Helke Kraatz geht in den Ruhestand

Bioladen „Kornblume“ in Kirchweyhe schließt nach 33 Jahren

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Helke Kraatz geht Ende des Monats in den Ruhestand. Nach 33 Jahren schließt sie den Bioladen „Kornblume“. Danach will sie die Geschäftsfläche an der Bahnhofstraße neu vermieten.

Kirchweyhe - Von Katharina Schmidt. Als Helke Kraatz mit ihrem damaligen Partner den Bioladen „Kornblume“ an der Kirchweyher Bahnhofstraße übernommen hat, dachte sie, dass sie das Geschäft vielleicht drei oder vier Jahre führen wird. Sie sah in dem Laden eine gute Möglichkeit, um Arbeit und die Betreuung ihrer kleinen Tochter unter einen Hut zu bekommen. Aus den geplanten drei oder vier Jahren in der „Kornblume“ sind für Kraatz 33 geworden. Ende März verabschiedet sie sich in den Ruhestand und schließt.

„Dass ich mit dem Bioladen das Rentenalter erreiche, hätte ich damals nicht gedacht“, erzählt die heute 65-Jährige. Sie denkt gerne an die Zeit in ihrem Geschäft zurück, kann mittlerweile auch über Tage lachen, an denen nicht alles glatt lief.

1985 haben sie und ihr damaliger Gefährte Siegfried Bösche mit dem Laden den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Es war alles improvisiert“, erinnert sich Kraatz. „Die Waren standen in Ikea-Realen, das Billigste vom Billigen.“ Sie und ihr Partner seien ohne Professionalität an die Sache herangegangen, dafür aber mit viel Herzblut.

Immer mal wieder etwas verändert

Überregionale Umwelt- und Lebensmittelskandale haben das Treiben in dem Bioladen immer wieder beeinflusst. So zum Beispiel die Kernschmelze in Tschernobyl. „Alle Leute waren total verunsichert“, berichtet Kraatz. Die Nachfrage nach Sojadrinks sei nach der Nuklearkatastrophe in die Höhe geschossen. Auch die Rinderseuche BSE und Angst vor EHEC-Bakterien wirkten sich aus. „Die Umsätze haben sich zum Teil verdoppelt“, sagt Kraatz. Ihre Erfahrungen decken sich mit Statistiken des Großhandels, denen zufolge das Kaufverhalten von Kunden nach einer Lebensmittelkrise nach durchschnittlich 13 Wochen wieder normalisiert.

Manchmal diskutiert die 65-Jährige mit Menschen, die Bio nicht trauen. Die damit argumentieren, dass auch nicht alle Bioprodukte frei von Pestiziden und anderen Schadstoffen sind. „Schwarze Schafe gibt es immer“, sagt Kraatz diesbezüglich. Sie rät trotzdem zu Bioprodukten. „Warum? Weil ich bei konventionellen Lebensmitteln die Pestizide immer habe.“

Die Jahre vergingen und Kraatz blieb der „Kornblume“ treu. Kunden konnten und können bei ihr Brot, Käse, Aufstriche, Wein, Obst, Kosmetik und vieles mehr kaufen. Sie und Bösche, der Anfang 2003 aus dem Geschäft ausstieg, veränderten immer mal wieder etwas am Laden. Hier renovierten sie, da bauten sie um, dort feilten sie am Konzept. So lösten sie zum Beispiel irgendwann eine Lehrküche auf, die anfangs Teil des Angebots war.

Inhaberin strickt sich zweites Standbein

Nicht nur die Welt im Laden änderte sich, sondern auch die drum herum. Bio etablierte sich. Plötzlich standen ganze Bio-Supermärkte in Bremen. In jedem Discounter tauchten Produkte mit dem grünen Siegel auf. „Dadurch wurde es für uns schwierig“, erzählt Kraatz. Für sie war schnell klar: Ein zweites Standbein muss her.

Kraatz, die ursprünglich aus Schleswig-Holstein kommt und deren Familie lange Zeit ein Handarbeitsgeschäft besaß, nahm 2010 Wolle ins Sortiment auf. Mit Erfolg.

Wer die letzten Knäuel oder andere Waren bei Helke Kraatz und ihrer Mitarbeiterin Waltraut Haffki kaufen möchte, kann dies noch bis zum 29. März tun. An dem Tag schließt der Laden.

Und dann? Dann möchte Kraatz die Geschäftsfläche in ihrem Haus am liebsten vermieten. „Ich bin offen für alles und stehe nicht unter Zugzwang.“ Die baldige Rentnerin dankt schon jetzt allen Kunden. Manche von ihnen seien seit der ersten Stunde regelmäßig Gast in der „Kornblume“ gewesen. Ihr Dank richtet sich außerdem an ihre Mitarbeiterinnen und an Siegfried Bösche.

Ihren Ruhestand blickt Kraatz entspannt entgegen. „Ich möchte raus aus dem Trott“, meint sie. Große Pläne macht sie bewusst nicht. Sie lässt es auf sich zukommen. So, wie sie vor 33 Jahren das Ganze mit dem Geschäft auf sich hat zukommen lassen.

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