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Betreuung von Kita-Kindern: Steigender Bedarf an Plätzen in Weyhe

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Von: Dierck Wittenberg

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Eine von 16 Kindertageseinrichtungen in der Gemeinde: die Kita in Sudweyhe. Um den Bedarf an Plätzen zu decken, könnte eine weitere Kita nötig werden.
Eine von 16 Kindertageseinrichtungen in der Gemeinde: die Kita in Sudweyhe. Um den Bedarf an Plätzen zu decken, könnte eine weitere Kita nötig werden. © Dierck Wittenberg

Auf die Gemeinde Weyhe kommt ein steigender Bedarf an Kita-Plätzen zu. Das geht aus einer Prognose im Ausschuss für Schulen, Kindertagesstätten und Jugend hervor. Demnach könnte eine zusätzliche Einrichtung nötig werden. Laut Haushaltsplanung soll eine neue Kita im Baugebiet Angelse entstehen.

Weyhe – 478 Plätze stehen Krippenkindern in der Gemeinde Weyhe aktuell zur Verfügung, bei den über drei-jährigen Kindergartenkindern sind es 1063. Reicht das auch für die kommenden Jahre? Laut einer Schätzung, die Martin Albrecht vom Planungsbüro für Stadtentwicklung „Gertz Gutsche Rümenapp“ am Montagabend dem Ausschuss für Schule, Kindertagesstätten und Jugend vorgestellt hat, könnte eine zusätzliche Einrichtung nötig werden.

Bevölkerungsanstieg um mehr als 600 Personen

Albrecht war nicht zum ersten Mal im Schulausschuss zu Gast. Das Hamburger Büro hatte bereits in der Vergangenheit Zahlen zur künftigen Entwicklung der Kita-Kinder und Schüler geliefert. Darauf bezog sich Albrecht zu Beginn seines Vortrags: Während die Prognosen sonst „immer ganz gut gepasst“ hätten, sei das für 2022 „nicht so“ der Fall gewesen. Hier habe es einen – nicht vorhergesehen – Bevölkerungsanstieg um mehr als 600 Personen gegeben. Den führte Albrecht auch, aber nicht nur, auf das Fluchtgeschehen aus der Ukraine zurück.

„Es bleibt eine Prognose“, schränkte Albrecht bezogen auf seine Schätzung der künftigen Bevölkerungsentwicklung ein. Man schaue, wer in der Gemeinde lebe. „Die Personen lassen wir altern, sterben, gebären und wandern“, umriss der Diplom-Ingenieur seine Methode. Dabei beziehen die Planer sowohl Neubau-Gebiete als auch Bautätigkeiten im Bestand ein.

Um den Betreuungsbedarf zu prognostizieren, rechnen die Planer ferner mit einer Betreuungsquote. Also damit, wie viele Kinder aus der jeweiligen Altersklasse auch in die Kita gehen. Während dies im Kindergartenalter fast alle Kinder seien (Albrecht: „Wir setzen hundert Prozent an.“), liege die Quote bei den Krippenkindern bei gut 62 Prozent. Hier ergäben sich zwei Szenarien: Diese Quote bleibt auf dem aktuellen Stand. Oder sie steigt nach und nach, sprich: Ein wachsender Anteil von Eltern will Kinder im Alter von null bis drei Jahren in der Krippe betreuen lassen.

„Der Bedarf könnte sich nicht unerheblich erhöhen“

Je nach Entwicklung der Quote könnte der Bedarf an Betreuungsplätzen in Kitas deren Angebot übersteigen. Dann müssten zusätzliche Kapazitäten entstehen. „Der Bedarf könnte sich nicht unerheblich erhöhen“, sagte Albrecht. Bei steigender Betreuungsquote könnte der Ausbaubedarf seiner Präsentation zufolge bereits von neun Plätzen im Jahr 2024 auf 29 Plätzen im Jahr 2025 steigen, 2028 könnten es 66 sein. Bei gleichbleibender Quote gäbe es erst ab 2026 einen Ausbaubedarf von zehn Plätzen. Bei den Kindergarten-Kindern würde der Ausbau-Bedarf dagegen von 25 Plätzen im Jahr 2023 auf null 2026 sinken.

Ergänzend präsentierte Albrecht Ergebnisse einer Bedarfsabfrage, die sein Büro über Fragebögen bei Eltern von Kita-Kindern eingeholt hatte. Die sich daraus ergebende Schätzung des Bedarfs an Betreuungsplätzen bestätige die Schätzung aus dem Quotenmodell, so Albrecht.

Nach diesem Vortrag sprach sich Inga Bleeker vom Fachbereich Bildung und Freizeit für eine neue Kita aus. Dies sollte keine Krippeneinrichtung werden. Bleeker verwies etwa auf den Zuzug ukrainischer Kinder sowie auf die räumlichen Gegebenheiten: Viele Kitas seien noch auf eine Betreuung von 8 bis 12 Uhr ausgelegt.

Neue Kita in Angelse in Vorbereitung

Unterdessen befindet sich eine neue Kindertageseinrichtung, wie berichtet, in Vorbereitung: im Baugebiet „Südlich Angelser Straße“. Der von Albrecht prognostizierte zusätzliche Bedarf gilt nicht über diese Einrichtung hinaus, vielmehr würde sie dazu beitragen, den Bedarf zu decken, bestätigte Gemeinde-Sprecher Sebastian Kelm gestern auf Nachfrage. Die Kita Angelse ist in Albrechts Prognosen demnach bisher nicht berücksichtigt.

Im Teilhaushalt für die Bereiche Schule, Kindertagesstätten und Jugend ist der Bau der Kita Angelse für 2023 mit 350 000 Euro berücksichtigt. Nachdem die Grünen sich bereits in der Vergangenheit für einen anderen Standort ausgesprochen hatten, legten sie einen Änderungsantrag nach: Das Geld solle statt für eine Kita „auf der grünen Wiese“ für zwei kleinere Einrichtungen beim ehemaligen Gasthaus Amelung in Leeste sowie im Bereich Kirchweyhe/Lahausen ausgegeben werden, so Hannelore Roitsch-Schröder. „Ich habe nicht ernsthaft damit gerechnet, dass ihr euch umstimmen lasst“, sagte die Grüne nach der Abstimmung, in der mit SPD und CDU eine Mehrheit gegen die Änderung votiert hatte.

Die Haushaltssatzung für 2023 für Schule, Kindertagesstätten und Jugend hatte zuvor Fabian von Weyhe, Fachbereichsleiter Bildung und Freizeit, dem Ausschuss in Umrissen vorgestellt. Im Ergebnishaushalt sind demnach 20,6 Millionen Euro eingeplant. Hierzu kämen noch rund 5,5 Millionen Euro, die für Miete, Gebäudewirtschaft und Ähnliches auf den Fachbereich Bau und Liegenschaften umgelegt werden.

Etat 2023: 18,3 Millionen Euro für die Kindertagesstätten

Wie sich diese Aufwendungen verteilen, zeigte von Weyhe anhand eines Tortendiagramms: Von zusammen rund 26,1 Millionen Euro seien 18,3 Millionen Euro oder 70 Prozent für die Kindertagesstätten vorgesehen. Davon entfielen 13,3 Millionen, also gut die Hälfte des gesamten Teilhaushalts, auf das Personal. Es folgen mit 3,85 Millionen Euro (15 Prozent) die Grundschulen, mit 3,27 Millionen Euro (13 Prozent) die beiden Kooperativen Gesamtschulen sowie mit einer halben Million Euro (zwei Prozent) die Kinder- und Jugendarbeit. Unter Projekten und Themen kündigte von Weyhe unter anderem eine zusätzliche Krippengruppe im Erweiterungsbau der Kita Jahnstraße an.

Das Budget empfahl der Ausschuss einstimmig dem Gemeinderat, für die Investitionen gab er mit einer Enthaltung (Franziska Schwarz-Beck, FDP) grünes Licht.

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