Ärger in der Leester Marsch

Beleidigende Gesten an der Tagesordnung

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Viele Radler wissen nicht, dass die Wege in der Leester Marsch nicht der öffentlichen Hand, sondern einer Vereinigung von 170 Eigentümern gehören. Diese nennt sich Realverband Leeste Nord.

Leeste - Von Sigi Schritt. Den Landwirten reicht es: Regelmäßig ärgern sie sich über Radfahrer, die sie mit Worten und Gesten beleidigen. Dabei bleibt es nicht, berichtet ein Treckerfahrer. Er habe zahlreiche verbale Auseinandersetzungen erdulden müssen. Damit nicht genug. „Manche lassen absichtlich ein Überholen nicht zu. Rennradfahrer schalten einen Gang runter und fahren gemütlich vor einem Trecker“, schimpft der Landwirt, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Er und seine Berufskollegen wünschen sich mehr Verständnis, wenn die Radler in der Leester Marsch unterwegs sind. Das Verhältnis zwischen den Landwirten, die die Leester Marsch bewirtschaften und Radfahrern sei derzeit angespannter denn je, hieß es. Deshalb hat der Realverband „Leeste Nord“ gehandelt und am Wochenende mehrere Schilder aufgestellt. Sie befinden sich an dem Weg von Brinkum nach Leeste, an dem die Wasserbüffel grasen, am Horstkamp, an der Ochtumbrücke sowie am Umspannwerk. Die neuen Schilder zeigen zwei Bilder: Darauf sind jeweils ein Trecker und eine junge Radfahrerin zu sehen. Deutlich fordert der Realverband die Radfahrer auf, Rücksicht zu üben. Er möchte, dass die Radler den landwirtschaftlichen Fahrzeugen ausweichen.

Landwirte ärgern sich über Radfahrer und Skater, dass sie die Eigentumsverhältnisse der Wege igorieren.

Die Fotos mit der – aus Sicht der Landwirte – richtigen Verhaltensweise ergänzen das Metallschild mit der Aufschrift „Privatweg. Landwirtschaftlicher Verkehr hat Vorrang!“. Das ignoriere ein Teil der Naherholungssuchenden, hieß es. Wenn nicht die Radler Stress machen, sind es die Sportler auf Inlinern, die sich über die verdreckten Wege beschweren. „Wir sind stets bemüht, die Streitigkeiten nicht eskalieren zu lassen“, so Jörg Wagenfeld, der Vorsitzende des Realverbands. „Viele Radfahrer glauben, dass die Feldwege und auch der Teilabschnitt des Radwanderwegs Bremen-Bad Oeynhausen zwischen der Ochtum-Brücke und dem Umspannwerk öffentliche Straßen sind. Das stimmt aber nicht“, klärt er auf.  Einer Gemeinschaft von 170 Eigentümern gehören alle Wege in dem rund 600 Hektar umfassenden Gebiet. Dieser Verband ist auch für die Instandhaltung zuständig. Die Gemeinde Weyhe gehört ebenfalls zu dieser Vereinigung. „Viele Leester haben zwar keinen Hof mehr, jedoch haben sie ihre Grundstücke verpachtet“, so Wagenfeld. Er bittet die Marsch-Nutzer, beiseite zu gehen oder zu fahren. „Die Gespanne können wegen der vielen Gräben nicht ausweichen, sonst laufen sie Gefahr, vom Weg abzurutschen. Das gefährdet möglicherweise auch die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer.“

Die Landwirte hätten manchmal nur kurze Zeitfenster, um ihre Felder zu bestellen. In der Erntezeit müssen sie sich beispielsweise beeilen, um ein Feld vor einem herannahenden Regen abzuernten. Dann sei es wichtig, dass die Trecker mit ihren Anhängern voler Korn so schnell wie möglich die Silos ansteuern. „Zwischen 30 und 40 Kilometer pro Stunde kann ein Gespann fahren. Einige Radler sind mit Tempo 15 unterwegs und bleiben den ganzen Weg über vor dem Fahrzeug. Das ärgert die Landwirte. Zumal Lohnunternehmer teilweise einen dreistelligen Stundensatz abrechnen.“ Sie tuckern mit den Fahrzeugen nicht ein Mal hinter den Radlern hinterher, sondern viel öfter. Das summiert sich.

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