Lockerungen für Einzelhändler

Ungeklärte Fragen beim Termin-Shopping in Weyhe

Frank Rother steht vor seinem Juwelier-Geschäft Zeitgeist.
+
Genervt vom Krisenmanagement: Frank Rother vom Juwelier-Geschäft Zeitgeist.

Einzelhändler, die bislang nicht öffnen durften, können seit Montag Shopping mit Termin anbieten - auch in Weyhe. Zum Start berichten die Weyher Geschäftsleute von Quadratmeter-Wirren.

  • Termin-Shopping für Einzelhändler ist jetzt erlaubt.
  • Nach der niedersächsischen Corona-Verordnung muss ein Abstandsgebot gewahrt werden.
  • Was das im Einzelnen heißt, ist in Weyhe aber noch nicht geklärt.

Weyhe – Frank Rother ist erster Vorsitzender des Weyher Gewerberings. Als Inhaber des Juwelier-Geschäfts Zeitgeist blickt er außerdem auf eine nun fast dreimonatige Durststrecke ohne Kundengeschäft zurück. Und damit ist er von einer der vorsichtigen Lockerungen betroffen, die der Corona-Gipfel am 3. März beschlossen hatte.

Unter anderem dürfen Einzelhändler, die bislang nicht öffnen durften, seit Montag Shopping mit Termin anbieten. Wie das allerdings genau geregelt ist, war lange unklar und ist es zum Teil immer noch. Seine entsprechende Corona-Verordnung hat das Land Niedersachsen keine zwei Tage vorher, am Samstagabend, veröffentlicht, berichtet Frank Rother. Eine vernünftige Planung sei so unmöglich, sagt er – und das ziehe sich wie ein roter Faden durch das Krisen-Management der Politik.

Die späte Kommunikation der neuen Regeln findet auch Carsten Hauch „sehr, sehr unglücklich“. Hauch ist Vorsitzender der Leester Werbegemeinschaft und Inhaber des Modehauses von Hollen. Die Lösung, Geschäften Termin-Shopping zu erlauben, nennt er den „kleinstmöglichen Nenner“, die zudem „sehr kurzfristig“ eingeführt wurde.

Juwelier Rother hatte im Vorfeld bei seinen Kunden „unheimlich viel Verunsicherung“ wahrgenommen, berichtet er. Zumal er Fragen dazu, wie es diese Woche weitergehen würde, bis zum Wochenende nicht definitiv beantworten konnte.

Denn mit den Details geht es weiter. In der niedersächsischen Corona-Verordnung heißt es nun, dass Beratung und Verkauf „nach vorheriger Terminvereinbarung und unter Wahrung des Abstandsgebots“ zulässig seien, „wobei sich in den Geschäftsräumen nur eine Kundin oder ein Kunde mit jeweils einer Begleitperson je 40 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten darf.“

Gilt die Beschränkung auch für Personen aus demselben Haushalt?

Aber gilt die Beschränkung auch für Personen aus demselben Haushalt? Wie genau wird das Verhältnis von Fläche zu Kunde berechnet? Wenn die Ladenfläche nicht glatt durch 40 teilbar ist, wie zählen angefangene Quadratmeter? Wie viele Kunden sind also erlaubt, wie viel personal nötig? Die Quadratmeter-Frage konnte bis Dienstag auch die Gemeinde nicht beantworten, zum Bedauern von Wirtschaftsförderer Dennis Sander. Ihn hatten zuletzt vermehrt Fragen von Gewerbetreibenden zu den Coronaregeln erreicht. Zur Quadratmeter-Regel laufe eine Prüfung bei der Gewerbeüberwachung Diepholz. Deren Ergebnis soll heute eintreffen, hofft Sander.

Für seine Kunden bietet Frank Rother seit Anfang der Woche Termine an. Die Nachfrage danach war am ersten Tag bei sonnigem Wetter stärker als gestern. Um zwei Kunden gleichzeitig beraten zu können, stehen im Ladengeschäft am Marktplatz auch stets zwei Verkaufskräfte bereit, zu den regulären Öffnungszeiten.

Rothers Einschätzung zum Einkaufen mit Termin: „Besser als nichts, aber das hat mit Shoppen nichts zu tun.“ Zum Beispiel gehöre dazu auch unverbindliches Stöbern. Wer aber eigens einen Termin mache, werde Hemmungen haben, gar nichts zu kaufen.

Vorhandene Öffnungs-Möglichkeiten nutzen

Rother beobachtet, dass vor allem Kunden kommen, die einen Anlass haben, sich etwa für Trauringe interessieren. Oder die – der lange Lockdown macht’s möglich – Weihnachtsgeschenke umtauschen möchten.

Ob sich das Termin-Geschäft kaufmännisch lohnt, will Frank Rother am Ende prüfen. Dann werde man abschätzen können, „ob und wie das angenommen wird“. Der Juwelier möchte „Flagge zeigen“ und die vorhandenen Öffnungs-Möglichkeiten nutzen, um für seine Kunden da zu sein.

Nach fast drei Monaten Lockdown und einem eingeschränkten Weihnachtsgeschäft ist für Rother aber auch klar: „Wir brauchen dringend Umsatz“.

Vom Krisenmanagement der Politik ist er zusehends genervt. Der Juwelier verweist auf Zahlen, nach denen der Einzelhandel kein erhöhtes Infektionsrisiko darstelle. Ein Unsicherheitsfaktor ist, dass die Lockerungen nur gelten, solange die Inzidenz unter 100 bleibt. Im Landkreis Diepholz wurde dieser Wert zuletzt deutlich unterschritten. Ein Anstieg der Zahl könnte erneut zu Schließungen führen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Meistgelesene Artikel

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen

Maskenpflicht gilt ab Samstag in Sulingen
Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald
Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen

Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen

Landkreis Diepholz aktuell nicht von Corona-Notbremse betroffen
Konzept für Sulinger Netto-Markt-Areal offenbar weit gediehen

Konzept für Sulinger Netto-Markt-Areal offenbar weit gediehen

Konzept für Sulinger Netto-Markt-Areal offenbar weit gediehen

Kommentare