs wollte von Bovenschulte wissen, wie er als Mensch die Corona-Krise erlebt. Der Bremer Senatspräsident blickte zurück in die Zeit der harten Kontaktverbote. Er habe seine Eltern, 82 und 85 Jahre alt, „wochenlang nicht gesehen“. „Das ist mir genauso nahe gegangen wie allen anderen.“

Der Bremer Bürgermeister räumte auf dem roten Sessel im zum Sendestudio umfunktionierten Foyer des Gemeindehauses ein, dass er als politisch Verantwortlicher selbstkritisch jede Entscheidung hinterfrage – „ist sie vielleicht zu hart oder noch nicht hart genug?“ Am Anfang der Pandemie sei viel in seinem Mail-Account los gewesen, dass er angeblich die Gesundheit der Bürger aufs Spiel setze. Er hatte nicht auf Ausgangssperren, sondern auf Kontaktbeschränkungen gesetzt.

Hat die Politik richtig auf die Krise reagiert?, bohrte Krause-Röhrs nach. „Ich würde sagen Ja“, antwortete Bovenschulte. Alle hätten die Bilder aus Italien im Hinterkopf gehabt, als die Zahlen in Deutschland zu explodieren drohten. Soweit dürfe es hier nicht kommen. Um Risiken zu vermeiden habe die Politik mit einem Shutdown reagiert, bei dem große Teile der Wirtschaft und Gesellschaft heruntergefahren worden sind. Mit dem Hinweis auf die Lebenserfahrung merkte Bovenschulte an, dass sicher nicht immer jede einzelne Entscheidung richtig ist. Aber in der Summe hätte die Politik richtig gehandelt.

Bovenschulte gab den Zuschauern Einblicke, wie die Konferenzen und Liveschalten der Ministerpräsidenten-Runde mit der Kanzlerin ablaufen. Es würde dort in Vorlagen „sehr ernsthaft“ Absatz für Absatz diskutiert – und das nicht mit harten Bandagen, sondern im Bemühen, „die beste Lösung zu finden“. Er erinnere sich an eine „legendäre Diskussion“, was der richtige Begriff für die Mund-Nasen-Abdeckung sei.

Der Bremer Bürgermeister ging auf die sogenannten Anti-Corona- sowie Hygiene-Demos ein. „Dort wird ganz viel dummes Zeug erzählt.“ Andererseits sei er froh, dass er in einem freien Land lebe. Solche Meinungen müsse man aushalten, findet er.

Angesprochen auf die Ereignisse in den USA und bei der Frage, ob die Polizei in Deutschland ein Rassismus-Problem habe, sagte Bovenschulte, dass er das zumindest für Bremen beurteilen kann. Es gebe dort kein generelles Problem. Es werde immer Einzelne geben, die rassistische Einstellungen haben.

Video auf

www.facebook.com/KircheLeeste/videos/182993836448588/

Von Sigi Schritt

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