TSV Weyhe-Lahausen

Tennis-Boom ohne Boris-Becker-Bonus

Zeigen kindgerechtes Trainingsmaterial: Nils und Sandra Krämer sowie Platzwart Ralf Sterthues (M.).

Der Tennissparte des TSV Weyhe-Lahausen ist ein Kunststück geglückt: Sie hat zwischen 2013 und 2018 deutlich an Beliebtheit gewonnen – während andere Tennisvereine und -sparten in der Umgebung laut einer Analyse des Tennisbundes Niedersachsen-Bremen (TNB) sogar Mitglieder einbüßen.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Vor dem Hintergrund des Mitgliederzuwachses zählen die Lahauser sogar zu den 30 besten Clubs im Verbandsgebiet, so Nicolas Sanchez de la Torre, beim TNB zuständig für die Vereins- und Sportentwicklung.

Um sogar mehr als 50 Prozent wuchs die Lahauser Sparte. Die Auswertung des Verbands ergab, dass andere Vereine in einer Umgebung von zehn Kilometern um die Wesergemeinde zwölf Prozent verloren. Vergleichbare Tennis-Vereinigungen würden im Verbandsgebiet einen Verlust von sieben Prozent verbuchen. Deshalb gilt die Weyher Sparte für den Verband als ein sogenanntes „Best Practice Beispiel“.

Die Verbandsanalyse hat ebenso ergeben, dass die Mannschaftsquote der Lahauser im Sommer 2018 gegenüber Vergleichsgruppen höher war. Die Quote bildet den Durchschnittswert der Anzahl der gemeldeten Teams pro 100 Mitglieder. Der Lahauser Wert liegt bei 9,6, wobei der der Vereine im Umkreis von zehn Kilometern bei 5,7 liegt. Ähnliche Vereine kommen auf einen Wert von 5,5.

Das war 2013 die Ausgangslage: Die Sparte hatte 31 jugendliche und 30 erwachsene Spielerinnen und Spieler. „Wir haben jetzt insgesamt 175 Mitglieder, also 106 Kinder und Jugendliche sowie 69 Erwachsene“, bilanziert Nils Krämer. Er geht davon aus, dass das Interesse an der Sparte weiter steigt. Denn der Verein stelle eine Menge an.

Am Anfang stand laut Krämer „ein erfolgreich vollzogener Generationswechsel“. Der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter hatte die Sparte von Karl-Heinz Rendigs übernommen. Und auch Jugendwart Jürgen Blankenhagen, der sich rund vier Jahrzehnte in Sachen Tennis engagiert hatte, überließ seinen Posten Sandra Krämer. Blankenhagen unterstützt die Sportler aber weiterhin noch als Vize-Jugendwart.

Nils und Sandra Krämer, Spartenleiter und Jugendwartin, sowie Platzwart Ralf Sterthues erklären das Geheimnis des Erfolgs. Es ist laut Sandra Krämer gelungen, innerhalb kurzer Zeit die Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern. Sie erlernten aber nicht nur die Techniken, sondern es gelang der Sparte, den Mitgliedern in der Gruppe Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Geplant seien Turniere und Camps mit Übernachtungen. „Diese Kombination begeistert die Kinder und Jugendlichen“, so Krämer. Zugpferde wie vor Jahrzehnten Boris Becker oder Steffi Graf seien nicht notwendig.

Bauen seit gestern an einem Spartenhaus, das 20 Quadratmeter Fläche umfassen soll: die Mitglieder der Tennisabteilung des TSV Weyhe-Lahausen. Fotos: Sigi Schritt

Es komme auch gut an, dass Kraftausdrücke nicht erwünscht seien. Spieler entschuldigen sich schon mal, wenn der Ball gegen das Netz gespielt ist, sodass der Lauf des Kontrahenten behindert wird, so Platzwart Ralf Sterthues. Die Kinder und Jugendlichen trainieren platzübergreifend und rotieren. Ehrgeizige Mädchen spielen mit den Jungs zusammen, so Nils Krämer. Stärkere Spieler kümmern sich um die Schwächeren. „Man hilft sich, und das kommt sehr gut an.“ Das kommt sogar so gut an, dass sich mehrere Jugendliche zu Jugendleitern und zu Trainerassistenten ausbilden lassen, der Vorstufe zum Trainer.

Doch die Sparte stößt an ihre Grenzen: Auf der Zentralen Sportanlage muss sich der TSV Weyhe-Lahausen mit einem anderen Verein die vorhandenen acht Spielstätten teilen. Den Lahausern reicht der Platz nicht aus. Nils Krämer plädiert daher für ein anderes Auslastungsmodell. Er kritisiert Sparten, die ihre Plätze nicht voll bespielen können, „und deshalb an freie Trainer untervermieten“.

Wenn die nächste Wintersaison ansteht, wollen die Lahauser Tennisspieler mehr Zeiten in der ZSA-Halle. Nils Krämer kritisiert weiter, dass Fußballer von Oktober bis April Hallenzeiten belegten, obwohl sie laut Krämer nur fünf Wochen dort trainieren. Krämer wünscht sich zudem, dass die Gemeinde die Halle so herrichtet, dass auch ein Turnierbetrieb möglich ist. Deshalb wünschen sich die Lahauser einen Teppichbelag und eine andere Linienführung.

Für Wolfgang Schaumann, Sprecher des Gemeindesportrings (GSR), sind die die Zuständigkeiten klar geregelt. Die Arbeitsgemeinschaft Tennis innerhalb des GSR treffe sich zweimal im Jahr. Die nächste Sitzung sei im August. Dort wird laut Schaumann besprochen, wie die Vereine die Spielstätten der Gemeinde nutzen können. Bei den Tennisspielern gehe das nach der Anzahl der gemeldeten Sportlern.

Schaumann merkt aber an, dass man nicht Mitglieder werben könne, wenn diese nicht spielen können. Andere Vereine hätten deshalb einen Mitgliederstopp, weil deren Kapazitäten nicht ausreichen. Er hat einen Tipp für die Lahauser Sparte. Sie könnte sich um andere Hallenzeiten in der Region bemühen. „Man müsste die dann zum Beispiel in Dreye bei Dassbeck oder bei anderen Vereinen anmieten“, so Schaumann.

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