Bewegung Klimaliste

Eine neue Klima-Partei im Landkreis Diepholz

Andreas Böck ist das erste Mitglied der neu gegründeten Bewegung und Partei Klimaliste im Landkreis Diepholz. Der Weyher kann sich vorstellen, bei der Kommunalwahl im Herbst für den Kreistag zu kandidieren.
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Andreas Böck ist das erste Mitglied der neu gegründeten Bewegung und Partei Klimaliste im Landkreis Diepholz. Der Weyher kann sich vorstellen, bei der Kommunalwahl im Herbst für den Kreistag zu kandidieren.

Mit der Klimaliste entsteht derzeit eine bundesweite Bewegung, die etwa in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Ambitionen zeigt, als Partei in den Landtag einzuziehen. Die Klimaliste möchte den etablierten Parteien vor allem beim Thema Klimaschutz Druck machen.

  • Die Klimaliste fordert die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens ‒ des 1,5-Grad-Ziels.
  • In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz tritt sie im März bei Landtagswahlen an.
  • Im Landkreis Diepholz hat sie bislang ein Mitglied.

Weyhe – Wobei Andreas Böck lieber noch von einer Bewegung als von einer Partei spricht. Der 50-jährige Weyher ist der erste und bislang auch einzige Vertreter der Klimaliste im Landkreis.

„Das ist im Moment noch eine One-Man-Show“, gibt er zu. Dennoch scheint die Klimaliste weder Spaß-Partei noch Eintagsfliege zu sein. Vor allem Corona habe die Organisation bislang ausgebremst, berichtet Böck. Die Zeit seit der Gründung vergangenes Jahr im September habe die Klimaliste vor allem mit der internen Strukturierung verbracht. Die Ziele sind jedoch klar: „Die Klimaliste will das Pariser Klimaabkommen zum Fliegen bringen“, macht Böck es kurz.

Klimaschutz von der Straße ins Parlament ‒ Fridays-For-Future-Aktivisten in der Partei

Es gehe darum, das Thema Klimaschutz von der Straße ins Parlament zu bringen. In der Klimaliste befänden sich viele junge Leute und auch Fridays-For-Future-Aktivisten, erklärt Böck. Es gebe allerdings auch viele Ältere, die Bewegung sei bunt gemischt. Was alle am Ende eint, sei eine „breite Unzufriedenheit mit dem Status Quo“. Selbst die Grünen würden oft nur „halb gar“ am Thema Klimaschutz arbeiten und zeigten dabei „mal mehr oder weniger keine Lust“, kritisiert Böck.

Er selbst fand seinen Weg zur Klimaliste vergangenes Jahr über einen Zeitungsartikel. Das Thema Klimaschutz habe ihn lange nicht interessiert, sagt der 50-Jährige, der nach eigener Aussage noch nicht in der Politik aktiv war. Wer sein heutiges Interesse aber auf die Geschehnisse rund um Fridays-For-Future zurückführt, der liegt nur halbrichtig. Der Impuls, sich mehr mit dem Klima zu beschäftigen, sei vielmehr die Reaktion seiner Mitbürger und seiner Generation auf die Proteste gewesen. „Extrem herablassend und selbstgerecht“ sei diese gewesen.

Klimaliste will im März in Niedersachsen an die Öffentlichkeit

Böcks Biografie spielte in seinen Entschluss mit hinein: Mitte 2019 zog er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern von Bayern nach Leeste. In Süddeutschland hatte er zuletzt als Controlling-Leiter in der Führungsetage eines Unternehmens gearbeitet, war dafür regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs – bis eine Krankheit ihn zum Frührentner machte. „Mir ist dann nach und nach klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann.“

Böck wurde Vegetarier, beschäftigte sich mit Müllvermeidung. Als er von der Klimaliste las, habe er direkt Kontakt nach Hannover aufgenommen, wo eine kleine Landesgruppe existierte. „Das ist genau meine Alternative“, habe er damals gedacht. Seitdem machte die Klimaliste vor allem in jenen Bundesländern von sich hören, wo bereits am 14. März Wahlen sind.

Doch auch hierzulande könnte die Bewegung bald mehr in Erscheinung treten. „Es wird im März ein Going Public geben“, kündigt Andreas Böck an. Dann gehe es auch darum, weitere Mitglieder zu finden.

Andreas Böck stört sich an vielen Neubaugebieten

Und langfristig? Will Böck auch selbst in die Politik gehen? Er könne sich vorstellen, im Herbst für den Kreistag zu kandidieren, wenn er genug Unterstützer finde, verrät der Weyher.

Auch wenn er noch kein Wahlprogramm habe, Ideen für den Landkreis habe er durchaus. Böck nennt als Schwerpunkte die Bereiche Grundwasser, Moore und Massentierhaltung. Diese Themen müsse man sich hier „noch mal deutlich vornehmen.“ Es laufe allerdings nicht alles schlecht, im Gegenteil: „Es wird hier auf kommunaler Ebene schon viel gemacht.“ Viele Leute seien beim Thema Umweltschutz gesprächsbereit, das sei nicht selbstverständlich.

Nach kurzer Denkzeit fällt Böck noch ein Bereich ein, der ihm gar nicht passt: „Das gedankenlose Ausweisen von Neubaugebieten ist hier gang und gäbe.“ Wie lange könne man noch alles zubetonieren, fragt er sich.

Klimaliste will etwas kompromissloser sein als Bündnis 90 / Die Grünen

Wer sich weiter mit der Klimaliste beschäftigt, findet immer wieder Themenbereiche, die bislang vor allem den Grünen zugeordnet wurden. Deswegen die Fragen an Böck: Braucht es noch eine Umweltpartei? „Auf jeden Fall!“ Nimmt sie den Grünen nicht am Ende vielleicht wichtige Stimmen weg? „Das ist ein schwieriges Thema“, gibt Böck zu. Am Ende komme es immer auf den Kandidaten an. Mehr könne er dazu aktuell nicht sagen.

Und was unterscheidet die Klimaliste von den Grünen? Ist es ihre Kompromisslosigkeit? Andreas Böck denkt nach. „Kompromisslosigkeit ist ein hartes Wort.“ Klar sei: Klimaschutz ist das oberste Ziel der Bewegung. Danach werde alles ausgerichtet. Man müsse sich zum Beispiel fragen: Muss das 120. Gewerbegebiet wirklich noch gebaut werden? In dem Sinne sei es schon ein bisschen Kompromisslosigkeit, schätzt Böck.

Kontakt Wer sich für die Klimaliste interessiert oder selbst aktiv werden möchte, kann sich direkt an Andreas Böck über die E-Mail-Adresse klimalistediepholz@web.de oder an den Niedersachsen-Verband über niedersachsen@klimaliste.de wenden.

Hintergrund: Warum die Klimaliste einmal kurz vor dem Aus stand

Die Klimaliste wurde im September 2020 von überwiegend jungen Menschen und Studenten in Freiburg (Baden-Württemberg) gegründet. Ziel der Bewegung war, beim Thema Klimaschutz vor allem Druck auf die schwarz-grüne Landesregierung aufzubauen. Im Januar war es der Klimaliste trotz der Corona-Pandemie gelungen, 5.000 Unterschriften für eine Kandidatur bei der Landtagswahl am 14. März zu sammeln.

Als die Grünen kurz darauf das 1,5-Grad-Ziel bei den Klimabemühungen wieder in ihr Wahlprogramm aufnahmen, gab es Unstimmigkeiten bei der Bewegung. Einige Gründungsmitglieder forderten deren Rückzug von der Landtagswahl, da die gesteckten Ziele erreicht worden seien. Am Ende zogen sie sich jedoch von der Spitze der Bewegung zurück, die Klimaliste kandidiert weiterhin.

Parallel baute sich in Rheinland-Pfalz, das ebenfalls unter grüner Beteiligung regiert wird, eine weitere Klimalisten-Landesgruppe auf. Auch sie will am 14. März für den Landtag kandidieren. In Niedersachsen gibt es derzeit vor allem aktive Klimalisten in Hannover und Oldenburg. Hierzulande stehen erst am 12. September Kommunalwahlen an. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass die Klimaliste auch bei der Bundestagswahl im Herbst kandidieren möchte.

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